NIC. DICKEN

Das große Interesse, das am vergangenen Samstag den von der ASTI organisierten „Assises de l’Intégration“ entgegengebracht wurde, offenbarte ganz unmissverständlich den hohen Stellenwert, den die luxemburgischen Gemeinden dem politischen Anliegen einer verbesserten Integration ausländischer Mitbürger in die lokale Bevölkerung beimessen. Deutlich wurde im Verlauf dieser Tagung aber auch, dass die lokale Integrationsproblematik keineswegs nur die zugezogenen Mitbürger und Familien in den Kommunen betrifft, die keinen luxemburgischen Pass haben. Integration tut ebenso Not gegenüber den eigenen Landsleuten, die aufgrund ihrer beruflichen oder finanziellen Situation einen Wohnungswechsel vornehmen müssen.

Luxemburg hat seit weit über hundert Jahren eine lange Tradition als Immigrationsland und war zu verschiedenen Zeiten auf den Zuzug ausländischer Arbeitnehmer angewiesen, um punktuell auf das schelle Wachstum des einen oder anderen Wirtschaftszweiges reagieren und auf die erforderlichen Arbeitskräfte zurückgreifen zu können. Das galt Anfang des 20. Jahrhunderts für Auswanderer vorwiegend aus dem Norden Italiens, das gilt seit den 60er Jahren für den Anstieg des aus Portugal stammenden Bevölkerungsanteils, das gilt nicht zuletzt auch für die durch den Finanzplatz und den Ausbau der europäischen Institutionen bedingte facettenreiche Internationalisierung von Wirtschaft und Bevölkerung, die bis heute andauert und deshalb gezieltes Handeln mehr denn je erforderlich macht.

Die „Assises de l’Intégration“ haben gezeigt, dass es weder an Bereitschaft noch an Ideen fehlt, auf kommunaler Ebene das Zusammenleben von alteingesessenen und neuen Mitbürgern zu fördern. Das Zusammentreffen von insgesamt etwa 400 Vertretern aus Vereinigungen, Gemeinden und Einrichtungen, darunter mehrere Dutzend Verantwortliche aus den größten und kleinsten Kommunen des Landes, hat nicht nur die Vielfalt der Initiativen vor Augen geführt, die oft auch mit bescheidensten Mitteln, dafür aber umso mehr Engagement und Einsatzwillen, im Interesse einer besseren menschlichen Integration ergriffen wurden, sondern hat auch einen breiten Erfahrungsaustausch ermöglicht, von dem reichlich Gebrauch gemacht wurde.

Unterschiede bei Herkunft, kultureller Abstammung und sozialem Hintergrund werden immer mehr auch als Bereicherung für die ganze Bevölkerung angesehen. Seit einigen Jahren trägt die ASTI mit einem flexiblen Übersetzungsdienst, der punktuell und bedürfnisgerecht eingesetzt werden kann, zur Überwindung von Sprachbarrieren und Beseitigung von Hemmschwellen bei, wodurch der gemeinsame Austausch erleichtert und das Miteinander gefördert wird. Das Gelingen der Integration auf breiter Basis wird einen wesentlichen Ausschlag geben für das künftige Gedeihen einer Volkswirtschaft, die weiterhin auf Wachstum und Vielseitigkeit setzen muss. Einen wesentlichen Beitrag zum Gelingen dieses Zukunftsprojektes wird die Fähigkeit sein, im „Fremden, im „Ausländer“, im neuen Nachbarn weniger den „Eindringling“ zu sehen als vielmehr den Mitbürger und Mitstreiter für gemeinsame Anliegen. Wenn in den letzten Jahren die Welt zum Dorf geworden ist, so wird auf diese Weise nun auch das Dorf zur kleinen Welt.