LUXEMBURG
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Anderthalb Meter Durchmesser: Luxemburger Bäckerinnung präsentiert größten „Kinnekskuch zu Lëtzebuerg 2020“

Er gehört zum 6. Januar wie das Feuerwerk zu Silvester: Der „Kinnekskuch“. Es wird wohl in Luxemburg fast keinen Haushalt geben, in dem an den kommenden Tagen nicht eine solche süße Sensation auf dem Tisch steht.

Ein besonderes Prachtexemplar wurde gestern wieder von der Luxemburger Bäckerinnung, der „Section des Patrons Boulangers-Pâtissiers de la Confédération Liewensmëttelhandwierk asbl“, am hauptstädtischen Bahnhof präsentiert. Knappe 1,50 Meter im Durchmesser brachte der Kuchen aufs Backblech - der Rekord aus dem Jahr 2019 wurde eingestellt.

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„Protokollarische“ Regeln

Zur Krönung eines Königs gibt es natürlich feste „protokollarische“ Regeln. Zuerst teilt man - im Normalfall - den Kuchen in so viele Stücke, wie es Gäste gibt. Der jüngste Gast am Tisch entscheidet, welcher Gast das Stück „galette“ erhält, das gerade serviert wird. Wenn alle Gäste ihr Stück haben, dürfen sie anfangen zu essen - auf der Suche nach der Überraschung: „la fève“. Die „Bohne“, heutzutage meist durch eine Porzellanfigur ersetzt. Wer diese Figur in seinem Kuchenstück entdeckt, ist der König des Tages und darf für den Rest des Tages seine Regentschaft ausüben! Er bekommt natürlich auch die goldene Pappkrone. Und: Der König soll die Gäste bei der nächstmöglichen Gelegenheit zum „Kinnekskuch“-Essen einladen…

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„Jeder Kuchen aus Luxemburger Mehl ist ein echter Königskuchen“

Bereits in den letzten Jahren wagte sich die Vereinigung der Bäcker- und Konditormeister an den Rekord und schaffte 2018 einen Kuchen mit einem Durchmesser von 1,40 Meter, den größten, den es bis dahin in Luxemburg gab - bis zum letzten Jahr. Da wurde der bestehende Luxemburger Rekord erneut um etliche Zentimeter verbessert, „zwei Meter hatten wir zwar nicht geschafft, es fehlte am passenden Ofen“, verriet Innungspräsident Jean-Marie Neuberg damals.

Gestern wurde also erneut ein Handwerkskunstwerk der Extraklasse präsentiert - und der Rekord von 2019 eingestellt. Carlo Bock von der Bäckerinnung nutzte die Gunst der Stunde, um etwas Werbung für den Beruf zu machen, was auch der Ehrengast der Präsentationsveranstaltung, Parlamentspräsident Fernand Etgen, unterstrich. „Die Bäcker kann man als kreative Frühaufsteher bezeichnen, die noch ein wahres Handwerk darbieten“, sagte Etgen. „Und dies nicht nur zum 6. Januar; nein, vom 1. Januar bis zum 31. Dezember bieten sie Kunstwerke für jede Gelegenheit in Form des richtigen Kuchens an“, unterstrich der „Chamber“-Vorsitzende, der weiter betonte, dass „jeder Kuchen aus Luxemburger Mehl aus entsprechend nachhaltiger Produktion ein echter Königskuchen ist.“ So freuten sich die Zuschauer und Bahnreisenden, als der Parlamentspräsident höchstpersönlich zum Messer griff und ihnen ein Stück des Dreikönigskuchens überreichte. Vor allem die Kinder der „Maison relais“ aus dem Pfaffenthal, die zwei musikalische Darbietungen präsentierten, freuten sich über „den guten Kuchen.“ Nur: „Eine Bohne oder Männchen habe ich noch nicht gefunden“, so ein Mädchen etwas traurig, dabei waren in dem großen „Kinnekskuch“ sogar 20 Bohnen versteckt, wie Bock verriet. Der Parlamentspräsident seinerseits sprach bei der „Kinnekskuch“-Verkostung von einem „hervorragenden genussvollen Werk“ der Bäckerinnung und er forderte alle auf, in den kommenden Tagen die Tradition des Dreikönigskuchen entsprechend zu begehen und so aufrechtzuhalten.

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Die „Fabophiles“

„Fabophilie“ heißt das Hobby, Bohnen aus den Dreikönigskuchen zu sammeln. Der Fantasie sind bei den kleinen Kunstwerken keine Grenzen gesetzt und so gibt es eine Menge verschiedener Exemplare. Meist werden sie auch nur in limitierter Auflage hergestellt, haben also Seltenheitswert, der den Preis auf dem „Fabophilie“-Markt dann in die Höhe treibt. Es soll schon mal vorgekommen sein, dass historische Bohnen für ein paar Tausend Euro den Besitzer wechselten. Aber das ist wirklich die Ausnahme. Unter den Sammlern, die vor allem die Vervollständigung kompletter Kollektionen anpeilen, werden die „fèves“ in der Regel für ein paar Euro angeboten. Manche Sammler haben sich auch auf bestimmte Themen oder Herkunftsregionen spezialisiert. Es kann sein, dass solche Sammlungen mehrere Zehntausend Bohnen umfassen. Es wird geschätzt, dass allein in Frankreich jährlich zwischen 4.000 und 5.000 neue Bohnen auf den Markt kommen.

Süße Rekorde

Wer bäckt den schönsten, größten, längsten... Dreikönigskuchen? Um die süße Spezialität geht es immer wieder auf Rekordjagd. Vor rund einem Jahr tischten Bäcker im kleinen Städtchen Cusset (Département Allier) in Zentralfrankreich eine „Galette des Rois“ von 30,59 Metern Länge auf und stellten so einen vorigen französischen Rekord aus Lyon (30 Meter) ein.
48 Kilo Butter, 30 Kilo Mehl und rund 400 Eier wurden für die Monster-„Galette“ benötigt, in der auch noch 60 Bohnen versteckt waren.
Das ist aber nichts im Vergleich mit einem Dreikönigskuchen von insgesamt 1,9 Kilometern Länge, der Anfang 2013 in Mexiko-City von rund 2.000 Bäckern für 200.000 Besucher angeboten wurde. 4,9 Tonnen Mehl, 2,8 Tonnen Butter und 43.000 Eier kamen in das Gebäck rein, das allerdings nicht aus Blätterteig bestand: Der mexikanische Dreikönigskuchen wird aus „Brioche“-Teig angefertigt, mit kandierten Früchten und Zuckerstückchen.