CLAUDE KARGER

Manche werden eine Träne des Wehmuts vergießen, bricht nun die Zeit des früh Aufstehens und spät Büffelns doch wieder an, andere freuen sich redlich, dass es wieder losgeht nach zwei Monaten Sommerpause: Heute ist wieder „Rentrée“ überall im Land.

Nicht nur für 49.151 Grundschüler und über 55.000 Sekundarschüler heißt es nun wieder die Schulbank drücken - in wenigen Tagen werden auch die Bänke an den Unis und Hochschulen wieder voll besetzt sein. Hinzurechnen muss man auch die 15.000 im Nationalen Spracheninstitut und die 23.000 in einem der Kurse der „Formation pour Adultes“ eingeschriebenen Erwachsenen, sowie die Zehntausenden, die sich im Rahmen des „Lifelong Learning“ um eine Verbesserung ihrer Kompetenzen bemühen. Zurück in den Unterricht geht es auch für die etwa 10.000 Lehrkräfte in Grund- und Sekundarschulen sowie Tausende Kurs- und Seminarleiter in der „formation continue“. Verstärkter Einsatz wird freilich auch wieder von den Eltern gefordert, die mitunter schon seit Wochen mit ihren Kindern auf der Suche nach den richtigen Büchern, den richtigen Schreibutensilien und dem richtigen Outfit für den Schulstart sind. Für sie heißt es nun auch oft vor und nach den Schulstunden verstärkt Einsatz zu zeigen:

Die jungen Leute zur Schule bringen, wieder abholen, mit ihnen lernen, sie zum Sport- oder Musikkurs bringen usw. usf. Letztere können übrigens oft nur über die Bühne gehen, weil es genügend Freiwillige gibt, die sie organisieren und leiten. Auch für sie, die viel Zeit und Herzblut für die Kinder investieren, ist nun „Rentrée“. Es beginnt für viele Schüler auch eine hochemotionale Phase. Manche werden sich in einer völlig neuen Situation ziemlich alleine wiederfinden, mit Lehrpersonal, das sie nicht kennen. Alle müssen diszipliniert sein, eine Menge vorgeschriebener Dinge am Tag erledigen, Dauernd werden sie getestet. Dabei wird es auch Niederlagen geben und Enttäuschungen für deren Verarbeitung sie Hilfe brauchen werden. Geduldig zuhören, das Gespräch suchen, auf die Kinder eingehen, rät das „Kanner Jugend Telefon“ in einer Pressemitteilung zur „Rentrée“ in solchen Situationen. Klingt elementar, ist aber in unserer schnelllebigen und reizüberfluteten Zeit alles andere als selbstverständlich.

Gar nicht selbstverständlich ist es, mit den Anforderungen dieser Zeit Schritt zu halten, die maßgeblich von der digitalen Revolution geprägt ist. Wie wird die Welt wohl aussehen, wenn die Kinder, die heute ihren ersten Tag in der Grundschule beginnen, in 15 Jahren auf den Arbeitsmarkt drängen? Klar ist, dass sie nicht nur mit den neuesten digitalen Anwendungen werden zurecht kommen müssen, sondern dass sie auch Gefahren und Potenziale dieser Welt verstehen müssen. Diese Regierung hat wichtige Reformen durchgeführt, um sie besser auf diese Herausforderungen vorzubereiten, besser auf ihre unterschiedlichen Talente einzugehen und ihnen somit auch bessere Zukunftschancen zu sichern. Nun ist gewusst, dass Reformen im Bildungsbereich nicht von heute auf morgen greifen. Die Weichen sind aber richtig gestellt, damit man auf der permanenten Baustelle Bildung, auf der es auch immer Unkenrufe geben wird, ordentlich vorankommt. Kein Grund also, nicht zuversichtlich zu sein. In diesem Sinne: Allen Vorgenannten und besonders den Schülern eine gute „Rentrée“ und ein erfolgreiches Jahr.