LUXEMBURG
JEFF KARIER

„Player One“ ist der Himmel auf Erden für Fans alter Videospiele

Gemeinsam mit Freunden vor dem Fernseher auf dem Boden sitzend Videospiele spielen: Das ist für Eric Rosenfeld die Essenz der Faszination Videospiele. Die Liebe, die er als Kind für Nintendo, Sega und Co. entwickelt hat, hält bis heute an und hat nun eine neue Dimension erreicht. Denn seit einigen Wochen betreibt der 33-Jährige seinen eigenen Videospieleladen auf dem Boulevard d’Avranches.

„Player One“, so der Name des Ladens, konzentriert sich dabei im Besonderen auf Retrospiele, angefangen beim Nintendo Entertainment System (NES), über Sega Mega Drive bis hin zur ersten PlayStation und Xbox. Im Geschäft findet man aber auch Titel der aktuellen Konsolengeneration als Neuware und gebraucht.

Großes Update

Rosenfeld verbindet dabei mehr mit dem Laden als nur die Liebe zu den Spielen. Denn bereits als Kind war Rosenfeld regelmäßiger Kunde in dem Geschäft, das damals noch „Electro Viaduc“ hieß. „Es war für mich immer die Adresse in Luxemburg, um seltene oder eher spezielle Spiele zu finden, die es in den großen Läden nicht gab“, erklärt Rosenfeld. Außerdem sei der Umgang mit den Kunden immer sehr menschlich gewesen, was ihm sehr gefiel. „Mir bedeutet der Laden sehr viel.“ Das ist auch der Grund, weshalb er nicht lange zögerte, als der Vorbesitzer Giovanni Ladener verkaufen wollte. Rosenfeld und ein Freund entschieden sich, den Laden zu übernehmen. Jedoch musste der Freund abspringen, sodass Rosenfeld jetzt der alleinige Inhaber ist und auch jeden Tag selber im Geschäft steht. „Es ist mein Baby“, erklärt er mit etwas Stolz in der Stimme.

Als alle Papier eingereicht und der bürokratische Teil endlich über die Bühne war, kniete sich Rosenfeld in die Arbeit und renovierte das Geschäft in Eigenregie. „Mir haben Muskeln im Rücken wehgetan, von denen ich gar nicht wusste, dass ich sie habe“, scherzt der leidenschaftliche Gamer. Nun sieht der Laden offen und freundlich aus, und die Spiele sowie alles andere sind übersichtlich und nach Konsolen aufgeteilt. „Der Laden brauchte einfach ein Update, ein großes Update sogar“, meint er. Folgen werden aber noch neue Logos, die von Kim „The Butcher“ Schreiner, einem renommierten Grafiker und Designer, entworfen werden.

Viel Herzblut

„Bei allem gebe ich 110 Prozent und das ist beim Laden nicht anders“, resümiert Rosenfeld und zieht hierbei Parallelen zur Musik. Denn Rosenfeld ist Frontman der luxemburgischen Punkband „Versus You“. „In beidem steckt ein Teil meiner Seele.“ Doch dabei hören die Gemeinsamkeiten für Rosenfeld nicht auf. „Mit meiner Musik habe ich Menschen zusammengebracht und auch mit dem Geschäft tue ich das, nur auf eine etwas andere Art und Weise“. Denn die Liebe zu Videospielen und Retrospielen im Besonderen zieht Jung und Alt in das kleine Geschäft im Bahnhofsviertel. Die Beziehungen zwischen Menschen, die durch Musik und Spielen entstehen, das sei es, was ihn antreibe und inspiriere. Deshalb sei „Player One“ auch ein Laden von Freunden.

Für ihn sei es sehr wichtig gewesen durch „Player One“ unabhängig zu werden und sein eigener Chef zu sein. Zuvor arbeitet er bei der „Cavem - Music School“. Zu seiner eigenen Überraschung findet er sich aber in seiner neuen Rolle als Inhaber gut zurecht. Zwar sei alles noch neu: „Aber ich scheine recht gut im Organisieren zu sein, was ich nie gedacht hätte.“

Schätze der Vergangenheit

Viele Videospielfans verbinden mit einzelnen Spielen ganz besondere Erinnerungen und Emotionen. Das ist ein Grund, warum Retrospiele gefragt sind. Sie wollen ein Stück Kindheit wiedererleben und kommen ins „Player One“. „Alle Gebrauchtspiele, die ich im Laden anbiete, habe ich getestet, um sicherzustellen, dass sie auch noch funktionieren“, betont Rosenfeld. Besonders begehrt sind Spiele, bei denen die Verpackung und die Beipackzettel noch vorhanden sind. „Leider wurden besonders bei den Spielen für die frühen Nintendokonsolen die Verpackungen oft weggeschmissen.“ Der Grund sei einfach. Diese Verpackungen waren aus Pappe. „Die Verpackungen für die Sega-Spiele hingegen sind aus Plastik und sehen aus wie VHS-Hüllen“, meint Rosenfeld. Von diesen Spielen sind die Verpackungen in den meisten Fällen noch vorhanden, wie auch bei den Spielen der neueren Konsolen.

Etwas, das Rosenfeld beim Geschäft mit Retrospielen jedoch stört, sind die aufgeblähten Preise einzelner Konsolen und Spiele. „Ein Sega Mega Drive ist keine 300 Euro wert. Bei mir kostet er 50 Euro, mit allem Drum und Dran.“ Durch die zum Teil hohen Preise, die unter anderem auf eBay zu finden sind, hätten seine Kunden falsche Vorstellungen. Es gebe zwar auch Ausnahmen, aber am Ende sei es trotz des Sammlerwerts und der Nostalgie immer noch nur ein Stück Plastik.

Wer heute alte Videospiele spielen will, dem rät Rosenfeld dazu, dies nicht unbedingt auf einem modernen Fernseher zu tun. „Alles bis Nintendo 64 und PlayStation 1 sollte man auf alten Röhrenfernseher spielen.“ Das sehe einfach besser auf, da die Grafik damals noch sehr grobpixelig war und auf einem Flatscreen nicht gut aussieht.

Wenn Rosenfeld selber wieder zum Controller etwa des NES greift und das Steckmodul in die Konsole einlegt, bereitet ihm das riesige Freude. „Ich setzte mich dann genauso wie früher als Kind mit meinem Hintern auf den Boden vor den Fernseher, und zwar viel zu nahe.“