LUXEMBURG
MARCO MENG

Studie der Uni Luxemburg belegt, wie Verkaufsdruck zu negativen Auswirkungen führt

Pensionsfonds auf der ganzen Welt verlieren allmonatlich viel Geld, wie eine Forschungsarbeit der „Luxembourg School of Finance“ der Universität Luxemburg herausfand, die das Phänomen zwischen 1980 und 2013 auf 26 Aktienmärkten untersuchte. Kalle Rinne (Luxembourg School of Finance), Erkko Etula (Goldman Sachs & Co.), Matti Suominen (Aalto-Universität) und Lauri Vaittinen (Rentenversicherungsgesellschaft Etera) veröffentlichten im März ihre ersten Untersuchungsergebnisse unter „Dash for Cash: Month-End Liquidity Needs and the Predictability of Stock Returns“; daraus geht hervor, dass Pensionsfonds, um die Rentenzahlungen zu leisten, stets in den letzten Tagen eines Monats Werte verkaufen - üblicherweise zu schlechten Bedingungen, weil die Masse an Verkäufen die Kurse sinken lässt. Auch wenn es vielleicht nur geringe prozentuale Veränderungen sind, am Ende geht es doch um eine bedeutende Summe: Die OECD schätzt die Rentenersparnisse auf 25 Billionen US-Dollar. Noch ist die Untersuchung nicht abgeschlossen, Rinne rechnet aber mit der Vorlage des Abschlussberichts noch diesen Monat, wie er dem „Journal“ erklärt.

Was ist das Ergebnis Ihrer Untersuchungen?

Kalle Rinne Wir untersuchten eingehend den Börsenmarkt in den USA, wo etwa die Hälfte der Anlagen von Pensionsfonds gehalten werden. In den anderen Industrienationen von Europa bis Japan ist es ähnlich. Da Zinsen und Dividenden, die ein Rentenfonds bekommt, nicht reichen, die monatlichen Auszahlungen an seine Anleger zu leisten, werden Papiere gegen Ende des Monats verkauft und zu Beginn des folgenden Monats reinvestiert. Ganz deutlich ist deswegen ein hoher Sprung an Verkäufen Ende des Monats zu sehen, was eben daher rührt, dass institutionelle Fonds gezwungen sind, einen Teil ihrer Investments zu verkaufen. Hauptsächlich sind das Pensionsfonds, aber auch andere institutionelle Anleger verkaufen Ende des Monats, weil sie dann bestimmte Auszahlungen leisten müssen.

Das bedeutet, Ende des Monats herrscht ein Verkaufsdruck, und Anfang des Monats jeweils ein Kaufdruck?

Rinne Ja, so ist es. Lassen Sie mich das am Beispiel eines Pensionsfonds erklären. Ein solcher Fonds muss üblicherweise am Ende des Monats Pensionen auszahlen. In den letzten Handelstagen jeden Monats verkaufen Sie darum Papiere, in die sie investierten, weswegen drei Tage vor Handelsschluss die Verkäufe ansteigen, was wiederum die Preise drückt. Am Beginn jedes Monats wiederum legen viele Investoren, seien es Pensionäre oder andere, signifikant Geld am Markt an, was die Kurse ansteigen lässt.

Hat das einen negativen Einfluss auf die Börse?

Rinne Durchaus. Vor Monatsende verlieren die Anlagen an Wert („negative return“). Die Pensionsfonds verlieren dadurch viel Geld, weil sie gezwungen sind, jeweils Ende des Monats, zu einer Zeit, wo es für sie „teuer“ist, zu verkaufen, Anlagen abstoßen müssen und wieder einsteigen, wenn die Preise steigen. Diese Schwankungen führen dazu, dass die Fonds einen Teil ihrer an der Börse gemachten Gewinne dadurch verlieren.Welche Abhilfe schlagen Sie vor?

Rinne Da gibt es ein paar Wege, in denen Pensionsfonds diese negative Auswirkung vermeiden könnten. Einer wäre, sie änderten ihr Auszahlungsdatum, so dass nicht jeder Pensionsfonds den gleichen Tag hätte, an dem er auszahlt. Eine weitere Möglichkeit wäre, wenn Pensionsfonds kurzfristig Geld leihen, um Pensionen auszuzahlen, ohne Investments verkaufen zu müssen. Einige Fonds verfahren wegen der extrem niedrigen Zinsen bereits so. Bei gestiegenem Zinsniveau kann es natürlich sein, dass es dann günstiger ist, Anlagen zu verkaufen als kurzfristige Kredite aufzunehmen. Eine andere Maßnahme wäre, vertragliche Modalitäten entsprechend zu ändern, um zu vermeiden, regelmäßig in diese negative Verkaufs-/Kaufs-Situation zu kommen.

Gibt es Reaktionen auf Ihre Untersuchung?

Rinne Das Interesse ist groß, das sehen wir zum Beispiel auf Konferenzen oder auch an der Zahl der Downloads der Studie. Das Untersuchungsergebnis legt nahe, dass man einige Dinge zumindest besser machen könnte und die Pensionsfonds oder auch andere institutionelle Anleger einiges Geld sparen können.

Die Studie ist abrufbar unter

tinyurl.com/o68bcgk