CLAUDE KARGER

„Beide gehören einer kleinen, aber wachsenden Kaste an: Berufspolitiker aus Handaufzucht“, mutmaßte gestern der „T“-Leitartikler über die beiden Kandidaten für den CSV-Vorsitz, den unterlegenen Serge Wilmes, „der perfekte Schwiegersohn, etwas brav, aber deshalb auch risikofrei“ und den neuen Boss der orangen Partei, Frank Engel, „ein raubeiniger Vollblutpolitiker mit der dazugehörigen dunklen Seite“. Wie einige andere im Politgeschäft hätten sie dort bereits ihren Lebensunterhalt verdient, bevor sie zu Mandaten kamen. Der „Archetyp dieser Kaste“ sei aber gewissermaßen Jean-Claude Juncker gewesen, 1980 als junger Anwalt sofort zum CSV-Fraktionsmanager geweiht. „Seither fühlt sich so mancher Jungpolitiker schon als Versager, wenn er es nicht mit spätestens 28 zum Regierungsmitglied geschafft hat“. Aber: „Legitimität wird nicht erteilt, man muss sie sich verdienen“, meint der Autor. Verdient hat sie sich etwa unser Chefdiplomat, seit dem zarten Alter von 55 in der Regierung und ziemlich selbst gezüchtet. „Man geht ja nicht in die Politik rein oder raus, so wie einem das gefällt - man muss gewählt werden“, sagte er unlängst der „Aachener Zeitung“. Und: „wenn man gewählt ist, muss man, wenn man A sagt, auch B sagen“, meint der als Velo-Raubein bekannte Diplomatiechef, der „solange um dieses Europa kämpfen“ wolle, „wie ich den Arbeitsweg mit dem Fahrrad meistere“. Also noch Äonen...