LUXEMBURG
MARCO MENG

Grüne Finanzierungen haben enormes Wachstumspotenzial

Nev Hyman ist eine Surferlegende. Der Australier liebt es, auf dem Surfbrett zu stehen und auf Wellen zu reiten, je größer desto besser. Doch was ihn mit der Zeit immer mehr störte, war der Plastikmüll, der in den Wellen schwimmt und sich im Meer sammelt. Darum hat Hyman 2016 das Unternehmen NevHouse gegründet, das eine ganz einfache Sache macht: Es baut Häuser aus Plastikmüll oder genauer, es stellt aus allen Sorten von Plastikmüll Steckmodule her, mit denen je nach Größe innerhalb von einem bis drei Tagen Häuser errichtet werden können, wie Hyman gestern auf dem „PwC Lux Green Finance Day“ ausführte. Dazu entwickelte sein Unternehmen eine Apparatur, mit dem der Plastikmüll geschreddert und zu Bauelementen verarbeitet wird - und das, ohne dass der Plastikmüll vorher sortiert werden muss. Noch ein Vorteil: die Elemente müssen nicht dahin, wo sie gebraucht werden, exportiert werden, sondern können vor Ort aus vorhandenem Plastikmüll produziert werden. „Das schafft dann vor Ort auch Arbeitsplätze“, sagte Hyman.

Die Architektur dieser Plastikgebäude, seien es Wohnhäuser, Notunterkünfte, Krankenstationen oder Schulen, kann je nach Bedarf, nach Kultur und Region angepasst werden. Da China keinen Plastikmüll mehr importiert, steigt der Bedarf nach Lösungen. „NevHouse bietet sie an“, sagte Hyman. Derzeit werden so in Mexiko 50.000 Wohngebäude errichtet. Zusätzlich hat Hyman letztes Jahr in Luxemburg einen Fonds als SICAV-RAIF aufgelegt. Der NevEarth Fund will zunächst 20 Millionen Euro aufbringen, um den Bau des ökologischen Dorfes NevHouse an der australischen Gold Coast zu finanzieren, weitere Projekte gibt es bereits.

„Wir sind immer auf der Suche nach neuen Partnern und Investoren, die uns bei der Finanzierung der verschiedenen Projekte unterstützen“, sagt die Surferlegende.

Werden Finanzierungen „grüner“?

Im Jahr 2015 hat Luxemburg die Task Force „Climate Finance“ ins Leben gerufen, um die Regierung zu beraten, wie sie einen wichtigen Beitrag zur Bekämpfung des Klimawandels leisten kann. Luxemburg möchte sich als internationales Zentrum für Klimafinanzierung etablieren, und ist dazu auf gutem Weg, wie Steven Libby, Asset und Wealth Management Leiter und Chief Transformation Officer bei PwC Luxemburg unterstrich. Nicht nur habe Luxemburg vor zehn Jahre seine Vorreiterrolle unterstrichen, indem hier der welterste „Green Bond“ aufgelegt worden war, auch bei Fonds mit einer Umweltstrategie liegt Luxemburg vorne.

Jetzt fehlt noch das Gesetz für grüne Anleihen, genau gesagt für grüne Pfandbriefe („lettres de gage énergies renouvelables“), sagte Thorsten Schmidt von der Covered Bond Bank der Nord/LB Luxemburg. Das ersehnte Gesetz soll Investoren Rechtssicherheit bieten und solche Wertpapiere darum für Investoren attraktiv machen. Demnächst soll es verabschiedet werden, versicherte Finanzminister Pierre Gramegna, der gestern zusammen mit Umweltministerin Carole Dieschbourg die Konferenzteilnehmer überzeugten, dass die gesamte luxemburgische Regierung hinter der Strategie stünden, das Finanzwesen „grüner“ zu machen. Die Branche selbst braucht da aber wohl kaum noch überzeugt zu werden: Laut der Ratingagentur Moody’s ist der Markt für Anleihen, die in Umweltschutz/Energieeffizienz investieren, derzeit 200 Milliarden Dollar schwer.

Ein solches Anleihe-Gesetz wäre weltweit das erste für grüne Anleihen und soll beispielsweise Erzeugung, Lieferung und Speicherung erneuerbarer Energien finanzieren oder auch Elektromobilität. Nord/LB Luxembourg mit einem verwalteten Vermögen von 60 Milliarden Euro, hat bereits erste nachhaltige Energieprojekte finanziert, unter anderem eines in Australien, wo ein Solarpark 86.000 Haushalte mit Strom versorgt.

Der luxemburgische „Green for Growth Fund“, 2009 als öffentlich-private Investitionsplattform zur Finanzierung von Energieeffizienz und erneuerbaren Energien ins Leben gerufen, wurde gestern ebenfalls als beispielhaft präsentiert. Der 609 Millionen Euro schwere Fonds - 100 Millionen von Privatinvestoren - ist in 19 Ländern aktiv und hat bereits 133 Projekte finanziert.