MARYSE ARENDT

Nach ihrer Analyse des Gesetzesentwurfs und der verschiedenen Gutachten zur Reform des Elternurlaubs hat die „Initiativ Liewensufank“ ebenfalls ein Gutachten erstellt. Darin spricht sie sich unter anderem gegen die Verlängerung des Zeitraums aus, in dem das Recht auf Elternurlaub wahrgenommen werden kann.

„Zunächst einmal wollen wir, wie in verschiedenen Gutachten hervorgehoben wurde, die mangelnde Klarheit und Lesbarkeit des Gesetzesentwurfs zum Elternurlaub hervorheben, die zu Problemen bei der Umsetzung führen könnten.

Die ersten Monate und Jahre sind für die Bindung eines Kindes zu seinen Eltern entscheidend. Aus diesem Grund sprechen wir uns gegen eine Verlängerung der Periode, in der der Elternurlaub genommen werden kann, bis zum 6. Lebensalter aus. Wir sind zwar damit einverstanden, dass es für eine verbesserte Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie die Beziehungen wichtig ist, mehr Zeit mit seinen Kindern zu verbringen, die bereits zur Schule zu gehen. Dafür müsste es allerdings andere Maßnahmen geben als den Elternurlaub.

Entgegen der Empfehlung in verschiedenen Gutachten plädieren wir auch deshalb dafür, wie geplant an der Verpflichtung festzuhalten, demzufolge der erste Elternurlaub nach dem ,congé de maternité‘ genommen werden muss und wollen die Ministerin unterstützen, damit sie hier nicht vom Entwurf abweicht.

Ein anderer Punkt, den wir aufwerfen, ist das Ersatzeinkommen. Wenn es stimmt, dass die Reform Arbeitnehmern mit einem Vollzeitjob und einem höheren Einkommen als den Mindestlohn in Zukunft eine größere Entschädigung in Aussicht stellt, so gilt das für andere nicht. Bislang wurde kaum darüber gesprochen, dass Mindestlohnempfänger die Teilzeit arbeiten, in Zukunft weniger bekommen als im aktuellen System, und dass anders als bisher vom Ersatzeinkommen die normalen Sozialbeträge und Steuern abgehen.

Der aktuelle Entwurf bietet darüber hinaus für die Mehrheit der Eltern keine wirkliche Wahl. Auf bestimmte Modelle können nur Vollzeitbeschäftigte zurückgreifen - wenn sie denn die Erlaubnis ihres Chefs bekommen. Bedenken muss man aber, dass heute viele Arbeitnehmer Angst davor haben, ihren Job zu verlieren. Durch den Druck, der von Arbeitskollegen ausgehen kann oder den sie sich selbst auferlegen, besteht die Gefahr, dass sich in Zukunft immer mehr Menschen für den kürzeren Elternurlaub entscheiden. Es stellt sich allerdings auch die prinzipielle Frage, ob der Elternurlaub von sechs oder zwölf Monate, in Teilzeit nicht eigentlich zu kurz ist für die Bedürfnisse von Kindern und Eltern.

Um das Recht auf Elternurlaub zu stärken, schließen wir uns nicht zuletzt der Forderung des nationalen Frauenrats (CNFL) und der Arbeitnehmerkammer (CSL) an, den Kündigungsschutz an dem Tag beginnen zu lassen, an dem der Elternurlaub beantragt wird.“