LUXEMBURGINGO ZWANK

Carole Reckinger über ihren sozialen Einsatz für die Indigenen vom West-Papua

Früher wurden die indigenen Völker eines Landes als „Eingeborene“, „Ureinwohner“ oder „Naturvölker“ bezeichnet. Diese Begriffe spiegeln jedoch nicht die Lebensweise der indigenen Völker wider und sind daher als falsch zu bezeichnen. Heute ist die international anerkannteste Bezeichnung „in ein Land geboren“, was den besonderen Bezug aller indigenen Völker zu ihrer natürlichen Umwelt ausdrücken soll.

Weltweit unterscheidet man etwa noch 5.000 verschiedene indigene Völker, deren Angehörige sich auf etwa 450 Millionen Menschen belaufen, „250 verschiedene Stämme findet man noch in West-Papua, Indonesien“, berichtet Carole Reckinger. Die 33-Jährige war 2009/2010 für die „peace brigades international (pbi)“ hier aktiv. „Die pbi ist eine Menschenrechtsorganisation, die durch die Präsenz internationaler Freiwilligenteams in Konfliktgebieten Menschenrechtler begleitet, sie schützt, womit Handlungsräume für den Frieden geschaffen werden.“

In Papua herrscht das Militär

Weshalb war pbi hier aktiv? Immer noch herrscht in West-Papua das Militär, auch wenn man „Anfang der 1960er Jahre bereits Wahlen organisierte. Doch dann fand man heraus, dass die Insel sehr reich an Boden- und Naturschätzen ist.“ So wie die Grasberg-Mine, sie ist die größte Goldmine und gleichzeitig die Kupfermine mit den niedrigsten Förderkosten der Welt und liegt in dem zu Indonesien gehörenden Gebiet. Im Vorfeld wurden die Schürfrechte schnell an Amerika verkauft. Ein Referendum mit der Frage, ob Papua zu Indonesien gehören möchte, wurde unter Uno-Mandat abgehalten, „mit dem Ergebnis, dass die Indigenen 1969 mit dem Segen der Uno quasi verkauft wurden“, sagt Reckinger. Die Papuas betrachten Indonesien als Kolonialmacht und kämpfen für Unabhängigkeit. Die indonesische Zentralregierung wiederum unterdrückt diese Bestrebungen mit allen Mitteln. Wohl auch deshalb gelten besondere polizeiliche Vorschriften und Beschränkungen. Nach wie vor geschehen schwere Menschenrechtsverletzungen in West-Papua: Bis Ende der 80er Jahre sind viele solche Menschenrechtsverletzungen festzustellen, ein Viertel der Bevölkerung ist umgekommen, wie Menschenrechtsorganisationen festhalten. Daher gilt auch heute noch: Presse und Forscher sind absolut unerwünscht in dem Gebiet. Die Anwesenheit des Militärs in West-Papua geht nach Ansicht vieler internationaler Organisationen fast immer mit Menschenrechtsverletzungen wie beispielsweise Morden, unbegründeten Festnahmen, Vergewaltigungen und Folter einher.

Hinzu kommt kam für die Indigenen der Kulturschock. Man muss sich vorstellen, „die Bewohner haben teilweise bis in die 1960er Jahre kein Eisen gekannt und haben doch zeitgleich wie Mesopotamien die Landwirtschaft entwickelt. Die Touristen werden somit dort quasi in die Steinzeit gelockt.“

Der Fortschritt brachte die Probleme

Der sogenannte Fortschritt hat bereits ungeheuren Schaden für die indigenen Völker Papuas hinterlassen, wie Reckinger bilanziert. Trotz der erwähnten größten Goldmine der Welt bleibt West-Papua die ärmste Region Indonesiens „mit einer HIV/AIDS-Rate, die geschätzt zwanzigmal höher ist als im Rest des Landes.“ Viele der HIV/AIDS-Fälle können auf die kommerzielle Sexindustrie zurückgeführt werden, welche die Ankunft von Gastarbeitern der Fisch-, Abholz- und Bergabbauindustrien begleitet hat. Auch Korruption ist weit verbreitet. Transparency International listete das Land unter den korruptesten Nationen der Welt. Korruption, Kollusion und Nepotismus, abgekürzt als KKN bekannt, waren teils akzeptierter Bestandteil der indonesischen Machtausübung und Wirtschaftskultur, so Transparency International. Sie wurden von Indonesiern und ihren Militärs nach West-Papua gebracht und haben sich unter mit Ämtern betrauten Papuas verbreitet. Bis 1997 deckte gar die Weltbank die indonesische Korruption und gestattete die Fälschung ihrer einflussreichen Länderberichte.

„Partnership for Indigenous Initiatives (P2I)“

Mit ihrem Mann Antoine Lemaire gründete Reckinger nach all diesen Erfahrungen, die sie vor Ort gemacht hatte, „Partnership for Indigenous Initiatives (P2I), „wobei wir uns hier besonders in zwei Bereichen engagieren: Zum einen im Bereich HIV. Das ist eine regelrechte Epidemie bei den indigenen Völkern, man geht hier von einer Ansteckungsrate von 30 Prozent aus. Viele junge Leute sterben, wir sammeln Daten, informieren über die Lage, denn nur wenig bis gar nichts ist darüber bekannt. Zum anderen unterstützen wir ein Schulprojekt, das von Akhy Logo. Viele Kinder sind Opfer des Kapitalismus, den Leuten ist einfach nach der kompletten Unberührtheit der Boden unter den Füßen weggebrochen. Logo will den Kindern eine Zukunft geben, zusammen mit den Kindern und den Jugendlichen hat er eine Schule gebaut. Zuerst haben sie Schuluniformen genäht und den Kindern das Gefühl zu geben, dass sie so dazugehören wie alle anderen auch“, erzählt Reckinger. „Wir haben Bücher besorgt, mittlerweile übernehmen wir über die asbl das Gehalt von fünf Lehrern. Als nächstes Projekt steht die Anschaffung von Schulbänken an.“ Doch es gibt noch sehr viel mehr zu tun...


Wer mehr über die Arbeit von Carole Reckinger erfahren

oder diese auch unterstützen will, der kann sich auf

www.indigenous-partnerships.org informieren