LUXEMBURG
JEAN BÜRLESK

Workshops für Kreatives Schreiben sprießen in ganz Europa aus dem Boden. Im Plan zur Förderung der Luxemburgischen Sprache wird angekündigt ein Optionsfach mit dem Titel „Kreatiivt Schreiwen am Lëtzebuergeschen“ in den Schulen einzuführen. Was kann man in einem Creative Writing-Workshop erlernen? Und wo sind seine Grenzen? Nachwuchsschriftsteller Jean Bürlesk erläutert uns seine Sicht.

„Man kann vieles lernen. An vielerlei Stellen. Was man in einem Creative Writing Workshop lernen kann, hängt vom Workshop ab – und vom Dozenten – und von einem selbst. Wie fördert man Kreativität? Ist das was dich kreativ macht nicht gerade das, was du nicht von außen lernen kannst, das was du in dir selbst entdecken musst? Ist es nicht paradox, das Individuelle, das Eigene in einem Klassensaal erlernen zu wollen?

Auf der anderen Seite kann man sicherlich Schreiben lernen. Zumindest kann man lernen, klarer und effizienter zu schreiben. Was eher selten von Nachteil ist.

Wenn diese Kurse einen Experimentierraum bieten, in dem die Teilnehmer ihre Stimme suchen können, sich künstlerisch austoben können, ohne hierarchisch von einem Dozenten bewertet zu werden, dann können sie tatsächlich zu einem Springbrett für kreatives Schaffen werden. Wichtig ist meiner Ansicht nach, dass man seine Arbeit mit der Gruppe teilen kann, ja, dazu aufgemuntert wird – aber nie gezwungen. Das kann aber natürlich nur funktionieren, wenn man als Teilnehmer die Lust dazu hat, sich zu entdecken, und den Mut, sich zu zeigen. Gezwungene Teilnahme erscheint kontraproduktiv.

Jeder Mensch ist kreativ, aber nicht jeder drückt seine Kreativität im Schreiben aus. Wenn diese Workshops – im besten Fall – zu einem Raum der künstlerischen Selbstentdeckung werden sollen, würde ich sie jeder Form des Schaffens öffnen. Jeder soll das machen, was ihn inspiriert, sei es Schreiben, Tanzen, Malen, Musik komponieren.… – ‚anything goes‘. Dazu braucht es auch keinen Leonardo da Vinci zum Dozenten: der Dozent soll begleiten, er kann beispielsweise Themen vorschlagen und den Austausch moderieren, aber auf keinen Fall soll er den Magister Elegantiarum spielen; wenn er meint, er könne und müsse das Schaffen der Teilnehmer bewerten, ist er – und das Projekt – bereits gescheitert. Eine Benotung ist ausdrücklich nicht erwünscht.

Schreiben lernt man meines Erachtens immer noch vor allem dadurch, dass man erstens liest, zweitens schreibt und drittens sein Schreiben nach außen bringt, es mit anderen Leuten teilt und sich mit ihnen darüber unterhält. Das können Bekannte sein, ein Verleger… Hauptsache Andere.

Kritik ist gut. Kritik bringt einen voran. Das heißt nicht, dass der andere unbedingt Recht hat. Man nimmt, was einem hilft, ignoriert, was einem nicht hilft. So oder so bereichert man sich am Perspektivenwechsel. In Luxemburg gibt es mit den ‚Désœuvrés‘ und dem ‚Word in Progress‘ zwei – auch für angehende Schriftsteller offene – Lesereihen, die genau diese Art von Auseinandersetzung zum Ziel haben.“