LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Staatssekretär Gira gibt Entwarnung: Existenz von Monster-Ratten nicht belegt, aber britische Ratten sind durch Gen-Mutation resistent gegen Gifte - Noch keine Fälle in Luxemburg

Ratten sind nicht jedermanns Ding. Obwohl es einige, in der Regel die Weißen, in den Rang eines geliebten Haustiers geschafft haben und andere sich für Wissenschaft und Pharmaindustrie aufopfern, gruseln sich die meisten Menschen vor den hochintelligenten Nagern. Sie wissen zwar, dass die Ratten meist in unmittelbarer Nähe des Menschen leben, in Kanalisation, Schuppen, Kellern oder auf Dachböden. Solange man sie nicht zu Gesicht bekommt, ist das zu ertragen.

Alleskönner

Ratten haben die Fähigkeit, in fast jeder Umgebung zu überleben, was mit sich bringt, dass sie auch zahlreiche Krankheiten übertragen können. Es waren Rattenflöhe, die im 14. Jahrhundert die Pest nach Europa einschleppten. Die Biester sind also intelligent und de facto gesundheitsgefährdend, den ewigen Kampf mit dem Homo sapiens haben sie bis jetzt auch relativ unbeschadet überstanden, aber wenigstens sind sie klein. Hoffentlich - denn in letzter Zeit sollen in Europa Ratten in einer beachtlichen Größe beobachtet worden sein.

Abgeordnete Bauler und Hahn besorgt

Presseberichte haben die beiden liberalen Abgeordneten André Bauler und Max Hahn dazu veranlasst, eine parlamentarische Frage an Umweltministerin Carole Dieschbourg zum Thema „mutierte Ratten“ zu stellen. In ihrer Begründung beziehen sie sich auf Presseberichte, in denen Ratten mit einer Länge von 60 bis 90 Zentimeter beschrieben werden, die in einigen britischen Städten wie Birmingham, Liverpool oder Oxford gesichtet wurden. Diese Ratten sollen, so der Kenntnisstand von Bauler und Hahn, aus Afrika stammen und resistent gegen herkömmliche Rattengifte sein.

Die Fragen an Dieschbourg lauten knapp: Können sie Angaben zu diesem Phänomen machen? Wurden solche Ratten schon hierzulande gesehen? Ist mit einer „Invasion“ des europäischen Festlands zu rechnen?

Ein ernstes Thema

Die Erwartung des Außenstehenden, dass das Umweltministerium das Thema „Mutanten-Ratten“ als Tataren-Meldung abtut, wird im Großen und Ganzen nicht erfüllt. Staatssekretär Camille Gira setzt sich ausführlich und umfassend mit der Frage der beiden Abgeordneten auseinander. In Sachen Größe wiegelt Gira ab. Wie bei allen Säugern könne es auch bei Wanderratten Abweichungen in der Körpergröße geben. Im Durchschnitt habe ein Exemplar eine Körperlänge von 25 cm, hinzu komme ein gleich langer Schwanz. Die Beobachtung einer außergewöhnlich großen Ratte, vielleicht noch als „groß wie eine Katze“ beschrieben, führe gleich zu Pressemeldungen, die sich dann potenzierten. Gira erinnerte an die Geschichte des mysteriösen schwarzen Panthers, der vor einigen Jahren in den Ardennen angeblich gesehen wurde. Mit jeder Sichtung sei er größer und gefährlicher geworden.

Fixe Genmutation

Anders und erheblich schwerwiegender ist die Sache mit der Rattengift-Resistenz. Diese Meldungen entsprechen offenbar - für die britischen Inseln - den Tatsachen. Die mutierten Ratten seien nichts anderes als das Produkt des jahrzehntelangen Einsatzes von Nagergiften in Großbritannien, sowohl in den Städten als auch auf dem Land. Studien der Universität Huddersfield hätten gezeigt, dass die Resistenz gegen die Gifte rapide wächst. Die Ratten hätten sich durch eine Veränderung ihrer DNS an die üblichen Gifte angepasst. Das sei ein Evolutionsschritt à la Darwin, direkt vor unseren Augen, so Gira.

Gifteinsatzbeschränken

Um der Gefahr derartiger Genmutationen vorzubeugen, sei es wichtig, den Einsatz von Rattengiften auf ein Minimum zu beschränken. Außerdem bestände auch die Gefahr der Akkumulation der Gifte in den Fressfeinden der Ratten, etwa den Füchsen. Für Luxemburg lägen noch keine Berichte über giftresistente oder außergewöhnlich große Ratten vor. Obwohl die Wanderratte in Luxemburg praktisch überall vorkomme, habe es bis heute noch keines der in anderen Ländern beobachteten Probleme mit den Nagern gegeben, so Gira abschließend.