Die Hauptstadt hat eine Reihe von Baustellen, mentale und reale, die seit Jahren diskutiert werden. In einigen Fällen tut sich überhaupt nichts; in andern geht es voran oder zumindest - die Planung ist sehr konkret.
Wo sich gar nichts tut, oder nur sehr wenig, ist die Wüste, die sich Place de Etoile nennt. Nur in einer Ecke, die unserem Kenntnisstand nach nicht dem Haupt-Bauträger gehört, wird gebaut. Ansonsten gedeiht das Unkraut prächtig. Wer von der Arloner Straße aus in die Hauptstadt hinein fährt, muss sich die Augen reiben, angesichts des Widerspruchs zwischen exorbitanten Grundstückspreisen und dieser riesigen Brachfläche. Auch in Sachen „Porte de Hollerich“ muss man Matthias Claudius zitieren: „Still ruht der See“ - ist vielleicht auch gut so. Voran geht es in Sachen „Pont Adolphe“ und „Ban de Gasperich“, das „Centre Hamilius“ und die Tram scheinen nun wirklich konkret zu werden, und auch für das Fußballstadion liegt endlich eine vernünftige Planung vor.
Brückenschlag
Von 2008 an arbeitete man schrittweise an einem neuen Projekt. Zunächst führte man einen 3D-Scan des gesamten Werkes durch, bei dem man eine Deformierung der Bögen feststellte. In einem nächsten Schritt führte man eine Analyse der Dynamik durch, um die Vibrationscharakteristiken der Brücke bestimmen zu können, sowie eine Zustandsbeurteilung durch ein Georadar. Die verwendeten Materialien und Techniken wurden in universitären Laboratorien getestet, um den optimalen Ausgleich zwischen Effizienz, Beständigkeit und Ästhetik zu finden. Hinzu kommt eine deutliche Fahrbahnverbreiterung, um Platz für die Tram zu machen.
Die Sanierungsarbeiten ermöglichten es nicht, den Verkehr auf der Adolphe-Brücke aufrecht zu erhalten. Dieser wurde stattdessen auf eine eigens dafür vorgesehene provisorische Brücke in nur etwa 30 Metern Entfernung verlegt, die mittlerweile ganz normal vom Verkehr genutzt wird, und das wird wohl noch eine Zeit lang so bleiben. Laut Planung soll im Jahr 2017 mit der Reinigung der Hausteinverkleidung der Pont Adolphe der letzte Schritt zur Fertigstellung getan werden.
Wenn Trambahn, dann richtig
Die Pläne der alten Regierung, zunächst nur eine kurze Trambahnstrecke zu bauen, wurden unter Minister Bausch ausgeweitet, um „auf die dezentrale Entwicklung der Arbeitsplätze“ zu reagieren. Mit der Straßenbahn sollen jetzt die Bürozentren auf dem Kirchbergplateau, der Clôche d’Or, am Flughafen Findel, im Stadtzentrum und im Bahnhofsviertel miteinander verbunden werden. Neu im Trambahnkonzept sind neun zentrale Umsteigepunkte, die die Idee von den Stadtrandbahnhöfen ersetzen, dafür aber Trambahn, Eisenbahn, Linienbusse und P&R-Plätze effektiv miteinander vernetzen sollen. Im Endausbau von der Clôche d’Or bis zum Flughafen Findel. Bis 2017 soll die Trambahn, zu Spitzenzeiten im Drei-Minuten-Takt, zwischen der Luxexpo und dem Eisenbahnhaltepunkt Rote Brücke pendeln. Haltepunkt und die notwendige Standseilbahn zum Transport der Fahrgäste auf das Kirchberger Plateau sollen ebenfalls im Herbst 2017 fertiggestellt sein. Bis 2021 sollen dann auch die beiden Verlängerungsstrecken Hauptbahnhof - Clôche d’Or und LuxExpo - Flughafen in Betrieb gehen können.
Fußballstadion
Ab dem Jahreswechsel 2018/2019 soll der Ball zwischen dem Ban des Gasperich und der Kockelscheuer rollen. Der Standort, neben der Autobahn und in zukünftiger Nachbarschaft zum geplanten Straßenbahndepot, über den jetzt allgemeiner Konsens zwischen den Beteiligten herrscht, kann nach Meinung der Regierung nicht besser liegen: An der Endstation der Straßenbahn, an einem (geplanten) Park & Ride-Platz direkt an der Autobahn. Der Bau des Boulevard de Kockelscheuer, des Großparkplatzes und der Standort des Straßenbahndepots waren schon von der CSV-Regierung beschlossen worden. Mittlerweile wurde die Ausarbeitung eines Masterplans für das 30-Millionen-Euro-Projekt an eine luxemburgisch-deutsche Architektengruppe vergeben.
Wunderkind Ban de Gasperich
Verglichen mit anderen luxemburgischen Großprojekten geht es mit dem neuen Hauptstadtviertel „Ban de Gasperich“ in Riesenschritten voran. Zehn Jahre Genehmigungszeit für ein Vorhaben dieser Größe sind, gemessen an der luxemburgischen Realität, verdammt kurz.
Der vergleichsweise zügige Fortschritt des „Ban de Gasperich“ ist mit hoher Wahrscheinlichkeit auch darauf zurückzuführen, dass dort internationale Unternehmen federführend sind, sowohl als Projektentwickler, Planer und Bauträger als auch als Bauherren. Rein luxemburgische Projekte brauchen länger, selbst wenn sie in direktem Kontakt zum Ban des Gasperich stehen, wie die geplante Feuerwache der Berufsfeuerwehr inklusive Feuerwehrschule und zentraler Leitstelle der Rettungsdienste am Kreisel „Gluck“. Trotz diverser Änderungen ist das Konzept immer noch gleich: Eine Mischung aus Arbeiten, Wohnen, Einkaufen und Erholen - darüber , ob das Verhältnis zwischen Arbeitsplätzen und Einwohnern stimmig ist, kann man sich streiten. Unstrittig ist das Konzept zur Erschließung des Viertels durch den schienengebundenen Personennahverkehr. Einmal durch den Ausbau des heute faktisch ungenutzten Haltepunkts Howald zu einem echten Stadtrandbahnhof. Zum anderen durch die konsequente Verlängerung der ersten Trambahnlinie bis Jenseits der Autobahn.


