LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Multinationale Konzerne haben laut Studie den Erfolg der chinesischen Währung unterschätzt

Der Renminbi wird im internationalen Geschäft immer wichtiger. Laut einer Studie der Kanzlei Allen & Overy rechnen fast zwei Drittel der Unternehmen in den USA, Europa und Asien damit, dass sich das Volumen der in Yuan abgewickelten Geschäfte in den kommenden fünf Jahren verdoppeln wird. Von Yuan spricht man bei einer konkreten Summe, während Renminbi - die unter Mao 1949 eingeführte Volkswährung - der allgemeine Begriff ist. Die chinesische Regierung will sie als Weltwährung neben dem Dollar und dem Euro etablieren.

Laut der Studie mit dem Titel „Generation ¥ - RMB: The new global currency“ machen sich die Konzerne viele Sorgen, unter welchen Bedingungen sie das schaffen sollen. 90 Prozent der Befragten meinen, ihr Unternehmen habe viel bis sehr viel mit dem Renminbi zu tun. Aber gleichzeitig glauben 77 Prozent, dass das Verständnis für die Relevanz des Renminbi-Geschäfts in ihrem Konzern fehlt und das dies das größte Hindernis für die Nutzung des Renminbi sei.

Weltweit an fünfter Stelle

Weltweit steht der Renminbi an fünfter Stelle, was die Nutzung angeht. Bei den weltweiten Zahlungen sind nur noch der Dollar, der Euro, das Pfund Sterling und der Yen vor der Währung mit dem Mao-Bild. Das ist ein rascher Aufstieg, da der Renminbi vor vier Jahren noch auf Platz 20 stand. Allein im vergangenen Jahr stieg das Volumen der weltweit in Renminbi abgewickelten Zahlungen um 102 Prozent.

Jane Jiang, Partner bei Allen & Overy in China, kommentiert das so: „Der Anstieg der Nutzung des Renminbi wird begleitet von einem raschen Ausbau des regulatorischen Rahmens der Währung. Um mit dieser Herausforderung fertig zu werden, müssen zahlreiche multinationale Konzerne ihre Liquiditätslage überdenken.“ Es gälten einfach nicht mehr die gleichen Bedingungen wie zu dem Zeitpunkt, als eine Strategie unter Berücksichtigung des Renminbi festgelegt worden sei. Noch sorgen allerdings Hindernisse beim internationalen chinesischen Bezahlungssystem und operationelle Einschränkungen für Unsicherheit. Das gilt auch für Anleihen im internationalen Geschäft - so genannte Dim Sum-Anleihen - und im heimischen Markt. Hier spricht man von Panda-Anleihen.

In Renminbi weltweit bezahlen

Trotz dieser Herausforderungen zahlen die Multis so oft sie können in Renminbi. Über die Hälfte begleichen auch außerhalb Chinas in der Währung, vor allem in Singapur, wo er in drei Viertel der Fälle eingesetzt wird. Aber auch in der Eurozone ist der Renminbi laut Studie in 58 Prozent der Fälle Zahlungsmittel. In den USA wird er noch in 53,7 Prozent der Fälle eingesetzt.

Die Internationalisierung des Renminbi wirkt sich auf die Strategie der Konzerne aus. 85 Prozent geben an, die Investitionen in China erhöht zu haben. 71 Prozent haben das Netz der Lieferanten oder Verkäufer restrukturiert. Henri Wagner, Managing Partner bei Allen & Overy Luxemburg, meint dazu: „Luxemburg gehört zu den führenden Kräften bei der Internationalisierung des Renminbi und wir planen die vollständige Umtauschbarkeit bis 2020. Die Internationalisierung des Renminbi könnte in der kommenden Dekade eine der größten Veränderungen im weltweiten Finanzwesen sein.“ Immerhin 64 Prozent der Befragten rechnen mit einer Verlagerung der Geldbestände nach China. Knapp 80 Prozent der Befragten setzten beim Thema Renminbi auf Hongkong, Shanghai und Singapur als Finanzplätze außerhalb Chinas. Interessanterweise belegt Luxemburg den vierten Platz, noch vor London. Marc Feider, Senior Partner bei Allen & Overy Luxemburg, meint, dass „selbst wenn die Konkurrenz um eine Positionierung als weltweite Plattform hart ist, die Vorteile Luxemburgs von kultureller Offenheit über die juristische Sicherheit bis (...) zu einem vielfältigen Finanzplatz Luxemburg mit Clearstream zu einer exzellenten strategischen Wahl machen.“


Die Studie ist online abrufbar unter tinyurl.com/moar6sp