LUXEMBURG
ROBERT DENNEWALD

Robert Dennewald wünscht sich für Luxemburger Unternehmen mehr Flexibilität in der Gesetzgebung, damit sie Zeitarbeit öfter nutzen können. Dennewald ist selbst Unternehmer, Business Angel, Ehrenpräsident des Industrieverbandes FEDIL und Vize-Präsident der Handelskammer.

„Die Unternehmen benötigen Zeitarbeitskräfte, um auf die Schwankungen in der Produktion reagieren zu können, die durch das Wetter, den Markt oder andere Ursachen begründet sind, weil die heutige Arbeitsgesetzgebung eine ungenügende Flexibilität einräumt. Sollte die Regierung den Unternehmen eine größere Flexibilität einräumen, dann würde mein Unternehmen immerhin bis zu fünf Prozent Neueinstellungen vornehmen. Die würde es erlauben, eine Vielzahl von prekären Arbeitsverhältnissen in Dauerarbeitsverträge umzuwandeln. Jeder würde dabei gewinnen, die betroffenen Arbeitnehmer, durch ein gutbezahltes Arbeitsverhältnis mit Weiterbildungsmöglichkeiten und vielen anderen Vorteilen, und die Arbeitgeber, die über ein erweitertes, gut ausgebildetes und erfahrenes Stammpersonal verfügen würden, welches Dank der Flexibilität akzeptieren würde, viel zu arbeiten, wenn viel Arbeit vorliegt, und in mageren Zeiten weniger zu arbeiten; dies alles bei einem gesicherten Jahreseinkommen.

Unser heutiges System der Flexibilität ist veraltet und ineffizient. Es basiert auf verschiedenen, sehr komplizierten Modellen von Referenzperioden, welche im besten Fall vier Monate betragen. Dies reicht nicht aus, um wechselnden Bedingungen Rechnung zu trage. Ideal wäre eine Referenzperiode von zwölf Monaten. Realistisch ist, auch aufgrund europäischer Vorschriften, sechs Monate. Eine Vielzahl von Detailregelungen sollten meiner Meinung nach in den Kollektivverträgen geregelt werden.

Die Regierung ist nicht in der Lage, den wohlberechtigten Forderungen der Arbeitgeber nachzukommen und unterliegt dem Druck der Gewerkschaften, die jede zusätzliche Flexibilisierung der Arbeitszeit kategorisch ablehnen. Das Regierungsprogramm schweigt weitgehend zum Thema Flexibilisierung der Arbeitszeit. Ausnahmen sind Maßnahmen, die die Familienpolitik betreffen, wie zum Beispiel die Ausdehnung des Elternurlaubs. Wenn man prinzipiell damit einverstanden sein muss, dass der Elternurlaub zum Zeitgeist passt, muss man sich bewusst sein, dass insbesondere für kleinere und mittlere Unternehmen die erweiterten Maßnahmen einen organisatorischen Alptraum darstellen. Die Zusage der Arbeitgeberverbände zu diesen neuen Maßnahmen basierte auf eine mehr oder wenig klar formulierte Zusage der Regierung in Sachen Flexibilisierung der Arbeitszeit den Arbeitgebern entgegen zu kommen. Dies ist jedoch nicht eingetreten.“