BERLIN
LISA ELSEN

Wie die Berliner Clublandschaft durch nachhaltige Konzepte grüner werden will

Feiern und dabei die Umwelt schonen? Klingt erstmal widersprüchlich, schließlich sind Clubs nicht für ihre Nachhaltigkeit bekannt. DJs, die für ihre Auftritte um die halbe Welt fliegen, ein enormer Stromverbrauch und jede Menge Müll tragen nicht gerade dazu bei, das Klima zu schonen. Genau dieses Problem will man in Berlin jetzt angehen, indem man Clubkonzepte entwickelt, die nachhaltiger und umweltschonender sind. Denn Berlin will bis 2050 klimaneutral werden und dafür müssen Lösungen her, in allen Lebensbereichen.

Ein Verein, der sich bereits seit einigen Jahren dafür einsetzt, ist der 2014 gegründete „clubliebe e.V.“, der mit kreativen Ideen eine nachhaltige Clubkultur fördern möchte. Dazu hat man verschiedene Projekte, wie „Clubtopia“ und den „Clubmob.Berlin“, auf den Weg gebracht und eine Online Broschüre ausgearbeitet. Kooperationspartner sind die Clubcomission und der BUND Berlin e.V.. Aber wie sinnvoll sind solche Projekte tatsächlich und wie sehen sie konkret aus?

Heiße Luft oder innovativer Ansatz?

Der „Clubmob.Berlin“, eine gemeinnützige Initiative, bietet seit 2011 kostenlose Energieberatungen für Clubs an. Die Idee dahinter ist simpel: Nach der Beratung werten sie aus, wie viel Wasser und Strom der Club verbraucht und wie man effizienter mit diesen Ressourcen umgehen kann. Danach organisiert man eine Party, bei der alle Einnahmen in Energiesparmaßnahmen fließen, zum Beispiel in einen Ökostromanbieter. „Nur mit Projekten wie diesen können Clubs auch langfristig die Umwelt schonen,“ erklärt Konstanze Meyer, Projektleiterin von „Clubtopia“. Obwohl mit solchen Konzepten noch immer eine Nische bedient wird, hat sich die Idee mittlerweile auf andere Bereiche ausgeweitet.

Virtueller Klimaberater: der „Green Club Guide“

Der „Green Club Guide“ ist eine Online Broschüre, die Tipps für die nachhaltige Gestaltung von Clubs gibt. Durch diesen „virtuellen Klimaberater“ erspart man den Clubbetreibern eine aufwendige Recherche und bietet einen Überblick darüber, wie man ressourcenschonend einen Club betreiben kann. Wie sieht es beispielsweise mit alten Kühlschränken aus, und was kann man alles recyceln? Auf diese Fragen gibt die Broschüre Antworten. „Mit solchen Angeboten werden in erster Linie Clubbetreiber und Professionelle der Nachhaltigkeitsbranche angesprochen“, erklärt Meyer weiter. Denn sie sind diejenigen, die langfristig in nachhaltige Clubkonzepte investieren müssen. Das ist zwar kosten-und zeitintensiv, lohnt sich am Ende aber sowohl für die Betreiber als auch für die Gäste. Wichtig ist es aber auch, sich innerhalb der Szene zu vernetzen, um sich über regelmäßige Fortschritte und Probleme austauschen zu können.

Runde Tische und Zukunftslabore

Um einen möglichst effizienten Austausch zu gewährleisten, finden regelmäßig Runde Tische für eine grünere Clubkultur statt. Dort diskutieren Veranstalter und Clubbetreiber gemeinsam, wie eine umwelt- und klimafreundliche Clubszene aussehen könnte. Ein gemeinsam ausgearbeiteter Verhaltenskodex soll dann als Orientierung dienen, um auch in Zukunft möglichst klimaschonend agieren zu können. Organisiert wird das Ganze von „Clubtopia“, einem finanziell geförderten Projekt, das regelmäßig zu Workshops und Diskussionsrunden lädt. Das Wissen und die erworbenen Kompetenzen sollen aber auch nach außen getragen werden, nicht zuletzt um junge Menschen anzusprechen. Schließlich sind sie es, die Clubs und Festivals besuchen. Für sie sind nachhaltige Clubkonzepte deshalb attraktiv, weil sich dadurch die Lebensfreude der Partykultur mit einem hochaktuellen Thema wie der Klimakrise verbinden lässt.

Damit auch junge Menschen mitgestalten können, wurden die „Future Party Labs“, sogenannte Zukunftslabore, entwickelt. „Dort können nicht nur Professionelle, sondern auch Clubgäste innovative Clubkonzepte mitgestalten“, so Meyer. In Workshops werden zum Beispiel Ideen für umweltfreundliches Bauen mit Materialien wie Hanf entwickelt. Am Ende gibt es einen Ideenwettbewerb, bei dem die vielversprechendsten Ideen nicht nur gekürt, sondern auch unterstützt werden. Denn kreative Ideen sind schön und gut, aber sie müssen auch realisiert werden.

Auch andere Städte setzen auf klimabewussteres Feiern

Nicht nur in Berlin, sondern auch in anderen deutschen Städten wird das Konzept einer umweltbewussten Feierkultur immer populärer. So wurde in Osnabrück unter dem Motto „Techno for Future! Techno tanzen, Bäume pflanzen“! ein Techno Rave organisiert. Ziel war es, mit dem eingenommenen Geld Bäume zu pflanzen und so einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. In Freiburg gibt es seit 2018 eine Fahrraddisco, in der die Gäste den Strom durch Fahrradfahren selbst erzeugen. Quasi Strampeln für mehr Nachhaltigkeit. Nachhaltige Clubkonzepte: Eine Idee, die langsam aber sicher Schule macht. Und wer weiß, vielleicht wären solche Konzepte ja auch etwas für die luxemburgische Clubkultur.

Mehr Informationen unter: www.clubtopia.de