LUXEMBURG
MARCO MENG

Paul Wagner & Fils löst sich von Mutterkonzern Imtech - 280 Arbeitsplätze gesichert

Die Insolvenz des Gebäudeausrüsters Imtech sorgt auf vielen Baustellen für Unruhe. Die Arbeiten in Luxemburg würden aber ungehindert weitergehen, erklärte das Tochterunternehmen Paul Wagner et Fils. Vor einem Monat, Mitte August, hatte die Imtech-Tochter bekannt gegeben, nicht von der Insolvenz des Mutterkonzerns betroffen zu sein. Der Gläubigerschutz beschränkte sich allein auf die niederländische Muttergesellschaft, während Paul Wagner et Fils eine eigenständige juristische Einheit nach luxemburgischem Recht. Doch hinter den Kulissen suchte man nach Möglichkeiten, sich von Imtech zu trennen - sicher ist sicher. Seit Freitag hat die luxemburgische Tochter Paul Wagner et Fils nun einen neuen Eigentümer.

Zukunft gesichert

Die Zukunft des Unternehmens samt seiner Filialen sowie den insgesamt rund 280 Mitarbeitern sei damit gesichert, wie der Gebäudeausrüster gestern bekannt gab. Der neue Eigentümer des technischen Dienstleisters heißt Rucio Sarl, ein auf internationale Firmenbeteiligungen spezialisierte Unternehmen Rucio ermögliche es dem luxemburgischen Traditionsunternehmen, in eine neue Zukunft zu starten - und das mit einer gesunden Bilanz und ohne Bankkredite.

Paul Wagner et Fils Geschäftsführer Guido Hegerl erklärte: „Paul Wagner et Fils ist ein eigenständiges und gesundes Unternehmen, und war nicht direkt von der Insolvenz der Muttergesellschaft betroffen. Wir haben 2015 ein gutes Halbjahresergebnis erreicht und können einen achtbaren Auftragsbestand vorweisen.“ Mit Rucio als neuen Eigentümer könne das operative Geschäft in Luxemburg sowie das der beiden Tochtergesellschaften Electricité Wagner SA in Ulflingen und Hoffmann SAS in Thionville fortgesetzt werden. Dabei sei es der Firmenleitung auch besonders wichtig gewesen, dass Rucio bei seinen Firmenbeteiligungen stets auf eine langfristig ausgerichtete Unternehmensfortführung und -weiterentwicklung setze. Somit bleiben die rund 280 Arbeitsplätze und der Unternehmensverbund erhalten, betont Hegerl.

Im August hatte ein Gericht in den Niederlanden den Antrag des Konzerns Royal Imtech N.V auf Aussetzung seiner Zahlungsverpflichtungen bewilligt hatte, einen Tag darauf hatte auch Imtech Deutschland Insolvenz angemeldet.

Paul Wagner et Fils, seit 2001 zu Imtech gehörend, wirkte in Luxemburg bei zahlreichen bekannten Projekten mit, von Laccolith oder dem EY-Gebäude in Luxemburg bis zum Euro Net Office Park in Munsbach.

Negativschlagzeilen

Seit 2011 machte der Imtech-Konzern negative Schlagzeilen. Von Korruption bei Auftragsvergaben war die Rede, Manager wurden entlassen, Staatsanwälte nahmen Ermittlungen auf. Doch noch letztes Jahr nahm der Konzern 600 Millionen Euro am Kapitalmarkt auf. Heute ist das Unternehmen an der Börse nur noch einen Bruchteil davon wert.

Während Teile von Royal Imtech N.V. vom Insolvenzverwalter bereits verkauft wurden, sucht der für das bankrotte deutsche Unternehmen nach Angaben der Unternehmenswebseite einen Gesamt-Investor, um eine Zerschlagung des Unternehmens mit seinen rund 4.000 Beschäftigten zu vermeiden. Insgesamt zählte die Unternehmensgruppe Ende 2014 weltweit 22.000 Beschäftigte.

Aus Sicht der Insolvenzverwalter war Imtech durch Missmanagement bis Ende 2012 in die Turbulenzen geraten. Nach Abschluss des Firmenverkaufs will sich das deutsche Unternehmen intensiv „mit den Schatten der Vergangenheit beschäftigen“ und muss prüfen, ob Tatbestände der Insolvenzverschleppung vorliegen, meldete kürzlich die Nachrichtenagentur DPA.