LUXEMBURG
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Nicht nur eine Frage der Bandbreite - Die Vorteile der 5G-Technologie

5 G ist nicht nur eine Evolution, sondern eine Revolution“, sagt Dimitra Simeonidou von der Bristol University. Dort leitet die Spezialistin für Hochgeschwindigkeitsnetzwerke an der Fakultät für Ingenieurswissenschaften das „Smart Internet Lab“. Mit viel Leidenschaft referierte Simeonidou gestern vor rund 200 Teilnehmern bei der „Luxembourg 5G Conference“ im „European Convention Center Luxembourg“ über die Technologie, zu der sie unter anderem die britische Regierung berät, die 2017 entschied, rund eine Milliarde Pfund in die Entwicklung von Netzwerken der 5. Mobilfunkgeneration zu stecken. Die Regierung von Theresa May setzt hier vor allem auf ein Konsortium an Universitäten, der sie ein strenges Timing auferlegt. Bereits Ende März sollen komplette Teststrecken eingerichtet sein.

„Network slicing“

Die Forscherin und ihre Mannschaft haben bereits eine eingerichtet: Mitten im Herzen von Bristol, auf dem „Millenium Square“ fand im vergangenen März die weltweit erste öffentliche Vorführung eines kompletten 5G-Netzwerks statt. Das Event wurde ein großer Erfolg, nicht zuletzt weil die kreative Industrie Bristols voll eingebunden war und digitale Kunstprojekte sowie amüsante Apps für das grosse Publikum entwickelte. „Es geht bei 5G nicht so sehr um Schnelligkeit“, erklärt Dimitra Simeonidou, „sondern um die Möglichkeit, sehr viele Geräte untereinander zu verbinden, ohne dass es Unterbrechungen gibt“.

Natürlich verschnellert 5G die Übertragungsraten ganz erheblich - so könnte ein Downloadtempo von 10 Gigabit pro Sekunde möglich sein, also hundertmal mehr, als in einem heutigen 4G oder LTE-Netzwerk, während die sogenannte Latenzzeit, also die Verzögerung bei der Übertragung, lediglich bei einer Millisekunde liegen könnte. Informationen kommen also quasi in Echtzeit aufs Smartphone. Ein zentraler Vorteil von 5G ist auch das sogenannte „network slicing“: Die Technologie ermöglicht es, Netzwerke in kleinere virtuelle Netzwerke zu unterteilen, denen dann spezifische Aufgaben zugeteilt werden können.

Hier geht es also um weit mehr als nur um Bandbreite: 5G ist der Schlüssel für die Weiterentwicklung der digitalen Welt. Und diesen Schlüssel will sich natürlich jedes Land so schnell wie möglich aneignen, denn wer ihn als erster hat, hat zumindest für eine gewisse Zeit einen Wettbewerbsvorteil und kann bereits über ein 5G-„Ökosystem“ verfügen - dazu gehören nicht nur Infrastrukturen wie Antennen, sondern auch Firmen, welche die Technologie und ihre Anwendungen weiterenwickeln - wenn andere noch mit den ersten Umsetzungsstufen hadern.

„Ich will nicht, dass wir zwischen China und den USA eingeklemmt ist“, sagte Premier- und Kommunikationsminister Xavier Bettel gestern morgen bei der „Luxembourg 5G Conference“, die weniger als Fachkonferenz nach dem Frontalunterrichtsprinzip gedacht war, sondern vielmehr als Austauschplattform zwischen Privatunternehmen und Bürgern und den staatlichen Stellen über Wünsche und vielleicht auch Sorgen bezüglich der 5G-Technologie.

„Wir wollen an der Spitze der 5G-Entwicklung bleiben“, betonte Bettel, der wie bereits in der auslaufenden Legislaturperiode auch in den kommenden fünf Jahren die Digitalisierung als transversales, alle Bürger, Wirtschaftsakteure und Verwaltungen umfassende Dossier weiter treiben will.

Dem Premierminister zufolge, der bereits am 12. September die Eckziele der hiesigen 5G-Strategie vorgestellt hatte, sollen im kommenden Jahr die ersten Lizenzen für 5G-Netzwerke in Luxemburg vergeben werden und die ersten Pilotprojekte konkret anlaufen.