MELBOURNE
KIM GREIS

Auslandssemester in Melbourne: Ein Ausflug ins historische Portarlington an der Küste

Den Großteil meiner bisherigen Zeit in Australien habe ich bislang in Melbourne verbracht. Zum Reisen würde ich nach dem Abschluss meines Projekts noch genug Zeit haben, sage ich mir immer. Als der Leiter der Arbeitsgruppe, in der ich forsche, uns zum Barbecue in sein Wochenendhaus in der kleinen Gemeinde Portarlington auf der Halbinsel Bellarine an der Küste einlud, habe ich natürlich keinen Moment gezögert und sofort zugesagt.

Ohne Auto (mit dem man etwa 90 Minuten brauchen würde) hinzugelangen, ist allerdings alles andere als leicht. Man müsste den Zug bis in die nächste größere Stadt Geelong nehmen und dann von dort aus den Bus. Es gibt stattdessen noch die Möglichkeit, eine Fähre in der Innenstadt von Melbourne zu nehmen, die Portarlington direkt ansteuert und ebenfalls 90 Minuten braucht. Obwohl sich die meisten aus unserer Arbeitsgruppe fürs Auto entschieden und auch noch Platz für mich gehabt hätten, wollte ich für die Hinfahrt die Fähre nehmen, da ich fand, dass dies eine gute Gelegenheit wäre, eine andere Seite von Melbourne kennenzulernen. Die Gastwissenschaftler unserer Arbeitsgruppe aus Frankreich und Japan haben ebenfalls die Fähre genommen (eine gute Gelegenheit mein Französisch zu trainieren!).

Blick auf Skyline von Melbourne

Die Fähre startete im Yarra Fluss und fuhr langsam in die Bucht Port Phillip. Dort angekommen nahm das Schiff rasant an Geschwindigkeit auf und es wurde sehr windig an Deck. Von dort aus konnte man jedoch einen guten Blick auf die immer kleiner werdende Skyline von Melbourne werfen, die nie ganz verschwand. In Portarlington angekommen, fuhr die Fähre an Felsen entlang, auf denen Pinguine saßen (das erste Mal, dass ich Pinguine in freier Wildbahn sehe!). An der Vorbereitung des anschließenden Barbecues half jeder mit, es war eine sehr lockere Stimmung. Danach begab ich mich auf Erkundungstour und begab mich zum Strand. Ich konnte dort neben zahlreichen Möwen auch einen Pelikan beobachten.

Die Gemeinde, in der etwa 3.500 Menschen leben, ist für ihren Karawanenpark und die alte Mühle (1857 eröffnet) bekannt. Man merkt, dass in Australien eine etwas andere Zeitskala herrscht, da es erst nach Mitte des 19. Jahrhunderts intensiv besiedelt wurde. In Portarlington leben zudem viele Rentner. Das ergibt auch Sinn, denn es ist ein sehr ruhiger Ort, an dem kaum Verkehr herrscht und sehr viel Natur vorhanden ist.

Tückische Sonne

Obwohl nur etwas weniger als 20 °C gemeldet waren, wurde es doch noch richtig warm, als am Nachmittag die Sonne rauskam. Dies hat dazu geführt, dass ich nachher einen ordentlichen Sonnenbrand im Gesicht hatte. Allgemein fängt man sich in Australien aufgrund des Ozonloches, wodurch weniger schädliche UV-Strahlung aus dem Sonnenlicht gefiltert wird, tendenziell eher schneller einen Sonnenbrand, als man es in Europa gewohnt ist. Daher wird auch empfohlen, grade an sonnigen Tagen, immer eine adäquate Kopfbedeckung zu tragen. Das sollte ich nächstes mal dann wohl lieber auch tun.

Anschließend sind wir mit der ganzen Arbeitsgruppe über den Strand und den kleinen Hafen spaziert. Dabei haben wir festgestellt, dass das Wasser noch ganz schön kalt ist, was uns aber nicht davon abgehalten hat, für das obligatorische Gruppenfoto knöcheltief ins Wasser zu steigen. Anschließend traten wir dem Heimweg an. Da die letzte Fähre bereits abgefahren war, wurde ich mit dem Auto mitgenommen und praktischerweise bis vor die Haustür kutschiert und konnte so auch die umliegende Natur auf dem Festland bestaunen.

Fazit: ein gelungener Tag! Vor allem die Fähre und die Umgebung in Portarlington haben es mir angetan. Es ist verständlich, dass manche es im Alter bevorzugen, an einem ruhigeren Ort zu leben als in der hektischen Großstadt Melbourne, die nichtsdestotrotz ziemlich nahe ist und sowohl mit Auto als auch der Fähre gut zu erreichen ist. Es lohnt sich also hin und wieder aus der Stadt rauszufahren und auf Erkundungstour zu gehen. Vielleicht sieht man ja was Spannendes!