PATRICK WELTER

Vorgestern Abend gab der Innenminister seinen Neujahrsempfang für die Rettungskräfte im Großherzogtum, willkommen waren alle. Vom kleinsten Dorf-Korps bis zur Berufsfeuerwehr der Hauptstadt, vom First-Responder bis zum Notarzt. Alle verbindet der Wille bei Verletzung, Unfall, Brand oder Katastrophe zu helfen. Menschen und Tieren helfen zu wollen gehört zu den höchsten menschlichen Tugenden...

Und womit beginnt der Innenminister seine Neujahrsansprache? Vielmehr, muss er seine Rede beginnen? Mit der Warnung vor Angriffen auf und Aggression gegen Rettungskräfte. Damit sind keine Streiche dummer Jungen gemeint, die einen Krankenwagen per falschem Alarm in die Pampa schicken, sondern grobe verbale oder tätliche Attacken auf Helfer, die gerade dabei sind ein Leben oder ein Haus zu retten. Gemeint ist nicht der verletzte Besoffene, der sich gegen seine Behandlung wehrt, sondern der Pöbel (!) der am Rande steht und sich nicht mit Gaffen zufrieden gibt, sondern Sanitäter und Feuerwehrleute anpöbelt oder gar zuschlägt.

Da schlagen keine gesellschaftlichen Außenseiter zu, sondern Normalos denen offenbar jede Empathie abhanden gekommen ist. Vor wenigen Wochen versuchte in einer deutschen Großstadt die Mannschaft eines Notarztwagen das Leben eines Jungen mit Atemstillstand zu retten, draußen tobte und prügelte ein erboster Anwohner auf Sanitäter ein weil der Notarztwagen seine Einfahrt blockiert und er nicht zur Arbeit kam… Mitleid? Einfühlungsvermögen? Denkste.

Solche Fälle erscheinen fast schlimmer als die asozialen Randalierer, die in der Silvesternacht in Berlin im Suff Rettungskräfte mit Raketen beschossen haben.

Zwar sprach Innenminister Kersch davon, dass derartiges hierzulande noch nicht geschehen sei. Allein die vorrangige Erwähnung dieser Art von Gewaltexzess, lässt darauf schließen, dass es auch hier Vorfälle gab, die aber nicht an die Öffentlichkeit gelangt sind. Dafür spricht auch das Plädoyer des Ministers für schärfere Gesetze und härtere Strafen.

Fast schon alltäglich, auch medial, ist hierzulande das Phänomen der Gewaltausbrüche gegenüber Eisenbahnern, Busfahrern und vor allem Polizisten bekannt. Zwei Idioten prügeln sich vor einer Kneipe unter dem Gejohle der Umstehenden blutig. Ein einsichtiger Mensch holt die Polizei und was passiert dann? Der Mob geht auf die Beamten los, weil die Polizei das schön blutige Spektakel beenden will oder den Kumpel festnehmen will. Respekt vor der Staatsmacht? Respekt vor dem Gesetz? Respekt vor dem Menschen in Uniform? Respekt ist ein völlig unbekanntes Wort geworden.

Respekt vor der zermalmten Leiche, die da neben dem Lkw liegt? Von wegen, das gibt doch ein geiles Video fürs Internet! Bildet sich schon mal eine Rettungsgasse, dann heißt es freie Bahn nicht für die Feuerwehr sondern für den, für den oben immer da ist, wo er gerade ist. Respekt vor den Regeln ist was für Loser.

Empathie heißt nicht zuhause süße Katzenvideos glotzen oder zu heulen, wenn ein dämlicher Fußballverein verloren hat. Empathie heißt Gefühl, Respekt und Mitmenschlichkeit zeigen - jederzeit!