LUXEMBURG
CHRISTIAN BLOCK MIT DPA

53 Millionen Euro für humanitäre Hilfe: In welchen Krisengebieten Luxemburg hilft

Ohne sie geht es nicht: Der 19. August steht im Zeichen aller, die sich nach Naturkatastrophen oder inmitten von Konflikten vor Ort begeben, um zu helfen. Zum Anlass des UNO-Welttags der humanitären Hilfe (19. August) hat die Ministerin für Entwicklungszusammenarbeit, Paulette Lenert, gestern einen Überblick über die luxemburgische humanitäre Hilfe gegeben. Humanitäre Krisen seien „leider ein Phänomen, das nicht kleiner wird“, sagte die LSAP-Ministerin. Seit zehn Jahren sei zu beobachten, wie die Komplexität von Krisensituationen zunehme, wenn etwa Flüchtlingscamps mit bis zu einer Million Menschen gemanagt werden müssen, oft über Jahre.

Mancherorts setzen die Helfer mit ihrem Einsatz ihr Leben aufs Spiel. In Syrien sind laut einer Analyse der Hilfsorganisation Care seit Jahresbeginn 18 Männer und Frauen bei ihrer Arbeit getötet worden. Weltweit seien seit Januar 57 Menschen bei Hilfseinsätzen ums Leben gekommen; darunter sieben in Afghanistan, jeweils fünf in der Demokratischen Republik Kongo, im Jemen und in der Zentralafrikanischen Republik und drei in Nigeria.

Vor allem in Afrika

Von Luxemburg aus flossen 2018 53 Millionen Euro, das ist weniger als ein Sechstel (13,21 Prozent) der gesamten Entwicklungshilfe des Landes, in humanitäre Hilfsprojekte, davon drei Viertel für Notsituationen, 20 Prozent für Aufbauprojekte und weitere fünf Prozent in Präventionsprojekte. 2018 sei dominiert gewesen von den humanitären Krisen in Syrien und Jemen, aber auch im Sahel und in der Region um den Tschadsee. 28 Prozent des humanitären Hilfsbeitrags „geht nach Afrika“. In den Krisengebieten selbst wird beispielsweise eine Priorität auf die Betreuung von Menschen mit einem Handicap oder Traumata gelegt. Ein Großteil des luxemburgischen Beitrags geht laut Angaben der Ministerin an die UN-Agenturen, die das Geld dann flexibel einsetzen können. Hauptpartner sind demnach das Welternährungsprogramm, das UN-Flüchtlingshilfswerk oder das Internationale Rote Kreuz. Humanitäre Arbeit wird indes auch über Nichtregierungsprojekte geleistet. In diesem Jahr werden 13 Projekte von NGOs von Luxemburg finanziert, davon zehn luxemburgische wie die Caritas oder Care. Es handelt sich etwa um Projekte zur Betreuung von Menschen mit einer Behinderung in Flüchtlingscamps im Niger, in Jordanien, Syrien und in der Demokratischen Republik Kongo.

Ein drittes Instrument der humanitären Hilfe ist das Emergency.lu-Projekt. Seit 2012 kommen die satellitenbasierten mobilen Kommunikationskits in aller Welt zum Einsatz. Im „Emergency Telecommunications Cluster“ spiele Luxemburg eine wichtige Rolle, so Lenert. „Emergency.lu“ wurde beispielsweise im April nach dem Zyklon Idai in Mosambik aktiviert.

Die LSAP-Ministerin stellte gestern ebenfalls eine Überarbeitung der Strategie ihres Ministeriums in Aussicht. „Wir sind dabei, unsere Strategie zu überarbeiten“. Ziel sei es „effizienter zu werden“ und die humanitäre Hilfe gezielter einsetzen zu können. Voraussichtlich bis Sommer 2020 ist mit der Fertigstellung der neuen Strategie zu rechnen.

SCHWERPUNKTTHEMA

#WomenHumanitarians

Der diesjährige Welttag der humanitären Hilfe steht im Zeichen der Frauen, die weltweit in Konflikt- und Krisengebieten unterwegs sind. „Am Welttag der humanitären Hilfe 2019 ehren wir die Arbeit von Frauen in Krisengebieten quer durch die Welt“, teilen die Vereinten Nationen mit. Durch ihren Einsatz begeben sich die Helferinnen oft selbst in Gefahr, bemerkte Ministerin Paulette Lenert gestern. „Frauen werden verstärkt Opfer von Gewalt“, sagte sie mit Blick auf die vergangenen Jahre.
Das Internationale Komitee des Roten Kreuzes (IKRK) nutzte den gestrigen Anlass dazu, um einen besseren Schutz von Frauen in Konfliktgebieten einzufordern. „Im Jemen zum Beispiel sind nahezu 83 Prozent der Vertriebenen laut Schätzungen der UNO Frauen und Kinder“, schreibt das IKRK. Mehr als eine Million schwangere Frauen seien, weil es an Nahrung fehlt, unterernährt, heißt es in einer Mitteilung. Die Helferinnen und Helfer verdienten indes die Anerkennung und den Schutz, den ihnen das internationale humanitäre Recht zugesteht. Die Internationale Organisation für Migration (IOM) hat zum Anlass des Welttages eine Serie von Porträts zusammengestellt unter: tinyurl.com/iomportraits