LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Die Arbeiten zur Renaturierung der Petruss in der Hauptstadt beginnen jetzt

Nach jahrelangen Vorarbeiten, Verhandlungen, Untersuchungen, Abstimmungen und unzähligen involvierten Verwaltungen, vom hauptstädtischen Amt für Grünanlagen über Ministerien bis hin zur Unesco, kann es los gehen. Wobei es zuerst mal hässlich wird - aber, kann es noch hässlicher werden, als die Kanalrinne, die sich im schönsten Tal der Hauptstadt Petruss nennt? Eigentlich nicht.

Es geht um die Renaturierung der Petruss und die Sache mit dem „hässlich“ ist eigentlich auch nur eine Warnung, denn am Ende wird sich alles zum Besseren wenden. Zunächst mit Hilfe von Landschaftsarchitekten, Motorsägen und Baumaschinen, danach mit etwas Zutun der Natur selbst. Bei einer Renaturierung ist der Weg zu einem natürlichen Bachverlauf mit viel Arbeit und einem nicht unerheblichen Aufwand gepflastert, der sich natürlich in den Kosten, aber zunächst einmal in einer Baustelle niederschlägt, die nicht jedem gefallen wird. Bis auf den dann flachen Ufern wieder frisches Grün wächst, wird es auch ein bisschen dauern. Die zu erwartende Nörgelei darüber, obwohl unbegründet, wird wohl nicht zu vermeiden sein... Darüber sind sich auch die Planer im Klaren.

Jetzt geht‘s los

Gestern stellten Hauptstadtbürgermeisterin Lydie Polfer und Umweltministerin Carole Dieschbourg die Pläne für das Petruss-Tal vor. Die Pläne sind nicht neu, aber jetzt sind alle notwendigen Absprachen getroffen, die Ausschreibung ist abgeschlossen und die ersten Aufträge sind vergeben. Zunächst geht es rund 116 Bäumen an die Wurzel, die im Rahmen der Renaturierung des Bachbetts gefällt werden müssen. Die Zahl klingt hoch, aber die Bäume werden zum größten Teil ersetzt und am später natürlichen Bachbett werden sich schnell Gehölze wie Weiden selbst pflanzen. Im April werden die Bagger anrücken und das Betonbett abreißen, inklusive aller Brücken, weil deren Spannweite für eine renaturierte und damit breite Petruss nicht ausreicht.

An allen Stellen an denen historische Spuren dokumentiert sind, wird es archäologische Ausgrabungen geben. Vor allem am östlichen Eingang des Tales, wo die Reste der ehemaligen St. Ulrichs-Kirche unter einem Parkplatz liegen.

Phase I: Grund bis Bourbon-Schleuse

Das Gesamtprojekt der Petruss-Renaturierung reicht von der Mündung in die Alzette am Rande des Stadtgrunds - hier soll eine Fischtreppe entstehen, um die Petruss wieder zu beleben - bis nach Hollerich. Das Vorhaben ist in zwei Bauabschnitte gegliedert. Die nun beginnenden Arbeiten betreffen den Bachlauf von der Mündung im Grund bis zur „Bourbon-Schleuse“ unterhalb des Verfassungsplatzes. Im Frühjahr 2023 sollen diese Arbeiten abgeschlossen sein, passend zur LuGa, der dann geplanten „Luxemburgischen Gartenschau“.

Der Ausbau des Abschnitts von der Schleuse bis zur Antwerpener Straße soll 2024 beginnen. Im Tal liegende Baudenkmäler werden in die Neugestaltung mit einbezogen. Polfer betonte die Zustimmung der Unesco-Kommission zum Gesamtprojekt. Der Bach wurde vor vielen Jahren in sein Betonbett gepresst um die Fließgeschwindigkeit zu erhöhen, beides sorgt dafür dass die Petruss so gut wie kein Leben aufweist - Fische schon gar nicht.

Mit der Renaturierung soll sich die hydrologische Situation des Baches verbessern. Flora und Fauna sollen sich entwickeln können und das Petruss-Tal, als Park der Anwohner, optisch und ökologisch dazugewinnen.

Das bisherige Bachbett wird um anderthalb Meter angehoben und deutlich verbreitert, die dann natürliche Gewässersohle wird auch Lebensraum im Wasser schaffen.

Vorbild Cessinger Bach

Vorbild für die Arbeiten an der Petruss ist die Renaturierung des Cessinger Baches, wo auch aus einer Betonröhre, wieder ein lebendiger kleiner Bachlauf mit viel Grün gemacht wurde. Darauf wies Umweltministerin Carole Dieschbourg hin, deren Haus das Projekt vorbehaltlos und auch mit etlichen Millionen Euro unterstützt. Ähnlich wie die Bürgermeisterin betonte Dieschbourg ebenfalls den hohen Arbeitsaufwand zur Vorbereitung der Renaturierung.

Auch wer sich um die insgesamt 168 Bäume sorgt, die in beiden Bauphasen weichen müssen, konnte von der Ministerin beruhigt werden. Durch 134 neue Bäume und das begrünte Bachufer wird man nach der Renaturierung nicht nur einen ökologischen Ausgleich erreicht haben, sondern sogar einen Überschuss an „Ökopunkten“ verzeichnen können.

Die wasserbaulichen Arbeiten werden zu 90 Prozent aus dem Wasserfonds des Umweltministeriums bezuschusst werden. Laut Bürgermeisterin Polfer betragen die veranschlagten Baukosten für die Phase I insgesamt 26 Millionen Euro, von denen das Umweltministerium zwölf Millionen übernimmt.