LUXEMBURG
PIERRE WELTER, FREIER JOURNALIST

Das Jahr am Bezirksgericht Luxemburg im letzten Quartal 2018

Mit den bezeichnendsten Prozessen und Urteilen aus dem letzten Quartal des Jahres geht heute unser Gerichts-Rückblick zu Ende. 2019 wird sich übrigens einiges im Bezirksgericht ändern. Im August 2018 erweiterte ein neues Gesetz die Liste der Fälle, die in den Zuständigkeitsbereich eines Einzelrichters oder „juge unique“ fallen: Rebellion, Überfall, Beleidigung, Körperverletzung usw. kommen nun dazu. Bislang haben Einzelrichter in Luxemburg hauptsächlich verkehrsbedingte Straftaten (einschließlich Unfällen mit materiellem Schäden) verhandelt. Schon seit langem war über ein Erweiterung des Kompetenzperimeters von „juges uniques“ nachgedacht worden. Ziel ist es, mehr Richter für andere Aufgaben zur Verfügung zu stellen.

11. Oktober: Ein 37-jähriger Luxemburger wird in einem Versäumnisurteil wegen Missbrauchs von Titeln, Urkundenfälschung und Betrugs im Zusammenhang mit seiner angeblichen Tätigkeit als Psychologe zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und einer Geldstrafe von 3.000 Euro verurteilt.

17. Oktober: Ein Autofahrer, der durch einen selbstverschuldeten Unfall zwei Menschenleben auf dem Gewissen hat, wurde zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren auf Bewährung verurteilt. Ein Handyvideo der Todesfahrt im Wagen hatte 234 km/h angezeigt.

18. Oktober: Wegen einer „Macheten-Attacke“ wird ein 21-jähriger Kapverdier zu einer Freiheitsstrafe von zehn Jahren, davon acht auf Bewährung verurteilt. Ihm wird versuchter Mord und schwere Körperverletzung vorgeworfen.

24. Oktober: Zweistelligen Millionenbetrag abgezweigt

Der 67-jährige Ex-Geschäftsführer der Multiplan Group SA, Cornelius E., steht vor Gericht, weil er laut Staatsanwaltschaft, die Immobiliengesellschaft Multiplan SA. mit dubiosen Methoden geführt habe. Der Mann habe zwischen 2007 und 2009 durch eine „montage perfide“ zwischen 20 und 27 Millionen Euro abgezweigt. Urteil: Januar 2019.

30. Oktober: Das Berufungsgericht verurteilt einen 41-jährigen „Hellseher“ zu einer Freiheitsstrafe von zwanzig Monaten und einer Geldstrafe von 2.000 Euro. Der Angeklagte hatte einem Opfer mit seinen angeblich „übersinnlichen Kräften“ rund 20.000 Euro abgeknöpft.

31. Oktober: Bombenanschlag auf den eigenen Vater

Zu einer Haftstrafe von 14 Jahren Gefängnis (davon vier auf Bewährung mit Auflagen) wird ein 41-jähriger Luxemburger verurteilt, der im Herbst 2016 einen Anschlag mit einer im Auto platzierten Rohrbombe auf seinen Vater verübt hatte. Das Opfer überlebte den Anschlag. Die Kriminalkammer spricht Kim Z. des versuchten Mordes und des Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion schuldig.

7. November: Weil sechs Kapverdier in wechselnder Beteiligung an einer Serie von besonders brutalen Überfällen auf einen Drogendealer beteiligt waren, verurteilt die Kriminalkammer drei von ihnen zu jeweils 18 Jahren Haft. Ein vierter Komplize wird ebenfalls zu 18 Jahren verurteilt, davon zehn auf Bewährung. Ein fünfter Komplize soll für sieben Jahre hinter Gitter. Der sechste Täter wird zu acht Jahren verurteilt, davon vier auf Bewährung.

12. November: Aus „Langeweile“ hatte ein 20-jährigen Luxemburger neunzehn Steine von einer Brücke auf die Autobahn A13 zwischen Kayl und Schifflingen geworfen. An drei Autos entstand Sachschaden, verletzt wurde zum Glück niemand. Urteil: 36 Monate Haft wegen versuchten Totschlags. Hinzu kommen: Gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr und unerlaubter Waffenbesitz.

16. November: Ein 46-jähriger Luxemburger, wird wegen fahrlässiger Tötung im Straßenverkehr zu einer Freiheitsstrafe von 15 Monaten auf Bewährung und einer Geldstrafe von 2.500 Euro verurteilt. Am 18. Juni 2016 hatte der Mann einen 24 Jahre alten Autofahrer auf der Autobahn in der Nähe von Esch/Alzette überfahren. Der Mann war auf der Stelle tot. Anstatt sich dem Unfall zu stellen, fuhr der Fahrer weiter - und beging damit eine Fahrerflucht. Der Alkoholtest, der Stunden später erfolgte, ergab ein Resultat von 1,84 Promille zur Tatzeit.

19. November: Ein Lehrer wegen Unzucht vor Gericht

Ein Luxemburger Grundschullehrer aus Bissen steht wegen Unzucht vor Gericht. Patrick M. (42) war seit 2001 Lehrer in einer Schule in Bissen. Er soll von 2003 bis 2015 insgesamt 16 Mädchen von mehr oder weniger elf Jahren dazu gebracht haben, sich auszuziehen, um sie an intimen Stellen zu filmen. Dem Mann wird erschwerend vorgeworfen, die Mädchen an diesen Stellen angefasst zu haben. Der Prozess wurde bis auf Weiteres ausgesetzt.

20. November: Ein Prozess nach 21 Jahren

Das Luxemburger Bezirksgericht wird Bühne eines außergewöhnlichen Prozesses. Nach 21 Jahren wird der besonders brutale Raub und Mord in der City Concorde verhandelt. Der 64-jährige Franzose und Ex-Legionär Joël C. soll am 24. Juni 1997 am Überfall auf einen Geldboten im Einkaufszentrum City Concorde in Bartringen beteiligt gewesen sein. Er streitet alles ab. Das Urteil ist für den 29. Januar 2019 vorgesehen.

27. November: Ein 25-jähriger Tunesier wird wegen versuchten Totschlags, Freiheitsberaubung, Geiselnahme und schwerer Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von 15 Jahren verurteilt, davon fünf auf Bewährung.

29. November: Einem 27-jährigen Luxemburger wird vorgeworfen am 23. September 2017 in Esch/Alzette nach einem Streit seinen Cousin (28) aus einer Flasche mit brennbarer Flüssigkeit überschüttet und angezündet zu haben. Der Mann leidet seit einiger Zeit unter einer Psychose. Das Gericht kommt zur Überzeugung, dass bei der Tat eine akute Krankheitsphase vorgelegen habe. Darum muss sich H. einer neuen psychiatrischen Untersuchung unterziehen.

11. Dezember: Prozess um den Überfall auf Rentnerehepaar. Der Raub, den drei Männer und eine Frau am 23. Dezember begangen haben, liegt zehn Jahre zurück. Urteil: 17. Januar 2019.

12. Dezember: Polizist angefahren nach einem Streit um ein Knöllchen. Urteil: 9. Januar 2019.

13. Dezember: Die drei Hauptangeklagten im Wasserbilliger Drogenprozess, auch als „G33“ bezeichnet, sind in Kassation. Ein Kassationsentscheid in den beiden Fällen Victor U. und Miss Bekky wird für den 24. Januar 2019 erwartet. Der Kassationsentscheid im Fall Joseph E. wurde auf den 26. September 2019 gelegt.

13. Dezember: Am 12. Mai 2016 wurde ein 74 Jahre alter Rentner in seinem Haus in Esch/Alzette von drei rumänischen Frauen, die dort wohnten, geschlagen, gequält und in eine Kammer gesperrt. Das Gericht hält die Anklage des versuchten Totschlags zwar nicht zurück, aber eine der Frauen erhält vier Jahre Haft, davon zwei auf Bewährung. Die zweite Frau erhält drei Jahre Haft, davon 18 Monate auf Bewährung. Die dritte Frau wird freigesprochen.

18. Dezember: Zur Prostitution gezwungen

Drei mutmaßliche Mitglieder einer chinesischen Menschenhändler-Bande stehen vor Gericht. Sie sollen von teils minderjährigen Frauen profitiert haben, die als Prostituierte in mindestens fünf Appartements in Luxemburg/Howald anschafften. Urteil: 23. Januar 2019.

20. Dezember: Eine 44-jährige Brasilianerin wird wegen Menschenhandel, Zuhälterei und Geldwäsche zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt, davon 12 Monate auf Bewährung. Ein 65-jähriger Portugiese hatte der Mitangeklagten die Zimmer im ersten Stock untervermietet. Er wurde zu einer Freiheitsstrafe von zwölf Monaten auf Bewährung und einer Geldstrafe verurteilt.

21. Dezember: Ein Ex-Jugendfußballtrainer ist wegen Verdacht auf Verbreitung von Kinderpornographie angeklagt. Der 25-jährige Mike S. wartet auf sein Urteil, das voraussichtlich am 24. Januar 2019 gesprochen wird.