GREVENMACHER
PATRICK WELTER

Ein Gespräch mit Josy Gloden und Patrick Berg über den 2018er und den Luxemburger Weinbau

Im Vorfeld des nächste Woche anstehenden Weinmarktes in Grevenmacher, dem Termin bei dem sich traditionell der Weinjahrgang des Vorjahres der luxemburgischen Öffentlichkeit vorstellt, konnte das „Journal“ ein Gespräch mit der Spitze der Genossenschaftskellerei „Domaines Vinsmoselle“ führen. Gesprächspartner waren Josy Gloden, Präsident der „Domaines Vinsmoselle“ und Generaldirektor Patrick Berg.

Bis zu 14,5 Prozent Alkohol

Natürlich galt die erste Frage dem 2018er Wein. Josy Gloden brachte es kurz und knapp auf den Punkt. „2018 ist einer der außergewöhnlichsten Weinjahrgänge“. Der Wein ist gehaltvoll, hat einen hohen Alkoholanteil und ist deutlich besser als der Weinjahrgang 2003, der auch einem Rekordsommer entsprang. Einige Winzer hätten Befürchtungen in Hinsicht auf die Weinqualität gehabt - Stichwort: zuviel Alkohol - und 2018 schon 14 Tage vor der Zeit gelesen, zu unrecht. „Wir haben die Nerven behalten“, erläutert Gloden „…und exakt zum Zeitpunkt der physischen Reife der Trauben gelesen“. Mit durchschlagendem Erfolg, praktisch jede Rebsorte habe tolle Ergebnisse erzielt, so sei der Rivaner hervorragend, der Auxerrois superfruchtig, und die Pinots „fantastisch“. Allerdings auch mit „Vorsicht zu genießen“ weil der Alkoholgehalt bis zu 14 und 14,5 Prozent beträgt. Natürlich hat auch der Riesling vom Sommer 2018 profitiert.

Nach einigen „kleinen Jahren“ war es wieder ein „voller Herbst“, wie Patrick Berg feststellte. Die übliche Quantität-Qualität-Relation - wenn eine Seite steigt, fällt die andere, gab es letztes Jahr nicht. Qualität und Quantität standen im Gleichgewicht. Die Bedingungen waren ideal, es gab keine Fäulnis, keinen Frost, keine Hagelschäden und beste Bedingungen zur Lese. Allerdings könne man trotz der außerordentlichen Qualität die Preise nicht deutlich anheben, der Marktdruck ist zu groß, waren sich Präsident und Direktor einig.

Rivaner bleibt, Elbling geht, Zweigelt kommt

Was die einfachen Rebsorten wie Rivaner und Elbling betrifft, sieht Josy Gloden zwei gegensätzliche Entwicklungen. Während der Rivaner in einer gemeinsamen Marketingstrategie des luxemburgischen Weinbaus gefördert werden soll, wird der ehemalige Massenwein Elbling zu einem Nischenprodukt werden, selbst als Grundwein für „Crémant“ wird er nicht mehr gebraucht.

Der Rivaner hingegen soll die Rolle eines leichten Sommerweins annehmen und gegenüber den alkoholschweren Burgundersorten positioniert werden. Mit dem wärmer werdenden Klima werden gerade diese Sorten einen Entwicklungsschub erleben. Patrick Berg erklärt uns, dass die Winzer der Weinbaugenossenschaft schon jetzt Merlot und Zweigelt (bedeutendste österreichische Rebsorte) für Rotwein-Cuvée anbauen. Zu den neuen Sorten gehört Cabernet blanc der in Wormeldingen wächst. Aus dem Stadium der Experimente sei man schon lange heraus, so das Fazit.

Den Großteil des Absatzes der „Domaines Vinsmoselle“ machen die Pinot-Sorten aus. „Da haben wir auch eine einzigartige Stellung, das Terroir hier ist außergewöhnlich und einmalig!“ begründet Josy Gloden den Erfolg.

Schwierige Position auf dem heimischen Markt

Ein Problem hat die Vinsmoselle nicht allein, sondern der gesamte luxemburgische Weinbau: Der Marktanteil der Importweine ist größer als der der einheimischen Weine. Ein Marketing-Problem stellen dabei die Nicht-Luxemburger aus aller Welt dar, die in der oder um die Hauptstadt wohnen und keine Kenntnisse vom Weinbau in Luxemburg haben. Eine Zielgruppe die man unbedingt erreichen möchte. Einen positiven Beitrag dazu hat die kleine Weinmesse in der Limpertsberger Messehalle geliefert, die nach den Beobachtungen von Patrick Berg, von ganz neuen Besucherschichten, darunter zahlreiche Nicht-Luxemburger, besucht wurde.

Bei den Exporten setzen Präsident und Generaldirektor auf neue Märkte - neben dem klassischen Absatzmarkt Belgien. Der Markt in Deutschland soll weiter ausgebaut werden, trotz Brexit setzt man auf England, auch auf Skandinavien und das Baltikum. Während in Deutschland, Skandinavien und Großbritannien bevorzugt Crémants der Vinsmoselle verkauft werden, schätzen das Baltikum und die USA luxemburgische Stillweine.

Gloden: Müssen nach außen geschlossen auftreten

Für Gloden und Berg ist klar, dass unter den Winzern der Luxemburger Mosel Konkurrenz herrscht, aber anderseits müsse man nach außen geschlossen auftreten, um die Interessen des luxemburgischen Weinbaus effektiv vertreten zu können. Grundsätzlich habe sich die Zusammenarbeit verbessert, es sei auch positiv zu bewerten dass der Staat beim gemeinsamen Marketing eine aktive Rolle übernommen hat.

Glyphosat-Verbot wird Zusatzarbeit mit sich bringen

Die gemeinsame Agrarpolitik der EU wird für die Winzer im Augenblick keine einschneidenden Änderungen bedeuten, meint Josy Gloden. Allerdings werde das erwartete Verbot von Glyphosat einen erheblichen Mehraufwand für die Winzer mit sich bringen. Die mechanische Unkrautentfernung werde viel Zeit und Geld für Mensch und Maschine verschlingen. Ähnliches gilt für die immer seltener werdende Hubschrauberspritzung, gerade Kleinbetriebe müssten nun mehr Zeit im Wingert investieren.

Erste Eindrücke vom 2018er Jahrgang kann das breite Publikum am nächsten Freitag auf dem Weinmarkt in Grevenmacher sammeln.


www.vinsmoselle.lu