CLAUDE KARGER

Jene(r) mag sicher an Shakespeares Drama Richard III. gedacht haben, die/der das Henry VIII.-Coverbild des „Land“ mit der Zeile versah: „Richard VIII of England - Der König hatte schon 1534 den Brexit aus dem römisch-katholischen Europa vollzogen“. Schließlich passt das Stück über den kriegstreiberischen Intrigen-Meister, der sein Königreich im Endkampf für ein Pferd eintauschen wollte, um dem Tod zu entgehen, schön auf die Tragödie, die sich nun in einem ziemlich ratlosen Europa abspielt. Aber auch in Luxemburg wird mächtig gefochten, als ob schon Wahlschlacht wäre. Am Donnerstag forderte der große LSAP-Häuptling aus dem Norden den CSV-Boss in einem offenen Brief auf zu bekennen, ob die Partei hinter dem „neo-liberalen Vordenker“ Luc F. stehe. Worauf Spautz seinerseits gestern in seinem offenen Brief, in dem er über Krötenschlucken, amtsmüde Arbeitsminister und allerlei Ungemach feixte, tobte: „Die LSAP war einmal eine Partei mit einem feinen sozialen Gespür, heute ist sie Wahlverein für kalt berechnende Politopportunisten“. Ups. Ist da nicht eben eine Scheibe im Glashaus zersprungen? Wie dem auch sei: Montagabend bekommt die CSV ihr neues Zugpferd und das „ausgerechnet im Pfadfinderheim der liberalen FNEL“, wie das „Land“ stichelt. Ein - selbst kleines - Königreich ist damit aber noch lange nicht gewonnen.