ANNETTE DUSCHINGER

Es war ein kluger Schachzug der „Forum“- Redaktion, so schnell drei Generationen von Jung-Christ-Sozialen zur Diskussionsrunde über die „Chancen für einen Neubeginn“ der in die Opposition verbannten CSV zu bitten. Die offenen und ehrlichen Aussagen hätten bereits Teil dieses Neubeginns sein können, wäre da nicht die für die alte Garde typische und gerade angeprangerte Art gewesen, wie CSV-Parteipräsident Michel Wolter darauf reagierte. Kritik äußert man gefälligst intern hinter verschlossenen Türen. Und aus der Bemerkung, man sei gerade dabei, in die Oppositionsrolle gedrückt zu werden, spricht unvermindert die Beleidigung und die Opferrolle, in der man sich auch dreieinhalb Wochen nach dem Wahlausgang noch sieht.

Bislang merkt man noch nichts von einer selbstkritischen Auseinandersetzung mit der Frage, warum die anderen Parteien einen Neuanfang für nötig befanden und warum nach den Wahlen niemand mit der CSV überhaupt reden wollte. Eine Übung, die die Jungen offensichtlich gemacht haben. In dem Bewusstsein, die richtigen Schlussfolgerungen ziehen zu müssen, wolle man irgendwann wieder den Anschluss an die anderen Parteien erlangen, die den Generationenwechsel mit einen zeitgemäßen Politikstil vollzogen haben. Das allein und auch die Juncker-Schelte, seine Koalitionspartner als unmündige Anhängsel regelmäßig verschlissen zu haben, greift aber zu kurz. Die wahrhaft erschreckenden, den Rechtsstaat aushebelnden Ereignisse, die man als die freiheitlich-demokratische Grundordnung respektierende Partei schlicht nicht tolerieren kann, wurden leider nur angerissen: So der von Pierre Lorang als „Ungeheurlichkeit“ bezeichnete Vorgang, dass der SREL dem Generalstaatsanwalt Pädophilie unterjubeln wollte.

Die Popularität Junckers, seine Verehrung beim Wahlvolk sitzt so tief, dass seine destruktive Art, Personen, Verfassung und Institutionen - von Parlament über Justiz und Staatsrat bis zum Großherzog - gnadenlos zu beschädigen, wenn es dem eigenen Erfolg nutzt, nicht als solche wahrgenommen wird und entsprechend schwer zu vermitteln ist. Sind Blau-Rot-Grün außer der Bemerkung, ein Neuanfang sei mit der CSV, implizit mit einem Premier Juncker nicht zu machen, eine Erklärung für die zügige Koalitionsbildung bislang schuldig geblieben, so erhielt man gestern eine Antwort. Denn nicht ohne Grund hat Alterspräsidentin Anne Brasseur gestern in ihrer kurzen Rede im Parlament daran appelliert, in der kommenden Legislatur die Werte Respekt, Verantwortung und Vertrauen wieder zu stärken.

Die CSV kann zweifelsohne auch Opposition. Die Frage ist, ob sie sie konstruktiv ausrichtet zum Wohle des Landes, ob sie selber die Alternativen zur Regierungspolitik vorlegen wird, die sie stets von den Oppositionsparteien verlangte. Die CSV und mit ihr das „Wort“ haben nun die Wahl: entweder man spielt destruktiv weiter, verdreht Aussagen und versucht, durch gezielte Hetze die Koalition auseinanderzutreiben oder man arbeitet mit an einer politischen Kultur, die diesem Land zu einer neuen Stimmung und Zuversicht verhelfen kann.