LUXEMBURG
LJ

Hygiene und Ausbildung müssen stimmen

Große Einigkeit und ein paar Outings kennzeichneten den Beginn der gestrigen Sitzung im Parlament, wo es um die Reglementierung von Tätowierung, Piercing, Cutting und Branding sowie der Sonnenbänke ging. Luxemburg verfügte bislang in diesem Bereich über keinerlei gesetzliche Regelung. Dass jetzt ein Text vorliegt, ging, wie gestern mehrmals betont wurde, auf eine Forderung derjenigen zurück, die in diesem Bereich tätig sind, und die sich Rechtssicherheit wünschten.

Sonnenbankbesuch in Zukunft Erwachsenen vorbehalten

Das gestern einstimmig votierte Gesetz sieht im Großen und Ganzen folgende Regelungen vor: Tätowieren und Piercing ist ab 16 mit der Zustimmung der Eltern möglich, ab 18 auf eigenen Wunsch, was auch für Cutting (Ritzen von Ziernarben) und Branding (Einbrennen von Mustern) gilt. Ebenso ist der Sonnenbankbesuch Erwachsenen vorbehalten.

Insbesondere verlangt das Gesetz von den Betreibern von Tätowierungsstudios, dass sie gewisse Hygieneregeln beachten, die Kunden über mögliche Risiken aufklären (im Gesundheitsbereich, aber auch über die eventuelle Unumkehrbarkeit) und eine 21-stündige Ausbildung, vor allem im Hygienebereich, absolvieren, bevor sie zur Tat schreiten können. Betreiber von Sonnenstudios verpflichten sich ebenfalls, ihre Kunden über mögliche Gesundheitsrisiken aufzuklären, während die Sonnenbänke gewissen Kriterien gerecht und beim Gesundheitsminister angemeldet werden müssen, sowie die Hygiene gewährleistet sein muss. In beiden Fällen muss der Raum, in dem sich die Veränderung der Haut vollzieht, abgetrennt und dem Eingriff vorbehalten sein. Auch Juwelierläden, die Ohrlöcher stechen, müssen gewisse Hygieneregeln beachten, dürfen dies aber bereits bei kleinen Kindern tun, vorausgesetzt, das Loch wird per Pistole ins Ohrläppchen gestochen.

Berichterstatter Georges Engel (LSAP) ging, wie die meisten der nachfolgenden Redner, auf die „Tätowierungskultur“ des Menschen ein, wurden Tätowierungen doch an ägyptischen Mumien, oder auch am Ötzi festgestellt. Sei das Tätowieren bis in die 80er Jahre eher gewissen Gruppen vorbehalten gewesen, so könne man heute nicht mehr von einer Randerscheinung sprechen. Die Statistiken zeigten, dass jeder vierte bis fünfte Erwachsene ein Tattoo trage. Dennoch handele es sich um „einen Eingriff in das größte Organ des Menschen, weshalb man nicht leichtfertig damit umgehen sollte“, sagte Engel. Eine gesetzliche Regelung in diesem Bereich sei „längst überfällig“.

Es gibt mittlerweile ein Tattoo-Studio im Gefängnis, das wusste Françoise Hetto-Gaasch zu berichten, die im Namen von Martine Mergen (CSV) sprach, ging Letztere doch parlamentarischen Verpflichtungen im Ausland nach. Hetto-Gaasch wies darauf hin, dass das Gesetz unter anderem auch den Rahmen für Kontrollen vor Ort durch die Sanitärinspektion bietet, insbesondere auch in Sonnenstudios. Für die CSV wäre es ein No-Go gewesen, hätte man die Tattoo-Altersbegrenzung auf weniger denn 16 Jahre herabgesetzt, meinte sie.

Für Gusty Graas (DP) stellt das Gesetz nicht nur Verbote auf, sondern soll vor allem für die Risiken sensibilisieren. Inakzeptabel seien rassistische oder fremdenfeindliche Tattoos, betonte Graas. Indes sieht der Text keinerlei Angaben über das Aussehen oder den Inhalt der Tätowierungen vor, sodass auch nicht klar ist, ob nur der Kunde oder auch der Tätowierer im Fall solcher Hautmarkierungen (wie beispielsweise einem Hakenkreuz) juristisch belangt werden kann, eine Frage, die Josée Lorsché von den Grünen aufwarf. Auch mögliche juristische Konsequenzen für die Eltern, die ihrem minderjährigen Kind die Erlaubnis zum Tätowieren gaben, könnten aufgrund des vorliegenden Textes nicht ganz ausgeschlossen werden, meinte sie. Sie wies auch darauf hin, dass gut sichtbare Tattoos insbesondere für Bewerber „Karrierekiller“ sein können. Lorsché outete sich dann insofern, dass sie angab, keine Tattoos zu tragen und wohl auch bekommen wollte, ihr Kollege Marc Baum von „déi Lénk“ gab seinerseits zu, sich einmal ernsthaft mit dem Gedanken getragen zu haben, um dann doch davon abzusehen. Gesundheitsministerin Mutsch ergänzte dieses Outing mit der Feststellung, dass aufgrund der von den verschiedenen Rednern vorgetragenen Statistiken „mindestens ein halbes Dutzend“ der Abgeordneten ein Tattoo tragen müssten. Es gab hierzu aber keine weiteren Äußerungen mehr.

Das Gesetz tritt ab seiner Veröffentlichung im Memorial in Kraft. Es sei noch darauf hingewiesen, dass es keine Regelung bezüglich des ästhetischen Aspekts enthält, und somit auch keine Geltung bei Verunstaltungen (oder Tattoos usw., die als solche empfunden werden) hat.