Man sollte im Leben immer auf einen Plan B, am besten auch noch auf einen Plan C und D zurückgreifen können, wobei Plan A hier für den Job des Regierungschefs steht, Plan B für irgend einen europäischen Spitzenposten, Plan C für ein Leben als prominenter Vortragssöldner und Plan D für den Status quo, will heißen den ungeliebten Verbleib als CSV-Fraktionschef in Luxemburg.

Die Rede geht an dieser Stelle natürlich wieder einmal von Jean-Claude Juncker, von dem gestern bekannt wurde, dass er schon seit Ende vergangenen Jahres als Auftragsredner gebucht werden kann. Parlieren kann der (laut „London Speaker Bureau“) als „dienstälteste Regierungschef“ in die Geschichte Europas eingegangene Politiker bekanntlich sowohl auf Deutsch und Französisch als auch auf Englisch, und dies zu den verschiedensten Themen wie Europa, Euro, Politik und Finanzmärkte.

Die Agentur „London Speaker Bureau“ ist dann auch derart begeistert („In der internationalen Politik kann Jean-Claude Juncker stets vom Vorteil seiner Mehrsprachigkeit profitieren. Er gilt als geschickter Vermittler innerhalb der EU“ ), dass sie ihren potenziellen „Rent a Juncker“-Kunden doch glatt verschweigt, dass ihr berühmter Redner nicht nur Regierungschef, sondern (bis 2009) auch noch Finanzminister war, heißt es auf der Webseite der Agentur doch nur, dass Juncker von 1989-1995 Finanzminister Luxemburgs gewesen sei. Wie viel Juncker, der ja schon seit langen Jahren ein beliebter Laudator ist, aber in Zukunft pro Vortrag einkassieren darf, geht aus dem Internetauftritt von „London Speaker Bureau“ allerdings nicht hervor, und auch auf Nachfrage hin war gestern diesbezüglich nichts zu erfahren.

Vergleicht man den Status Junckers, der ja hauptsächlich auch noch Eurochef war, mit anderen Politikern, die in unseren Breitengraden ähnlich bekannt sind wie z.B. Joschka Fischer, dann dürfte er auf 25.000 bis 30.000 Euro pro Rede kommen. Da Juncker aber auch noch von den Agenturen „Premium Speakers“ und „Celebrity Speakers“ vertreten wird, dürfte er, sollte das mit dem Plan B nicht klappen, aber mit Sicherheit nicht am Hungertuch nagen. Ex-US-Präsident Bill Clinton ist mit rund 250.000 Dollar - plus den einen oder anderen Spesenposten - übrigens der Spitzenverdiener unter den Referenten.

Was Juncker, der bislang schon zwei Auftritte als Gastredner gehabt haben soll, in einigen Monaten tatsächlich machen wird, das wird sich auf den Tag genau heute in zwei Wochen entscheiden, wenn Europas Christdemokraten auf ihrem Kongress in Dublin ihren Spitzenkandidaten für die Europawahl küren werden. Neben Juncker haben sich bis jetzt ja der französische EU-Kommissar Barnier sowie der kürzlich als lettischer Ministerpräsident zurückgetretene Valdis Dombrovskis beworben, wobei letzterem allerdings eher Außenseiterchancen eingeräumt werden. Glaubt man der Revoluzzer-Legende Cohn-Bendit, dann hat Juncker in Wirklichkeit ja sowieso die Van-Rompuy-Nachfolge im Visier und nicht den Posten des Kommissionspräsidenten. „Das wäre zu viel Arbeit für ihn“, wie Cohn-Bendit dieser Tage gegenüber dem „Wort“ aus dem Nähkästchen plauderte. Kandidat Juncker wird sich gefreut haben...