LUXEMBURG
PIERRE WELTER, FREIER JOURNALIST

Fortsetzung im Prozess um die Geiselnahme vom 12. Dezember 2012

Mit dem Verhör des Angeklagten Redda B. wurde am Donnerstag vor der Kriminalkammer der Prozess gegen die Geiselnehmer und die zwei mutmaßlichen Hehler fortgesetzt. In dem Verfahren soll die Vorgeschichte und die Geiselnahme aufgehellt werden. B. wurde fast eine Stunde befragt. Er gilt als Kopf der Bande, als ausführendes Element mit organisatorischen Aufgaben. Trotz vergangener Zeit zeugen seine Antworten von einem bemerkenswert präzisen Erinnerungsvermögen. Wie er das organisiert hat, wurde noch einmal ungeschminkt und ungefiltert erörtert. So wurden alle zu seinen Zeugen. „J‘étais en cavale“, sagt er. Dann wäre ihm die Idee mit dem Prinzen gekommen. Er brauchte dazu ein „cabinet d’affaires“ in Paris. Er sei dann auf das „cabinet d’affaires“ von Nicolas Sarkozy gestoßen. Dort erzählte er einem Rechtsanwalt, dass er für einen kuwaitischen Prinzen arbeite. Es gehe um die Summe von 3,4 Milliarden Dollar, die er in Euro wechseln wollte. Das hätte aber nicht geklappt. Dann hätte er eine andere Version erzählt. Das hätte dann geklappt. „Vergessen Sie Frankreich, gehen Sie nach Luxemburg, dort können Sie besser investieren“, hätte man ihm geraten. So wäre er auf die Treuhandgesellschaft in Luxemburg gestoßen. Da der Prinz aus dem Orient stamme und Luxusuhren kaufen wollte, wurde die Sache eingefädelt. Ende November, Anfang Dezember kam er nach Luxemburg. Der vorbestrafte B. schilderte dann das Erlebnis als Täter vor Gericht.

Die Aussagen des mutmaßlichen Hehlers Mohamed F.

Der mutmaßliche Hehler Mohamed F. kann sich an jedes wesentliche Detail erinnern. Er gilt als die rechte Hand von Redda B.

Auch der heute 38-Jährige ist kein unbeschriebenes Blatt. Der Zeuge verfügt über die bildnerischen Fähigkeiten eines Romanciers. Die Begegnung mit B. schildert er so plastisch, dass der Zuhörer seine Phantasie nicht sehr anstrengen muss. Der Mann ist geschwätzig und hat auf jede Frage eine Antwort. Er spricht so schnell, dass die Richterin es auf den Punkt bringt: „Vous essayez de noyer le poisson.“

„Wann haben Sie B. kennengelernt?“ „Mitte Dezember 2012“, antwortete Mohamed F. „Was meinen Sie mit Mitte Dezember? Die Geiselnahme fand am 12. und 13. Dezember 2012 statt. Sie müssen Redda B. vorher kennengelernt haben“, so der Vorhalt. „In Paris, auf der Avenue des Champs-Élysées. B. ging jeden Abend aus. Er kannte jeden“, so die Antwort. Die Türen in Paris standen offen für B., sagt der mutmaßliche Hehler.

Mit dem zweiten mutmaßlichen Hehler hatte er aus dem Panzerschrank in der Villa in Malaga eine Luxusuhr und etwa 1.500 Euro entnommen. Das Geld war für irgendwelche Anwaltskosten vorgesehen. Da es auch um Investitionen ging, hätte B. ihm nachher indirekt gedroht. Nichts Schlimmes, sagte er, nur, dass B. ihm zu verstehen gab, dass er „gewisse Leute“ kenne, die dem „grand banditisme“ angehören.

Jeder zweite Satz in seinem Verhör endete in einem Schlussverfahren. Seinen Analogieschlüssen billigt er Beweiskraft zu, die jedoch bestenfalls nur bedingt gegeben sind. So auch, wenn er der Vorsitzenden Richterin antwortet: „Ja, er habe im Gespräch mit B. analogisch herausgefunden, dass B. an einem Überfall beteiligt gewesen war. Entweder in der Schweiz oder in Luxemburg…“

Der Prozess wird heute fortgesetzt