NEUNKIRCHEN
CHRISTIAN SPIELMANN

Vier Sterne für die Amateurproduktion von „The Producers“ in Neunkirchen

Mel Brooks ersten Film „The Producers“ wollte 1968 niemand sehen, weil er die Geschichte von einem Musical über Adolf Hitler erzählte. Nach Brooks Erfolg „Young Frankenstein“ (1974) wurde sein Erstlingsfilm wiederaufgeführt und erreichte Kultstatus. Brooks selbst schrieb das Drehbuch zusammen mit Thomas Meehan in ein Musical um, das 2001 am Broadway uraufgeführt wurde und zwölf Tony Awards erhielt, ein Rekord. Brooks komponierte zusätzlich alle Songs.

Im Saarland gibt es seit 15 Jahren das Musicalprojekt Neunkirchen. Nach eigenen Produktionen wie „Stumm“, „Merlin. Wir können auch anders“, „Steam“, „Big Bang Boom“ oder „Falco Meets Mercury“ entschied man sich „The Producers“ in die Gebläsehalle in Neunkirchen zu holen. Der gebürtige Neunkirchner Musicalsänger Matthias Stockinger führt Regie.

Es muss unbedingt ein Flop her

Max Bialystock (Markus Müller) produziert ausschließlich Flops. Als Buchhalter Leo Bloom (Nicolas Schneider) auftaucht, um die Bücher zu kontrollieren, bemerkt dieser, dass man mit einem Reinfall am Broadway noch Geld verdienen kann. Max überlegt, anstatt 100.000 Dollar zu sammeln, zwei Millionen von seinen Geldgeberinnen, nur alte Damen, einzusäckeln. Er bietet Leo eine Partnerschaft an.

Jetzt müssen nur noch das schlechteste Musical aller Zeiten gefunden, der miserabelste Regisseur und die allerletzten Schauspieler engagiert werden. Das Buch „Frühling für Hitler“ von dem Taubenzüchter Franz Liebkind (Frank Müller) hat dieses Potenzial, wie auch der schwule Regisseur Roger De Bris (Philipp Schwindling) und sein Assistent Carmen Ghia (Rainer Dochow-Meister). Eine hübsche blonde Schwedin, Ulla (Rebecca Bruckmann), wird nicht nur für eine Rolle gecastet, sondern auch als Sekretärin engagiert, und der scheue Leo verknallt sich in die tolle Frau. Am Premierenabend bricht sich Liebkind, der Hitler spielen soll, das Bein und Roger muss für ihn einspringen. Dann passiert das Unerwartete: Die Show wird ein Hit!

Mit Herz und Seele

Dass die allermeisten im Musicalprojekt engagierten Leute in all den Jahren viel gelernt haben, ist nicht von der Hand zu weisen. Sicher ist auch, dass Regisseur Stockinger genau weiß, was er will und genug Fingerspitzengefühl hat, das Beste aus allen Mitgliedern seiner Truppe herauszuholen.

Und das merkt man in jedem Augenblick dieses Musicals. In Perfektion singen und spielen alle und tanzen mit Elan zu den Choreografien von Ellen Kärcher. Hervorragend meistern Markus und Frank Müller, Schneider, Bruckmann und Schwindling ihre Rollen. Das Orchester unter der Leitung von Francesco Cottone spielt ebenfalls ohne eine falsche Note.

Eine Menge Gags, welche die Lachmuskeln strapazieren, und herrliche Melodien bereichern die Show. Das Lied „Frühling für Hitler“ ist das Glanzlicht der Show, „Ich wär so gern ein Producer“, erinnert durch die pompöse Tanzeinlage an die Glanzzeit vom Broadway und zu „Aber dann kam Bialy“ legen die älteren Ladies ein Gehhilfen-Ballett aufs Parkett. Ja, und dann bleibt noch die Figur von Hitler, die einen leichten schwulen Touch durch die Interpretation von De Bris erhält. Mel Brooks zeigt via Parodie eine andere Seite, bleibt aber kritisch, ohne zu verharmlosen.

„The Producers“ in Neunkirchen ist somit eine meisterhafte Amateurproduktion, die erste vier-Sterne-Produktion auf diesem Niveau, die der „Journal“-Kritiker je gesehen hat.

Premiere ist heute Abend um 20.00. Nächste Vorstellung am 12., 15., 16., 18., 19. August jeweils um 20.00 und am 13. und 20. um 18.00. Weitere Informationen und Tickets unter www.musicalprojekt-neunkirchen.de