PASCAL STEINWACHS

Eigentlich erstaunlich, dass Jean Asselborn seinen Außenministerjob trotz eines kräftezehrenden Arbeitspensums - allein innerhalb der letzten zehn Tage bereiste er unter anderem Afghanistan, Usbekistan und Pakistan und nahm an einem Treffen der EU-Europaminister in Budapest teil -, und trotz eines Alters, in dem der Durchschnittsluxemburger gemeinhin schon zehn Jahre in Rente ist, immer noch mit einer Begeisterung ausübt, als hätte er sein Ministeramt gerade erst angetreten.

Dabei richtete sich der schon seit langem dienstälteste Außenminister der EU gestern bereits zum dreizehnten Mal mit seiner außenpolitischen Erklärung an die Abgeordnetenkammer, in der sich diesmal, knapp zwei Monate vor den Europawahlen, natürlich noch mehr als sonst mit Europa befasst wurde, das sich momentan ja bekanntlich nicht gerade in einer guten Verfassung befindet. Und dies nicht nur wegen dem Brexit, den Asselborn gestern auch im „ZDF-Morgenmagazin“ kommentierte, und sich dabei überzeugt zeigte, dass Theresa May nach ihrer vorgestrigen Niederlage „den Dirigentenstab an das Parlament abgegeben“ habe, womit eine neue Chance entstehen könne, dass die zwei großen Parteien aufeinander zugehen und sich auf ein „Brexit-Light“ verständigen könnten, „wo Großbritannien in der Zollunion bleibt“. Zum selben Thema sprach Asselborn gestern Abend dann auch noch bei Sandra Maischberger.

Die aktuelle Weltlage verglich der begeisterte Radfahrer in seiner Erklärung indes mit einer ganz schwierigen Bergetappe: „De Wand ass rau a bléist engem riicht an d’Gesicht. Et reent ëmmer méi staark, an d’Strooss gëtt glëtscheg“, was für Radfahrer und Politiker, die sich nicht kleinkriegen lassen, nicht aufgeben und die all ihre Kraft und Motivation mobilisieren würden, „fir de Bierg ze packen an d’Zil ze erreechen“, ideale Bedingungen darstellen würden. Dass Asselborn zu diesen Radfahrern und Politikern gehört, daran ließ er gestern keinen Zweifel.

Aufmerksam verfolgt wurde die Rede des Außenministers gestern übrigens auch vom US-Botschafter in Luxemburg, der im Vorfeld in einer Pressemitteilung angekündigt hatte, die Erklärung genau anzuhören, um dann der Presse zur Verfügung zu stehen, „to comment and explain on any related U.S. and Foreign Policy topics that may have been addressed“, aber der gleiche US-Botschafter hatte ja auch schon im Vorfeld des Arbeitsbesuchs des russischen Ministerpräsidenten in Luxemburg Druck auf die Regierung ausgeübt, die Krim-Krise zu thematisieren und die russische Regierung zum Rückzug aufzufordern.

Dass Jean Asselborn den Vereinigten Staaten in seiner fast 50 Seiten umfassenden Rede gerade einmal zehn Zeilen widmete, macht derweil deutlich, was Luxemburgs Chefdiplomat von der Politik von US-Präsident Trump hält. Der US-Botschafter zeigte sich dann aber mit der Asselborn‘schen Erklärung zufrieden, drohte aber an, die Rede in den nächsten Tagen genauer studieren zu wollen: „I look forward to studying in more detail his thoughts in the coming days“. Nur gut, dass unser Außenminister mit allen diplomatischen Wassern gewaschen ist und sich nicht aus der Ruhe bringen lässt...