LUXEMBURG
DANIEL OLY

98 Neuinfektionen mit dem HI-Virus

Im vergangenen Jahr gab es 98 Fälle einer Neuinfektion mit dem AIDS-Virus HIV. In 73 Fällen sind die Neuinfizierten Männer, 25 sind Frauen. Zu dem nüchternen Ergebnis kam das Gesundheitsministerium am gestrigen Mittwoch bei der Vorstellung des Aktivitätsberichtes des „Comité de Surveillance du SIDA“, dem Aktionskomitee im Einsatz gegen das Immunschwächesyndrom.

Drogeninfektionen nehmen zu

Neue Infizierungen gehen demnach am häufigsten auf schlecht geschützten Geschlechtsverkehr zurück - in 71 Fällen war das der Infektionsgrund (in 39 Fällen waren es heterosexuelle Sexualpartner). Besonders bedenklich sei jedoch, dass die Zahl der Neuinfektionen bei Drogen-Konsumenten mit 21 wieder stark angestiegen ist. „Das ist beunruhigend, besonders weil wir bis vor kurzer Zeit die Zahlen auf eine oder zwei Neuinfektionen pro Jahr reduziert hatten“, bedauerte Gesundheitsministerin Lydia Mutsch gestern bei der Vorstellung der Zahlen. „Zudem haben wir hier eine auch im internationalen Vergleich eigentlich sehr gute Infrastruktur und die nötige Sensibilisierung“, erklärt sie. „Das Thema ist hier längst kein Tabu mehr; und unsere Versorgung für entsprechende Drogenabhängige mit sauberen Nadeln ist auch eigentlich auf einem Top-Niveau.“ Entsprechend schockierend und bedauerlich sei es, dass die Zahlen im vergangenen Jahr nicht nur gestiegen sind, sondern auch noch einen neuen, traurigen Rekord darstellen.

„Wir müssen uns deshalb einen Teil unserer Strategie neu überlegen“, erklärt die Ministerin. Die Situation habe sich durch die breitere Verfügbarkeit von Kokain verändert - dieses müsse öfter gespritzt werden als Heroin, was so auch ein gestiegenes Risiko mit sich bringe. „Ein weiteres großes Problem ist das Herausfallen aus allen sozialen Systemen, das für Drogenabhängige schnell der Fall ist. Sie können sich dann auch nicht entsprechend schützen und fallen durch das Raster“, bedauert sie.

Die Verantwortlichen brachten daraufhin eine universelle, bedingungslose Krankenversorgung und -pflege als mögliche Lösung ins Spiel. Eine weitere Option, die in Zukunft zum Einsatz kommen soll: Die Möglichkeit zur „Präexpositionsprophylaxe“ (PrEP), einer Präventionsmaßnahme durch Medikamenteneinnahme. „Das soll die bisherigen Maßnahmen aber nicht ersetzen, sondern ergänzen“, erklärt Mutsch.

Zudem sei zu beobachten, dass der Virus zunehmend banalisiert werde - „das Risikoverhalten nimmt ab“, meint Dr. Vic Arendt, Präsident des Komitees. Hier sei es wichtig, die bislang geleistete Arbeit nicht durch Untätigkeit zu zerstören.

Ebenfalls bedenklich: Rund 87 Prozent der geschätzten etwa 1.065 mit dem Virus infizierten Menschen in Luxemburg wissen um ihre Infektion - weitere 13 Prozent hingegen sind sich dessen nicht einmal bewusst. „Da hilft nur eines: Lassen Sie sich testen und treffen Sie alle möglichen Vorkehrungen, wenn Sie sich nicht sicher sind“, meint die Gesundheitsministerin.

Entsprechend werde es auch essentiell bleiben, auch in Zukunft auf die nötige Sensibilisierung zu setzen. Trotzdem lobte die Ministerin die Arbeit aller verantwortlichen Abteilungen und Organisationen im Kampf gegen das Virus.