LUXEMBURG
MARCO MENG

Was ist Mikrofinanz?

Nahezu zweieinhalb Milliarden Menschen weltweit sind von dem, was wir Finanzsystem nennen, ausgeschlossen. Mikrokredite und Mikroversicherungen erlauben es diesen Menschen, die kein Bankkonto kennen, ihre Lebensbedingungen selbst zu verbessern.

Was genau aber ist Mikrofinanz? Dazu Robert Wagener, Präsident der ADA (Appui au Développement Autonome), im Gespräch.

Herr Wagener, Sie waren einst bei der EIB. Entstand dort die Mikrofinanz-Idee?

Robert Wagener Mikrofinanz in Luxemburg entstand durch die Gründerin der ADA, Mia Adams. Ihr früh verstorbener Mann war bei der Weltbank und dann Direktor der EIB gewesen und so in Berührung mit den Problemen in den Dritte-Welt-Ländern gekommen. Mia Adams ist damals an mich herangetreten, und das war mein erster Kontakt mit Mikrofinanz.

Was ist Mikrofinanz? Ist sie überhaupt sinnvoll oder nur eine Modeerscheinung?

Wagener Sie ist sicher keine Modeerscheinung, und als ich damals in Kontakt damit kam, war meine erste Erfahrung, dass Mikrofinanz für Leute ist, die zurückzahlen. Die Kreditausfälle bewegen sich bei lediglich 1-2%. Mikrofinanz gibt Kredite an die, die keine Banken kennen - in manchen Regionen Afrikas beispielsweise, wo Menschen nicht einmal eine „carte d’identité“ haben - da kommt Mikrofinanz ins Spiel. Ein Beispiel: Es möchte jemand eine Garküche einrichten, er braucht einen Herd, Töpfe und so weiter. Bei keiner Bank wird er das Startkapital erhalten. Mikrofinanz ist darum keine Modeerscheinung. Es ist ein Instrument, das funktioniert, auch wenn damit nicht alle Probleme gelöst werden können.

Seit kurzem ist ADA auch in Tunesien engagiert.

Wagener Ja, das stimmt, wobei Tunesien ein Sonderfall ist: Da haben wir einen Vertrag mit der EIB über vier Millionen Euro. Die EIB hat uns beauftragt, dort den Markt der Mikrofinanzierungen zu beleben.

Können Sie etwas zum globalen „Mikrofinanzmarkt“ sagen?

Wagener Mikrofinanz entwickelt sich, denn der Zuspruch ist groß und wächst. Luxemburg ist übrigens Hauptstandort von Mikrofinanzfonds, die sich parallel zu Mikrokrediten entwickelt haben. Eine Nische wie Mikrofinanz kann aufgrund der Kenntnisse hierzulande hervorragend wachsen. Hier ist der Luxembourg Microfinance and Development Fund (LMDF) zu nennen, der heute ein Volumen von zehn Millionen Euro hat. Seit seiner Gründung konnten rund 21.000 Kleinstunternehmer vom Fonds profitieren. Was sich ebenfalls entwickelt, sind Mikroversicherungen. Wir haben da ein Testprojekt mit Mikro-Lebensversicherungen in Burkina Faso, was auf andere Länder in Westafrika ausgeweitet wird.

Wie funktioniert die Finanzierung?

Wagener Mikrofinanz ist für Investoren, die nicht allein an Rendite interessiert sind, sondern die es auch interessiert, was mit ihrem Geld Positives geschieht. ADA fördert die Entwicklung von kleinen Mikrofinanz-Organisationen vor Ort, die sonst nicht existieren würden, bislang rund 150 an der Zahl. Wir bieten denen zum Beispiel Kurse in Risiko-Management und anderes, was es Ihnen erlaubt, Investoren anzuziehen. Wenn es dann läuft, ziehen wir uns wieder zurück und gehen ins nächste Projekt.