LUXEMBURG
PIERRE WELTER, FREIER JOURNALIST

Missbrauchsprozess: Zehn Jahre Haft für Ex-Lehrer gefordert

Mit dem Plädoyer der Staatsanwaltschaft wurde am Mittwoch der Prozess gegen den 46-jährigen R. vor der Kriminalkammer am Bezirksgericht Luxemburg fortgesetzt. Dem 46-jährigen Ex-Lehrer wird vorgeworfen, in den Jahren 2011 bis 2012 und zwischem dem 31. Oktober 2014 und 3. September 2016 mehrere minderjährige Jungen vergewaltigt zu haben. Er muss sich somit wegen Vergewaltigung, versuchter Vergewaltigung und Nötigung vor der Kriminalkammer verantworten. Am Mittwoch führte der Verteidiger Sébastien Lanoue noch einmal alle Taten seines Mandanten auf. Dabei stellte Me Lanoue fest, dass nicht alle Anklagepunkte so stehen bleiben könnten. Einige Vorhalte seien gegeben, andere nicht.

Es waren die Aussagen des Verteidigers, die auch der Staatsanwalt nicht unwidersprochen stehen lassen wollte. So konnte Staatsanwalt Laurent Seck sein Plädoyer zu den „Verbrechen an den Jugendlichen“ zu Ende bringen, das er am Dienstag angefangen hatte.

Der Vertreter der Staatsanwaltschaft sprach in seinem Plädoyer von „perfidem Ausnutzen“ von Schutzlosigkeit: Der Ex-Lehrer soll mindestens dreizehn minderjährige Jungen vergewaltigt haben - und dafür nun entsprechend bestraft werden. So hat die Staatsanwaltschaft am Mittwoch eine Haftstrafe von zehn Jahren beantragt. Die Staatsanwaltschaft beantragte auch die Beschlagnahmung des pornografischen Materials.

Der Staatsanwalt warf dem Angeklagten pornografisches Verhalten an Kindern vor und sprach von „Anstiftung zur Prostitution.“ Der Angeklagte hatte im Prozess Geständnisse abgelegt. Den 13 Jungen aus Luxemburg hatte er Geld für Sex angeboten. Er ging dabei fast immer nach dem gleichen Modus operandi vor: Zunächst lockte er seine Opfer über „Planetromeo Gay Dating Site.“ Dort bot er den Jugendlichen Geld für Sex an. Es wurden Verabredungen getroffen.

Danach soll er die Opfer, die zum Teil unter 16 Jahre alt waren, sexuell missbraucht haben. Im Jahr 2013 lernte J. den Lehrer über „Planetromeo Gay Dating“ kennen, was dessen Leben ruinierte, sagte der Staatsanwalt. Der Junge nahm sich das Leben. Obschon der Lehrer über SMS benachrichtigt wurde, den Jungen in Ruhe zu lassen, hätte er nicht aufgehört, ihn sexuell zu belästigen.

Der Gerichtspsychiater Dr. Marc Gleis hat bei R. keine psychischen Störungen diagnostiziert. Der Experte erklärte ihn für zurechnungsfähig. R. zeigte sich reumütig, arbeitete mit dem Gericht zusammen. Er betonte mehrfach, dass er die alleinige Verantwortung für seine Taten trage und weder seine Eltern noch die Gesellschaft, die Psychologen oder die Strafverfolgungsbehörden eine Mitschuld treffe.

Das Urteil wird am 15. Januar 2020 gesprochen.