LUXEMBURG
MARCO MENG

Versicherungen in Luxemburg 2016 mit bestem Ergebnis: 1,8 Milliarden Euro Nettogewinn

Für die luxemburgischen Versicherungen war 2016 ein Erfolgsjahr. Sie erzielten ein Ergebnis von 1,8 Milliarden Euro nach Steuern. 2015 waren es 1,2 Milliarden Euro gewesen. Vor allem das Geschäft bei den Rückversicherern wächst und profitierte auch von den vergleichsweise wenigen Naturkatastrophen im letzten Jahr, wie Claude Wirion, Vorsitzender der Commissariat aux Assurances (CAA) gestern mitteilte. Durch den Brexit dürfte das Geschäft noch anziehen - im Nicht-Lebensversicherungsbereich könnte sich hier 2019 der Umstaz sogar verdreifachen, wie die Versicherungsaufsichtsbehöre schätzt. Allerdings macht der Brexit denjenigen luxemburgischen Versicherungen auch zu schaffen, die Geschäft in Großbritannien betreiben. Vor allem Schiffsversicherungen dürften davon betroffen sein, ohne dass die Behörde dazu konkrete Zahlen kennt. Es hänge von den Brexit-Verhandlungen ab, hieß es.

Von den 1,8 Milliarden Euro Gewinn entfallen 1,4 Milliarden auf Rück-Versicherer, 225 Millionen auf Lebensversicherer und 172 Millionen auf Versicherungen außerhalb des Lebensversicherungsbereichs. Das freut natürlich auch den Staat: Der nahm damit 372 Millionen Euro an Steuern ein, mehr als doppelt so viel wie 2015.

Auch die Zahlen für das erste Quartal 2016 sehen gut aus mit einem Plus von 5,14 Prozent im Lebensversicherungsbereich und 8,26 Prozent im Nicht-Lebensversicherungssektor.

Solvency-II gut umgesetzt

Zwar standen die Versicherungsgesellschaften zuletzt unter Druck wegen der zum 1. Januar 2016 eingeführten Vorschriften „Solvency II“, doch die hiesigen Gesellschaften hätten die Umsetzung überwiegend gut gemeistert, meint Wirion. Es war die größte Reform, die die Versicherungsbranche seit den 1970er-Jahre traf.

„Die Versicherungen im Land waren gut darauf vorbereitet und erfüllen die Vorgaben“, erklärt Wirion, der betont, dass Solvency auch die Arbeit der Aufsichtsbehörde erschwert. 40 Mitarbeiter kontrollieren den Sektor und stellen Risikoanalysen der Gesellschaften an, wobei auch hier sich das Modell geändert hat: Statt zu schauen, was in der Vergangenheit passiert sei, wird der Fokus vor allem auf die Zukunft gelegt. Es wird geprüft, wie die Versicherer investieren, aber auch, wie sie sich in welchen Zukunftsszenarien verhalten werden. Kommendes Jahr wird übrigens die Weltkonferenz der Versicherungsaufsichtsbehörden (IAIS) in Luxemburg stattfinden.

Luxemburgs Versicherungsbranche ist nach Prämieneinnahmen im Lebensversicherungsbereich der zehntgrößte in Europa und Nummer 21 auf der Welt; im Nicht-Lebensversicherungsbereich Nummer 20 in Europa und auf Platz 43 global. Angesichts der Tatsache, dass sich seit 2011 die Zahl der Versicherungsgesellschaften in Luxemburg kontinuierlich auf 299 im letzten Jahr verringerte und verschärfte Vorschriften seitdem griffen, ist das gute Ergebnis umso beeindruckender. Während der Lebensversicherungsbereich sich stabil zeigt, erfuhren die Sachversicherungen letztes Jahr ein Prämienwachstum von vier Prozent, was über dem europäischen Durchschnitt lag. Insgesamt die meisten Prämieneinnahmen erzielte allerdings wie üblich das Lebensversicherungsgeschäft. Zwar seien auch die Luxemburger gut versichert, wie Wirion bestätigt, das Gros der Prämieneinnahmen im Lebensversicherungsgeschäft kommt aber mit knapp 90 Prozent aus dem Ausland. Hier ist Frankreich ein wichtiger Markt, während der belgische schrumpft. Im Nicht-Lebensversicherungsgeschäft seien es 75 Prozent Anteil des Auslandsgeschäfts, und diese Zahl dürfte wegen des Brexit noch steigen. Heute sind hier Deutschland, Frankreich nd Belgien die wichtigsten Märkte.

Neuer Schwung durch Brexit

Sechs Versicherungen haben bereits Luxemburg als neuen EU-Standort ausgesucht. Mit weiteren Gesellschaften sei man im Gespräch, sagt Wirion. Tausende Arbeitsplätze werden die zwar nicht schaffen, sondern schätzungsweise 40. Aber sie werden dem Sektor weiteren Schwung verleihen: von einer Verdreifachung der Umsatzzahlen im Nichtlebensversicherungsgeschäft ist die Rede. 2016 zählten die Versicherungen in Luxemburg 6.613 Mitarbeiter, eine Zahl, die ebenfalls seit Jahren steigt.