LUXEMBURG
CHRISTIAN TOCK

Eine Benelux-Studie hat Mitte Juni  die Wichtigkeit von Reparaturmöglichkeiten für Geräte unterstrichen. Auch Luxemburg machte in der Studie mit; demnach wüssten nur die wenigsten Kunden, dass sie etwas reparieren lassen können. Neben dem Recht auf Reparatur müsste aber auch ein Umdenken bei der Fertigung von Apparaten wie Waschmaschinen entstehen – mit längeren Lebensdauern statt einem Modell, das kaputte Geräte durch neue ersetzt, statt sie zu pflegen. Projekte wie das Spielzeug-Abomodell von „Kouni Toys“ seien dabei sehr gute Beispiele, wie eine Kreislaufwirtschaft dem Wegwerfmodell den Riegel vorschieben kann. Was dahinter steckt, erklärt Christian Tock, Direktor für Nachhaltige Technologie im Wirtschaftsministerium.

„Der Ansatz der Kreislaufwirtschaft ist eindeutig: Das Wegwerfen von kaputten Geräten ist ein großes Problem, und die Möglichkeit zur Reparatur muss immer eine Option sein. Strafen für geplante Obsoleszenz sind ein naheliegender Lösungsansatz, setzen aber voraus, dass man diese auch zweifelsfrei nachweisen kann. Die Kreislaufwirtschaft verfolgt hier einen anderen, nicht restriktiven, sondern wirtschaftlich attraktiven Ansatz, nämlich den, dass es sich für die Hersteller ganz einfach lohnen sollte, wenn Produkte qualitativ hochwertiger sind.   Dass dies geht, zeigen Unternehmen wie Rolls Royce, die ihre Flugzeugturbinen inzwischen längst als Dienstleistung und nicht mehr als Produkt verkaufen. Der Vorteil liegt in der engeren Bindung zum Kunden und dem fortwährenden Geschäft statt kurzzeitigem Profit. Informationstechnologien erlauben es, heute diese Geschäftsmodelle auch bei weitaus günstigeren Produkten, wie Waschmaschinen oder Spielzeug umzusetzen.

Auf der anderen Seite haben Hersteller jedes Interesse daran, ein möglichst lange haltbares Produkt zu entwerfen, damit sich der Einsatz lohnt. Der Kunde, der sich ein Produkt auf diese Weise als Dienstleistung kauft, zahlt einfach für die Nutzung. Wenn es nicht mehr gebraucht wird, kann die Waschmaschine, der Reifen oder die Turbine dann wieder mitgenommen, überarbeitet und an den nächsten Kunden vergeben werden. Die Kosten für die Entsorgung entfallen ebenso, und manche Hersteller gehen etwa bereits soweit, die laufenden Kosten für Strom und Wasser ebenfalls selbst zu übernehmen. Dadurch sind effizientere Geräte absolut im Interesse der Hersteller.

Unser Ansatz ist deshalb, die Reparaturmöglichkeit im Interesse beider Parteien – dem Verbraucher und dem Hersteller – zu fördern. Wir versuchen, Unternehmen hierzulande für diese Modelle zu begeistern. Mit ‚Fit 4 Circularity‘ von LuxInnovation übernehmen wir etwa die Hälfte der Kosten zur Beratung und Analyse für Betriebe. Für Rohstoffe und Materialien wurde das Prinzip auch im Klimapakt verankert.  Unternehmen müssen für ihre Produkte mehr Verantwortung übernehmen; das geht am besten, wenn sie auch davon profitieren können, indem sich ein nachhaltigeres Produkt auch für sie lohnt. Das fördert letztendlich auch die Innovation, weil das eigene Produkt stets weiterentwickelt werden kann, um noch besser und effizienter zu werden. Dieses Interesse bestünde nicht, wenn das Interesse des Herstellers am Produkt nach dem Verkauf endet. Zusätzlich benötigen die Unternehmen weniger Rohstoffe, werden unabhängiger von den internationalen Rohstoffmärkten und Preisen und steigern so ihre Wettbewerbsfähigkeit. “