LUXEMBURG
CHRISTIAN BLOCK

Unbegrenzte Fahrten, Anrufzentrale, kostenlos: Adapto-Anpassungen werden konkreter

Wer dachte, mit der Ankündigung der Regierung, den Adapto-Fahrdienst in Zukunft wie die öffentlichen Transportmittel kostenlos zu gestalten, hätte sich das Anliegen der Autorin der Petition 1329 erledigt, der lag falsch. Denn Ana Pinto wie auch die Menschen, die auf diesen Transportdienst angewiesen sind, haben sich in den vergangenen Wochen viele Fragen über die zukünftigen Nutzungsmodalitäten gemacht.

Um diese Sorgen zum Ausdruck zu bringen, hatte die Autorin der Petition, die binnen nur drei Tagen mehr als die für eine Anhörung notwendigen 4.500 Unterschriften erhielt. Mittels zahlreicher Beispiele veranschaulichte das „Kollektiv P1329“ die Komplexität der Problematik, einheitliche Regeln für die verschiedensten Bedürfnisse finden zu wollen.

Schlupflöcher stopfen

Mobilitätsminister François Bausch (déi gréng) bestätigte indes die Pläne der Regierung, den Adapto-Dienst ab 1. März 2020 parallel zum öffentlichen Transport kostenlos anbieten zu wollen. Doch machte er auch deutlich, dass die von der Regierung beabsichtigte „große Reform“ mehr Zeit benötige wird. Die Leitlinie dieses Vorhabens: „Das große Prinzip muss lauten, dass diejenigen, die den Adapto wirklich brauchen, ihn unbegrenzt benutzen können“. Das bisherige System kenne zu viele Schlupflöcher für Menschen, die den Fahrdienst nicht benötigten, so der Grünen-Minister weiter. Um Missbrauch zu verhindern, soll künftig eine Kommission mit Ärzten, Ergotherapeuten, Ministeriumsvertretern und Vertretern von Behindertenorganisationen über das Adapto-Anrecht entscheiden.

Mit Blick auf die Einrichtung einer Anrufzentrale und die Ankündigung von Sammelfahrten beschwichtigte Bausch gestern. Die Gruppierung von Abholungen solle sinnvoll, regional gestaltet werden. Bausch rechtfertigt diese Einschränkung damit, dass Nutznießer des Adapto anders als Fahrgäste im öffentlichen Transport nach Termin zuhause abgeholt und an ihren Zielort gebracht werden.

Sammelstellen nur punktuell

An diesem Prinzip soll sich in Zukunft auch nichts grundsätzlich ändern. Allerdings gibt es Überlegungen, eher punktuell Sammelstellen festzulegen, sagt Joël Delvaux gegenüber dem „Journal“. Wenn etwa ein Konzert in Esch stattfindet, könnte eine Art Pendel-Adapto vom Hauptbahnhof in der Hauptstadt starten. Das bedeute aber nicht, dass jemand, der dennoch von seinem Zuhause abgeholt werden muss, auf „seinen“ Adapto verzichten müsse, so der Verantwortliche der Abteilung für Arbeitnehmer mit Behinderung der Gewerkschaft OGBL.

Auf Einwände von Ana Pinto und ihren Begleitern, die Personen in der Anrufzentrale würden die Nutznießer, ihre Bedürfnisse sowie die für ihren Transport erforderliche spezifische Bustypen nicht kennen, entgegnete Bausch indes, dass diese fachliche Kompetenz bei den Transportdienstleistern bleiben soll.

Bausch wehrte sich dann allerdings auch gegen die Darstellung, die Regierung habe, was den kostenlosen Adapto angeht, eingelenkt. Stattdessen habe er, einfach gesagt, nicht aus der Hüfte schießen wollen, während die Vorarbeiten zur Reform liefen.

Er bekräftigte die Absicht der Regierung - und in diesem Punkt schien er sich mit der Delegation um Ana Pinto einig - die Barrierefreiheit des öffentlichen Transports weiter verbessern zu wollen. „Wir arbeiten am barrierefreien öffentlichen Transport“, sagte der Grünen-Politiker. Bei der Neugestaltung der Bahnsteige quer durchs Land werde auf die Barrierefreiheit geachtet. Das Lastenheft für Überlandbusse (RGTR) soll indes künftig strenger ausfallen, was die Nutzung von Niederflurbussen angeht. Damit soll verhindert werden, dass Dienstleister gelegentlich nichtbehindertengerechte Reisebusse einsetzen. Bausch nahm allerdings auch die Gemeinden in die Verantwortung, die etwa für den Weg zu und die Bushaltestellen an sich zuständig seien.

Das neue Adapto-System soll sich dann auch flexibler an die Bedürfnisse von Menschen anpassen können, deren Gesundheitszustand schwankt - und damit auch ihre Abhängigkeit vom Adapto.

Verbesserungsbedarf in vielen Punkten

Verbesserungsbedarf gibt es trotz vieler Anstrengungen für Ana Pinto, Pascale Link (Präsidentin der „Association pour Mal Voyants et Aveugles“, AMVA), Georges Clees (Patientenvertriedung), Marcel Laschette (Konsumentenschutz ULC), Patrick Hurst (Präsident des Zentrums für Chancengleichheit) und Joël Delvaux reichlich - sowohl beim öffentlichen Transport wie auch beim Adapto. Patrick Hurst, von Geburt an blind, berichtete von Bussen ohne Sprachansagen oder Haltestellen, die man mit dem Blindenstock nicht findet.

Pascale Link, Gründerin des Adapto-Vorgängers Novabus, wies auf monatelange Wartezeiten für eine Erneuerung des Adapto-Ausweises hin. Die Pünktlichkeit von Adapto-Bussen wurde ebenfalls bemängelt. Delvaux berichtete indes von Schwierigkeiten, wenn es darum geht, den Führerschein zurückzuerlangen. Er wies aber auch darauf hin, dass viele Menschen über Verbesserungen in der Barrierefreiheit nicht unbedingt Bescheid wissen. Er regte eine Art Coaching an, das Menschen mit einer Behinderung bei der erneuten Nutzung von Bus und Bahn helfen könnte.

Unklarheit herrschte gestern noch in der Frage, ob Begleiter kostenlos mitfahren dürfen. Laut Aussagen Bauschs soll die genannte Kommission diese Bedürfnisse flexibel berücksichtigen können. Allerdings bleibt die Frage, wie es aussieht, wenn beispielsweise eine Mutter mit ihren Kindern den Fahrdienst nutzen will.

Für die Initiatorin der Petition steht jedenfalls fest: „Es darf zu keiner Verschlechterung beim Adapto kommen“. Um den bestmöglichen Fahrdienst zu ermöglichen, bot Pinto sogar an, bei der Ausarbeitung der Reform mitzuhelfen. Joël Delvaux nannte den Austausch mit den Abgeordneten „sehr positiv“. Doch erfahrungsgemäß werde er die weitere Entwicklung mit einem wachsamen Auge verfolgen.

Minister Bausch soll im Februar erneut im Ausschuss vorstellig werden, um die Abgeordneten über die Arbeiten an der Reform auf den letzten Stand zu bringen. Bei dieser Gelegenheit sollen die Deputierten auch sicherstellen, dass die Forderungen des Kollektivs P1329 nicht in Vergessenheit geraten.