SOLEUVRE
CATHERINE NOYER

In Soleuvre sind am nächsten Wochenende rund 200 Rassekatzen auf der Ausstellung

„Die Katzen unserer Züchter wachsen im familiären Umfeld auf“ - Marie-France Pohl, Präsidentin des Lux-Cat-Clubs mit ihrer Devon-Rex-Katze - Lëtzebuerger Journal
„Die Katzen unserer Züchter wachsen im familiären Umfeld auf“ - Marie-France Pohl, Präsidentin des Lux-Cat-Clubs mit ihrer Devon-Rex-Katze

Nach einer Pause von zehn Jahren findet am 4. und 5. Mai eine internationale Rassekatzenausstellung im Großherzogtum statt. Organisiert wird sie im Festikuss-Saal in Soleuvre vom „Lux-Cat-Club“. Marie-France Pohl, Präsidentin des Vereins, der 1982 von ihrem Bruder Marc gegründet wurde, erläutert im Interview unter anderem, weshalb Rassekatzen teuer sind und was es mit einer solchen Ausstellung auf sich hat.

Spricht man von Rassekatzen so denkt jeder gleich an teure Luxustiere. Was versteckt sich hinter dem Begriff?

Marie-France Pohl Es gibt 50 von der „Fédération Internationale Féline“ (FiFe) anerkannte Arten von Rassekatzen. Viele sind durch Zucht entstanden, da es ursprünglich nur wenige Katzenrassen gab. Die Züchtung eines Katzentyps ist ein langwieriger internationaler Prozess. Zu den verschiedenen Rassen gibt es Standards, in denen detailliert festgelegt ist, wie die Katzen aussehen müssen. So viel zum Hintergrund. Sich eine Rassekatze anzuschaffen ist Luxus. Viele solcher Katzenliebhaber möchten auch züchten und die Zucht muss man ernsthaft betreiben. Zunächst muss man ein Weibchen mit anerkanntem Stammbaum kaufen und dann einen entsprechenden Deckkater finden, zu dem die Katze gebracht wird, sofern man nicht selbst einen potenten Kater halten möchte. Der Kater muss natürlich passen, denn es geht ja darum, entsprechend des Standards zu züchten. Hinzu kommen noch eventuelle Tierarztkosten, denn auch bei Katzen gibt es Fehlgeburten oder Kaiserschnitte. Das alles ist oft mit hohen Kosten verbunden.

Und was muss man sich unter den Standards vorstellen?

Pohl Es sind Rassemerkmale, die genau von der „Fédération Internationale Féline“ (FiFe) vorgegeben sind, wie beispielsweise, die Kopfform, Ohrengröße oder Schwanzlänge. Hier geht es um seriös gezüchtete Katzen und keine Billigware. Es gibt Länder in denen Katzen, wie Hunde auch, nur für die Zucht gebraucht werden und einen Wurf nach dem anderen produzieren müssen. Wenn die Muttertiere ausgelaugt sind, werden sie entsorgt.

Unsere Züchter haben nur einen Wurf im Jahr, mit Katzenbabys, die im familiären Umfeld aufwachsen. Da gibt es oft eine Warteliste. Wer nicht warten möchte, oder sich finanziell keine Rassekatze leisten kann, der sollte sich doch zur Adoption einer Katze aus dem Tierheim entschließen und damit ein gutes Werk tun.

Wie entstehen denn neue Rassenzüchtungen?

Pohl Das ist eine langwierige Geschichte. Man kann keine norwegische Waldkatze mit einer Siam paaren und hat dann eine neue Rasse. Um neue Rassen zu entwickeln, müssen die Katzen verwandte Merkmale haben, eine solche Zucht dauert viele Jahre und geht über viele Generationen. Ein Stammbaum von fünf Generationen muss dabei vorgelegt werden, um nachzuweisen, dass die Tiere nicht mehr miteinander verwandt sind. Dann kann man bei der FiFe um die Aufnahme einer neuen Rasse in die Standards anfragen, über die dann abgestimmt wird. Ich nehme an jährlichen internationalen Treffen teil, bei denen über die Evolution der bereits existierenden Züchtungen gesprochen wird. Wie beispielsweise beim aktuellen Siamtyp, mit größeren Ohren und länglicher Kopfform, gab es Veränderungen der Rassemerkmale im Standard.

Brauchen Siam, Britisch Kurzhaar, Norwegische Waldkatze und Co. gegenüber Hauskatzen eine besondere Pflege?

Pohl Nein, es ist nicht selten, dass Rassekatzen ein hohes Alter erreichen. Meist sind sie reine Wohnungskatzen, was schon in ihren Genen liegt. Das ist unproblematisch und somit gehen sie kein Risiko ein, überfahren, vergiftet oder gestohlen zu werden. Wie aus alten Bildern hervorgeht, hat es das immer gegeben, Katzen die beispielsweise an Königshöfen lebten. Die meisten Besitzer einer Rassekatze verstehen das und handeln danach.

Wie entstand überhaupt die Idee der Gründung eines Rassekatzenclubs in Luxemburg?

Pohl Als mein Bruder 1982 den „Lux-Cat-Club“ gründete, gab es Besitzer von Rassekatzen im Land, die sich gleich anmeldeten. Wir wollten dann auch eine Ausstellung organisieren und realisierten dies mit Hilfe des belgischen Vereins, der zahlreiche Mitglieder hatte, die uns bei der Organisation solange halfen, bis wir auf eigenen Füßen stehen konnten. Früher waren drei Ausstellungen im Jahr keine Seltenheit, da sich sehr viele Mitglieder engagierten. Da die Organisation überaus zeitaufwendig ist, ließ das Engagement mit der Zeit nach. Wir sind für diese Ausstellung, für die bereits über 200 Katzen angemeldet sind, leider nur ein kleines Komitee und konnten sie nur mit Hilfe des belgischen Vereins „Felis Belgica“ auf die Beine stellen.

Aber Katzenfreunde werden bestimmt auf ihre Kosten kommen, denn ein Großteil der 50 Rassen ist vertreten. Die Samtpfoten können nicht nur bewundert werden, sondern die Katzenliebhaber können sich bei den Züchtern informieren und Erfahrungen austauschen.

www.luxcatclub.lu

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