LUXEMBURG
KERSTIN BECKER

„Mumpreneurship“ liegt voll im Trend. Aber ist das ein passendes Modell für alle Frauen, die Kinder und Erwerbstätigkeit verbinden wollen? Kerstin Becker hat nach einer langen Karriere in internationalen Unternehmen vor über drei Jahren die Marketing- und Strategieberatung Business Pilotage Consulting Sàrl gegründet. Sie engagiert sich in verschiedenen Netzwerken u.a. für Unternehmensgründerinnen und vergleicht im Folgenden Klischees mit der Realität.

„Mit der Wortschöpfung Mumpreneur werden Frauen bezeichnet, die ein Unternehmen gründen oder sich selbständig machen und zusätzlich eine aktive Mutterrolle haben. Während viele ‚Work-Life-Balance‘-Veranstaltungen sich um die Frage drehen ‚Was kommt zuerst – der Job oder die Familie?‘, versuchen Mumpreneurs beides miteinander zu vereinbaren.

Viele stellen sich als Mumpreneur eine gestresste, aber glückliche Mutter mit Spucktuch über der Schulter und dem Smartphone in der Hand zwischen Kleinkindern und Bauklötzen im zum Home Office umfunktionierten Esszimmer vor. Viele Frauen glauben, dass sie nach einer Babypause im Job mit einer Selbständigkeit mehr Freiheit und vor allem mehr Zeit für ihre Kinder haben. Aber auch für die beste Superheldin hat ein Tag nur 24 Stunden, egal wie man seine Prioritäten setzt.

Klar, es gibt viele gute Gründe, die den Schritt zur Unternehmensgründung vorteilhaft machen, allen voran die Flexibilität: Viele Arbeiten, insbesondere Papierkram, den man als Unternehmer selbst erledigt, lassen sich außerhalb typischer Bürozeiten machen, z.B. wenn die Gute-Nacht-Geschichte gelesen und das Kind im Bett ist. Umgekehrt kann man dann an Werktagen auch mal Termine für den Nachwuchs einplanen.

Aber auch für Mumpreneurs gelten letztendlich die gleichen Spielregeln und Voraussetzungen wie für alle Unternehmensgründer: Nur, wer wirklich von Herzen Unternehmer ist, kann langfristig damit erfolgreich sein. Risiken abwägen, Entscheidungen treffen und Rückschläge wegstecken gehören genauso dazu wie Überstunden - sowie Laptop und Smartphone im Urlaubsgepäck.

Wer die Herausforderung wagen möchte, muss eine ganze Menge Motivation, Disziplin und Selbstkontrolle mitbringen, denn schließlich gibt es keine Vorgesetzten und – zumindest am Anfang – keine Kollegen, die einen vorantreiben, kontrollieren, im Krankheitsfall einspringen oder nur mal Ideen austauschen. Da helfen nur gute Netzwerke, und zwar beruflich und privat. Auch die finanzielle Seite ist zu betrachten, denn ein regelmäßiges Gehalt, Lohnfortzahlung und Urlaub sind nicht garantiert wie bei einer Festanstellung. Wer darüber keine schlaflosen Nächte fürchten muss, kann aber mit viel Fleiß und Schweiß erfolgreicher sein als ein Rädchen im Getriebe eines großen Unternehmens. In der eigenen Organisation gibt es für ehrgeizige Frauen keine ‚gläserne Decke‘.

Der wichtigste Rat für angehende Mumpreneurs ist, realistische Erwartungen zu haben. Das betrifft vor allem die eigentliche Geschäftsidee: Nur wer potenziellen Kunden eine echte ‚Value Proposition‘, ein Nutzenversprechen, bietet, kann sich gegenüber Wettbewerbern behaupten und erfolgreich wirtschaften. Es reicht nicht aus, einfach nur ein Hobby monetarisieren zu wollen.

Bleibt nur noch die Frage: Warum wird so oft von ‚Gründervätern‘ gesprochen, aber nie von ‚Dadpreneurs‘? Möglicherweise haben die Gesellschaft und ihre eigenen Familien schlicht geringere Erwartungen an männliche Unternehmensgründer, was das Familienleben betrifft. Zum Glück beginnt sich dieses Bild langsam zu wandeln, denn auch immer mehr Väter wollen ihre Kinder aktiv beim Aufwachsen begleiten.“