LUXEMBURG
SVEN WOHL

„Animal Crossing: New Horizons“ kam vielen während der Isolation der Pandemie gelegen

Videospiele werden von Skeptikern oft als Realitätsflucht bezeichnet. Doch was, wenn die Realität so deprimierend ist, dass ein wenig Auszeit nötig wird? Als hätte es jemand geplant, ist „Animal Crossing: New Horizon“ genau in jenem Moment für die Nintendo Switch erschienen, als die Pandemie richtig in Fahrt kam. Je mehr die Menschen zu Hause bleiben mussten, desto mehr sehnten sie sich nach Ablenkung. Während die einen den ganzen Tag über Netflix sahen, erlebten auch Brettspiele oder Videospiele eine Hochkonjunktur.

Stressfreie Unterhaltung

„Animal Crossing“ scheint bereits vom Konzept her wie die Faust aufs Auge zu passen: Die Spieler reisen auf eine verlassene Insel und sollen dort, zusammen mit Tierfreunden, sich die Insel zu eigen machen. Dazu bauen die Spieler sich nach und nach ein Haus auf, gehen fischen, fangen Insekten, unterhalten sich mit den Nachbarn und bauen Brücken über die Flüsse. Die Inseln anderer Spieler lassen sich ebenso besichtigen und so kann man Tag für Tag, nach und nach, seine Insel pflegen und aufbauen. All dies verläuft in Echtzeit, weshalb das Spiel täglich etwas Neues bieten kann. Doch wie half dieses eine Spiel, das weltweit beliebt ist, den jungen Menschen in Luxemburg, mit dieser Situation klar zu kommen?

Zu diesem Zweck haben wir uns bei den Nutzern einer luxemburgischen „Animal Crossing“-Gruppe auf Facebook umgehört. Das Echo fiel eindeutig aus: „Animal Crossing“ hilft jedem durch die schwierigen Zeiten. „Das Spiel hilft einem, einfach abzuschalten und das Virus zu vergessen. Mit dem Spiel startest Du wie in ein neues Leben, kannst alles aufbauen und modifizieren, wie es dir gefällt und man kann süße und liebe Einwohner anlocken“, erklärt Valentina. Ein weiterer Pluspunkt sei, dass „es keine Gewalt, Krankheiten und nichts Negatives“ in der Spielwelt gebe.

Melanie hat das Spiel in doppelter Hinsicht geholfen. Während ihrer Schwangerschaft nutzten sie und ihr Freund das Spiel, um die Zeit zu überbrücken. Seit der Geburt Anfang April würden sie zwar weniger spielen, aber „wir nutzen jede Gelegenheit, um die Welt von ’Animal Crossing‘ zu betreten.“ Sam findet das Spiel beruhigend und nutzt es auch, um andere Menschen kennenzulernen. „So habe ich mich in dieser merkwürdigen Zeit nicht so alleine gefühlt“, erzählte sie uns.

Grenzenloser Spaß

Das Gemeinschaftsgefühl ist auch anderen Spielern wichtig. Nadia ist Studentin an einer deutschen Uni und erzählte: „Ich habe viele Freunde in Deutschland, die ich so erreichen konnte und wir konnten uns so auch virtuell treffen. Das Spiel hat uns noch enger zusammen geschweißt. Wir hatten unseren Spaß und haben uns gegenseitig geholfen, um voran zu kommen.“ Sie würden selbst jetzt noch weiter gemeinsam Zeit mit dem Spiel verbringen, wenn auch weniger als zuvor. „Durch das Spielen, die Universität und Sport konnte ich die Zeit gut überbrücken und hatte kaum Gelegenheit, an die schwierige Zeit zu denken.“

Für Saskia stellte das Spiel erst einmal eine tägliche Beschäftigung dar. „In dieser Zeit wurde mir richtig langweilig, denn ich wohne allein und hatte so keinen Kontakt zu anderen Menschen“, erklärte sie und beschrieb, dass sie viel Kontakt mit Freunden und Familie braucht. Toll findet sie, dass das Spiel es einem erlaubt, sich mit Freunden in Verbindung zu setzen. So konnte sie wenigstens etwas mit ihnen unternehmen, indem sie gegenseitig ihre Inseln besuchten. Flo lobte das Spiel auch dafür, dass es ihr eine Motivation gab. Ein wenig Kritik gibt es dann aber schon: „Es hat angefangen, meinen Tagesablauf zu bestimmen, was dann nicht mehr so gut war.“

Die Gruppe können Sie unter tinyurl.com/ACLuxJour besuchen