LUXEMBURG
MARCO MENG

Horesca-Verband bilanziert 2016 - Betriebe zu modernem Marketing aufgefordert

Von überschäumender Jubelstimmung sieht sich die „ Fédération Nationale des Hôteliers, Restaurateurs et Cafetiers du Grand-Duché de Luxembourg „ (Horesca) weit entfernt. Obwohl der Umsatz mit einem Plus von 0,2 Prozent im letzten Jahr gegenüber dem Vorjahr, wenn auch nur minimal gestiegen ist, sieht sich das Gastgewerbe doch in einer schwierigen Zeit. Verbandspräsident Alain Rix meinte denn auch gestern auf der Handelskammer anlässlich der Jahreshauptversammlung des Verbandes, während es Cafés, Hotels und Restaurants im Zentrum recht gut ginge, hätten sie andernorts mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Rix wählte da harsche Worte gegen die Regierungspolitik, die mit Sparpolitik und TVA-Erhöhung für massiven Kundenschwund gesorgt hätte, hinzu sei das Rauchverbot gekommen.

Der Hotel- und Gaststättenverband ist zudem verärgert, wie Rix gestern durchblicken ließ, über Entscheidung des Bildungsministers Claude Meisch, den Beamten Michel Lanners als neuen Direktor der Hotelfachschule in Diekirch vorzuschlagen. Nicht wegen der Person Lanners, sondern weil dies ohne Absprache geschehen sei und man zuvor mit Absprache des Ministeriums einen Vertreter aus dem Horesca-Sektor gefunden hatte. Rix stellte die Frage, ob das nicht „moderner Kommunismus“ sei.

Was die Branche selbst angeht, müssten die Betriebe aber auch eigenständig einiges tun, um ein moderndes Gastgewerbe zu bieten. „Wir müssen fundamental umdenken“, meinte Rix. Dazu sollten die Mitgliedsbetriebe auch darüber nachdenken, bei gewissen Angeboten zu kooperieren, zudem sei Aus- und Weiterbildung nötig. Dazu arbeiten Handelskammer und Horesca derzeit ein Programm aus.

Hohe Kosten belasten die Unternehmen

François Koepp, Horesca-Generalsekretär, sieht ein Problem, die sich über Jahre und Jahrzehnte kaum verändert hätten: Die Kosten steigen mehr als die Einnahmen. Auch hier wieder eine Rüge an die Politik: Beim „congé parental“ hätte sich das Patronat über den Tisch ziehen lassen.

Zur Situation der Branche selbst meint Koepp, dass nach TVA-Erhöhung und Rauchverbot der Umsatz um acht Prozent (2015) und dann nochmal um fünf Prozent (2016) gesunken sei; weniger Kunden hätten zur Folge, dass auch die Zahl der Bistros im Land sinke. Derzeit gebe es 50 im Land, die einen Patron suchten, aber keinen fänden, zumal die hohen Kosten kaum Gewinn übrig ließen. Gleichzeitig aber machten kaum Wirte beim Projekt „Wëllkomm“ mit; eine Brauerei habe allerdings die Wichtigkeit des Projekts erkannt. Gespräche liefen.

Bei den Hotels ist im letzten Jahr die Zahl der Übernachtungen leicht gestiegen, auch hier aber drückten die hohen Kosten den Gewinn, so dass letztlich ein Minus von 3,1 Prozent unter dem Strich stand. Darum stelle sich auch die Frage, ob das luxemburgische Gastgewerbe richtig vermarkte. Heute seien Fragen wie „Gibt es Wifi im Zimmer?“ wichtig für den Kunden, doch viele in der Branche hätten die Zeichen der Zeit noch nicht erkannt. Auch das bisherige Sterne-System sei verwaltet, weswegen ein neues initiiert wurde, das wirklich aktuell sei und dem Kunden zeige, wo er Qualität fände. Zudem sollten Hoteliers die sozialen Medien als Kommunikationsplattform nutzen. In der Digitalisierung sieht Koepp für die Hoteliers eine Chance, Kunden einen besseren Service zu bieten.

Denselben Enthusiasmus, den der Wirtschaftsminister für Projekt wie „Space Mining“ an den Tag lege, vermisse die Horesca allerdings, wenn es um das Gastgewerbe ginge, das immerhin mehr als sechs Prozent zum BIP Luxemburgs beitrage. Und für Airbnb und andere Übernachtungsplattformen, die Koepp als „unfaire Konkurrenz“ bezeichnete, vermisse er klare Regeln von der Politik. Überhaupt solle die Politik mit der „simplification“ Ernst machen, denn die Betriebe erstickten an Papierkram, wo ihnen vorgeschrieben werde, welche Putzmittel die benutzen sollten.

Neue Hotelklassifizierung

Darüber hinaus sollten Betriebe, die viel Personal beschäftigten, entlastet werden. „Da wird dringend eine Lösung gebraucht“, so Koepp, denn die Personalkosten machten im Gastgewerbe rund 37 Prozent der Gesamtkosten aus.

Nach so viel Kritik kam dann auch Wirtschaftsstaatssekretärin Francine Closener zu Wort. Sie entgegnete, dass die Initiative „Wëllkomm“ aus dem Wirtschaftsministerium komme und das Ministerium helfe, „so viel es geht“, allein 13 Millionen Euro an Zuschüssen habe der Horesca-Sektor darum in den letzten Jahren erhalten. Am gestrigen Montag startete auch die Hotelklassifizierung in Luxemburg im Rahmen der Hotelstars Union, zudem beginnt in den nächsten Tagen ein Projekt, bei dem sich Horesca-Unternehmen testen lassen könnten - ganz ohne Papierkram, wie Closener sagte.