LUXEMBURG
LJ

Wo Luxemburg am tiefsten ist

Luxemburg ganz groß, klein, hoch, tief - das ist der Titel unserer Sommerserie über außergewöhnliche Blickwinkel auf das Ländchen. Nach dem Thema groß, in dem vor allem die „Aire de Berchem“, die größte Tankstelle der Welt hervorstach und dem Thema klein, wo wir uns für unter anderem für die Forschung im Nanobereich interessierten - das ist ein milliardstel Meter -, sowie den höchsten Bauwerken im Großherzogtum, nehmen wir Sie heute mit auf einer Reise in die Tiefe.

Abtauchen auf 43 Meter

1961 entstand der Obersauer-Stausee. Neben der Trinkwasserversorgung und der Elektrizitätsgewinnung dient der auf einer Fläche von 380 Hektar gelegene See heute als vielgenutztes Freizeitgebiet. Und wird auch von Tauchern genutzt. Sie können bis zu einer Tiefe von 43 Metern abtauchen. Der See ist somit das tiefste Oberflächengewässer in Luxemburg.

Wo die Sauer in die Mosel fließt

130 Meter über dem Meeresspiegel: Der tiefste Punkt Luxemburgs findet sich in Wasserbillig, wo die Sauer in die Mosel fließt. Der tiefste Punkt in der Hauptstadt liegt im Viertel Beggen (232 Meter über dem Meerespiegel).

-20,2 Grad

Ausgesprochen frostig war es an zwei Tagen im Februar 1956. Damals wurde laut Meteolux eine Tiefsttemperatur von -20,2 Grad Celsius gemessen, die tiefste seit 1947 die Wetterstation auf Findel in Betrieb ging.

Lëtzebuerger Journal

Auf dem Grund der Mine „Ellergronn“

Bei der Erwähnung von Minen kommt gleich das Bild von Stollen weit unter der Erdoberfläche hoch. Allerdings wurden sie in Luxemburg meist über horizontale Stollen erschlossen, die in die minettehaltigen Felsen getrieben wurden – später wurde das Erz im Tagebau gewonnen. Erst in Lothringen sinken die Vorkommen tiefer ab. So wird geschätzt, dass der tiefste Stollen in Luxemburg hart an der Grenze zu Frankreich zu finden ist, und zwar in der Mine „Ellergronn“ in Esch-Alzette. Der tiefste Punkt liegt hier etwa bei 263 Meter über dem Meeresspiegel. Mit letzter Sicherheit lässt sich das allerdings nicht sagen, denn nicht auf allen Grubenplänen sind Höhen und Tiefen vermerkt. Sicher gibt es in Luxemburg noch unbekannte von Menschen geschaffene künstliche Hohlräume. In der Kupfermine in Stolzemburg, wo 500 Jahre lang nach dem Metall gegraben wurde, drang 1983 ein Taucher bis in eine Tiefe von 100 Metern vor.

Kinds Löcher

Die tiefste Bohrung in Luxemburg ist 750 Meter tief und wurde Ende der 1970er in Mondorf durchgeführt, um eine neue Quelle („Source Michel Lucius“) für die Bedürfnisse des Thermalbads zu erschließen. 133 Jahre zuvor war der Sachse Karl-Gotthelf Kind hier auf der Suche nach Steinsalzvorkommen auf 730 Meter vorgedrungen – eine enorme Leistung mit der Technik dieser Zeit. Er sollte bis 1871 der Rekord für das tiefste Bohrloch in Europa halten. Zugleich begründete diese Bohrung das Thermalbad in Mondorf.

Die Energie unter unseren Füssen

Auf dem Areal des ehemaligen Walzwerks in Düdelingen soll in den nächsten Jahrzehnten ein neues Viertel mit rund 1.000 Wohnungen entstehen, erste Infrastrukturarbeiten werden für 2021 ins Auge gefasst, allerdings dürfte es bis Anfang der 2030er dauern, bis das Projekt komplett ist. Es soll ein „grünes“, CO2-emissionsneutrales Viertel werden. Neben Solarpanels setzt man hier deshalb auf Tiefengeothermie, denn in einer Tiefe von rund 2.000 Metern gibt es 70 bis 80 Grad heißes Wasser, mit dem ein kollektives Wärmenetz für das Viertel betrieben werden könnte. Eine Probebohrung wurde im Frühjahr 2018 bis auf 400 Meter Tiefe vorangetrieben. Besonders der Süden des Landes birgt hohes geothermisches Potenzial. Die Nutzung steckt erst in den Kinderschuhen.