LOS ANGELES
BARBARA MUNKER,(DPA)/LJ

„Spartacus“-Held Kirk Douglas mit 103 Jahren gestorben

Er war einer der letzten Leinwandlegenden aus Hollywoods goldener Ära - mit 103 Jahren ist „Spartacus“-Held Kirk Douglas gestorben. Die Filmwelt trauert um einen rebellischen Star. Seinen 100. Geburtstag im Dezember 2016 hatte der Schauspieler noch groß gefeiert. Dazu lud der Patriarch der Schauspieler-Familie prominente Freunde zu einer Tee-Party ein. Sohn Michael Douglas („Wall Street“) richtete die Feier im Beverly Hills Hotel mit mehr als 130 Gästen aus. An Kirks Seite war auch seine zweite Ehefrau Anne. Die in Hannover geborene Produzentin hatte er in Paris kennengelernt und 1954 geheiratet.

Nun trauert die Familie und die Filmwelt um den rebellischen Leinwandhelden. „Mit großer Trauer verkünden meine Brüder und ich, dass Kirk Douglas uns heute im Alter von 103 Jahren verlassen hat“, teilte Sohn Michael auf Facebook und Instagram mit. Für die Welt sei er eine Legende aus dem goldenen Zeitalter des Films gewesen. „Aber für mich und meine Brüder Joel und Peter war er einfach Dad“. Michael Douglas‘ Ehefrau, die britische Schauspielerin Catherine Zeta-Jones, schrieb: „An meinen lieben Kirk, ich werde Dich mein Leben lang lieben. Ich vermisse Dich jetzt schon. Schlaf gut...“.

Sozial und politisch engagiert

In den letzten Jahren waren seine Auftritte in der Öffentlichkeit seltener geworden, aber seine Meinung tat er auch noch mit fast 100 Jahren kund. So warnte der liberale Star mit dem markanten Grübchen im Kinn noch im Herbst 2016 vor den Folgen eines Wahlsieges von Donald Trump. In einem Blog-Eintrag bei der „Huffington Post“ zitierte er aus einer Wahlkampfrede des Republikaners, die sich gegen Einwanderer richtete. „Dies sind nicht die amerikanischen Werte, für deren Schutz wir im Zweiten Weltkrieg gekämpft haben“, wetterte Douglas. Er selbst sei 16 Jahre alt gewesen, als 1933 ein Mann in Deutschland an die Macht kam, den zuerst niemand ernst genommen habe. „Er wurde als Clown angesehen, der unmöglich ein gebildetes, zivilisiertes Volk mit seinen nationalistischen, hasserfüllten Reden täuschen konnte“, führte Douglas weiter aus.

Douglas, der Sohn jüdisch-russischer Einwanderer, musste sich seine Karriere hart erkämpfen. Als Issur Danielovitch Demsky geboren, wuchs er mit sechs Schwestern im Armenviertel der Industriestadt Amsterdam im US-Bundesstaat New York auf. Mit Jobs als Hausmeister und Ringer auf Jahrmärkten finanzierte er sein Studium, um möglichst schnell auf die Schauspielschule zu kommen. Nach dem Krieg hatte er Glück. Seine frühere Klassenkameradin Lauren Bacall, die ihm schon kleinere Rollen am Broadway verschafft hatte, empfahl ihn bei den Studiobossen in Hollywood. Als Alkoholiker-Ehemann von Barbara Stanwyck debütierte er 1946 im Film „Die seltsame Liebe der Martha Ivers“ so überzeugend, dass rasch weitere Hauptrollen folgten, etwa in „Glasmenagerie“ und „Reporter des Satans“.

Spielte in mehr als 80 Filmen

Douglas spielte in mehr als 80 Filmen mit, oft unter großen Regisseuren wie Billy Wilder, Howard Hawks, Otto Preminger und Elia Kazan. Allein mit seinem Leinwandfreund Burt Lancaster stand er sieben Mal vor der Kamera - angefangen beim Gangsterdrama „14 Jahre Sing Sing“ bis hin zu der selbstironischen Gaunerkomödie „Archie & Harry - Sie können’s nicht lassen“.

In seinen Filmen hatte Douglas eine Vorliebe für Bösewichte, Draufgänger und schmutzige Helden. Drei Mal wurde er für
den Oscar nominiert: Für die Rolle des rücksichtslos-ehr-
geizigen Boxers in „Zwischen Frauen und Seilen“, als machtbesessener Filmproduzent in „Stadt der Illusionen“ und für
sein packendes Künstlerporträt „Vincent van Gogh - Ein Leben in Leidenschaft“. 1996 konnte er schließlich den Ehren-Oscar für sein Lebenswerk in Empfang nehmen.

Wie viele seiner Helden hat auch Douglas sich nie dem Druck von oben gebeugt. Mit der Gründung einer Produktionsfirma wurde er in Hollywood sein eigener Herr. Er gab ihr den Namen seiner aus der Ukraine stammenden Mutter Bryna. Für die Großproduktion „Spartacus“ unter der Regie von Stanley Kubrick verpflichtete Douglas Dalton Trumbo als Drehbuchschreiber, obwohl dieser auf der schwarzen Liste der geächteten kommunistischen Künstler stand. Er selbst trumpfte in dem teuren Historienepos als der legendäre Sklavenanführer auf.

Schicksalsschläge

Mit seinem zweifach Oscar-gekrönten Sohn Michael („Wall Street“, „Einer flog über das Kuckucksnest“) stand Douglas zum ersten Mal 2003 gemeinsam vor der Kamera - in der autobiografisch angehauchten Komödie „Es bleibt in der Familie“. Ihr früher schwieriges Verhältnis - Michael wuchs im Schatten des berühmten Vaters auf - hatte sich da längst gebessert. Auch Ex-Frau Diana Douglas (1923-2015) spielte mit. Das Paar trennte sich, als die Söhne Michael und Joel noch klein waren. Mit seiner zweiten Frau hatte Douglas ebenfalls zwei Söhne. Der Jüngste, Schauspieler Eric, starb mit 46 Jahren an einer versehentlichen Überdosis von Tabletten und Alkohol. Es gab weitere Schicksalsschläge in dem Leben des Leinwandhelden. Ein knapp überlebter Hubschrauberabsturz 1991 und ein Schlaganfall 1995 hatten ihn gesundheitlich gezeichnet. Nach der Erkrankung musste er sich das Sprechen wieder mühsam beibringen.