Auch wenn kurz vor den Sommerferien die Politik noch einmal hochkocht, weil Gesetzentwürfe gestimmt und zwei ehemalige Minister ins Ausland verabschiedet werden, sind viele Familien bereits mit ihren Gedanken bei den Reisevorbereitungen für den Sommerurlaub. Reisen ist ein soziales Phänomen, das heute für viele zu einem „Must“ geworden ist; mit Reisen wird durchaus hin und wieder angegeben, ein gehobener Lebensstil herausgehängt, derweil gerade die Anpassung an modische Trends in der Reisebranche uns von der wirklichen Erholung entfernen kann.

Hier und jetzt also, wo viele vielleicht beim Kofferpacken sind, kann man durchaus die Frage aufwerfen, was wir in einer Reise eigentlich suchen und finden, und ob das, was angeboten wird, wirklich Sinn macht.

Der katalanische Philosoph Francesc Torralba meint zu diesem Thema: „Reisen und Gespräche sind die besten Mittel, gegen Vorurteile anzugehen.“

In den Reisekatalogen scheinen jedoch alle Angebote sich zu ähneln und man gewinnt den Eindruck, immer die gleichen Terrassen, Schwimmbäder oder Strände abgebildet zu sehen. Vielen beliebten Touristenzielen ist die Besinnlichkeit völlig abhanden gekommen; deshalb erscheint die Frage berechtigt, inwiefern eine wirkliche Erholung überhaupt noch stattfinden kann. Trotz dieser kritischen Hinterfragung ist festzustellen, dass sich Millionen doch wieder jedes Jahr in die Verkehrsstaus hineintrauen, dass die Pauschalreisen vielfach ausgebucht sind, dass also die Reisebranche scheinbar die richtigen Antworten auf die Nachfrage gegeben hat. Viele werden allerdings nach den Staus und den Flugreisen in ferne Länder merken, dass das Gefühl der Erholung nicht lange anhält, dass der Alltagsstress einen sehr schnell wieder einholt, so dass die Frage offen bleibt, wo denn jetzt der tiefere Sinn des Reisens liegt, insofern dieser uns noch interessiert.

Reisen bedeuten ohne Zweifel Erfahrungen. Sie entfernen uns meistens von der allgegenwärtigen Cyberwelt, die in unserem Alltag fest verankert ist. Sie bedeuten, dass wir uns in einem anderen Land zurecht finden müssen, über die eigenen Grenzen sehen, Vergleiche ziehen, mit anderen Menschen sprachlich kommunizieren, andere Städte, Landschaften und Dörfer entdecken, und auf diese Weise auf jeden Fall den Horizont erweitern. Reisen bedeuten demgemäß auch, etwas über uns selbst, oder ein anderes Land in Europa und in der Welt zu lernen.

Reisen bestätigen soziale Unterschiede, denn jene Kinder, die über den Sommer nirgendwo hinreisen und nirgendwo hinkommen, machen diese Art der Erfahrungen nicht, gewinnen diese Eindrücke nicht, und erhalten keine jener Anregungen, die später vielleicht auch das Lernen in der Schule erleichtern werden; denn das Reisen verändert den Blick auf das Leben und die Dinge, und vereinfacht das Verständnis der Welt. Reisen ist also eine Chance, sich weiterzuentwickeln, weltoffener und toleranter zu werden, dazuzulernen, die eigene Kultur mit anderen zu vergleichen, oder auch einen besseren Zugang zu Familienmitgliedern zu finden.