LUXEMBURG
CHRISTIAN BLOCK

Das Rollenspiel „Tyranny“ punktet mit Entscheidungsfreudigkeit und Konsequenzen

Dabei waren Saurus´ Absichten doch nur die allerbesten! Damals, als ihn der Oberherr Kyros nach Vendriens Brunnen schickte. Er wollte dort die gegeneinander aufgebrachten Armeen - die Geschmähten und der Scharlachrote Chor - zur Vernunft bringen, damit sie den Aufstand der Stufenvölkler gegen ihre unausweichliche Unterwerfung endlich beenden. Doch - um nicht mehr zu verraten - so einfach sollten es ihm die Sturköpfe an der Spitze der beiden Armeen ja nicht machen.

In der ethischen Grauzone zuhause

In „Tyranny“, dem im November des vergangenen Jahres erschienenen und von Kritikern gepriesenen Rollenspiel vom Entwicklerstudio Obsidian Entertainment (Pillars of Eternity, Neverwinter Nights 2) gibt es viele Entscheidungen zu fällen - die wenigsten davon sind einfach. In dem von Paradox Interactive veröffentlichten Titel eilen wir als Schicksalsbinder - ein ranghoher Richter und Henker in Personalunion - durch die Welt von Terratus und versuchen, für Ordnung zu sorgen. Helfen wir einem Händler, der dem Anschein nach von Leichen geplünderte Waffen und Rüstung verkauft und sich den Ärger von möglichen Verbündeten auf sich gezogen hat? Lassen wir uns auf einen Deal mit einem zweifelhaften Anführer ein? Schlagen wir Profit aus unserer Macht oder halten wir uns gut mit dem Archonten der Gerechtigkeit, in dessen Namen wir unterwegs sind? Nichts in „Tyranny“ ist nur schwarz und weiß und alle Entscheidungen haben Konsequenzen, mit denen wir leben müssen: die große Stärke von „Tyranny“. Durch seine Taten und Worte zieht der Spieler außerdem die Gunst oder den Zorn verschiedener Fraktionen und Personen auf sich, beeinflusst so den Lauf der Geschichte und schaltet nebenbei ab bestimmten Stufen spezielle Fertigkeiten frei.

Zu viert unterwegs

Das Grundgerüst von „Tyranny“, Gameplay und Engine, basiert auf „Pillars of Eternity“. Rollenspieler finden sich schnell zurecht. Durch Levelaufstiege können neue Fertigkeiten erlernt werden, die wir in den jederzeit pausierbaren Echtzeitkämpfen zum Einsatz bringen. Bis zu drei KI-Begleiter, die sich hin und wieder zu Wort melden, können sich der Gruppe anschließen. Während Waffen und Rüstung durch bessere Ausrüstung ersetzt werden, können wir Zauber mittels eines Baukastensystems weiterentwickeln und so auch an unsere Taktik anpassen. Tränke und Kombofähigkeiten runden das taktische Arsenal ab. Die Dialoge sind zum Teil vertont, die kurzen und bündigen Texte - die deutsche Übersetzung kann man übrigens als gelungen bezeichnen - sind gleichermaßen informativ und atmosphärisch. Atmosphäre ist dann auch das Stichwort für die vielseitige und stimmige Spielwelt von Terratus. Allzu lange hält man sich indes nicht an den teils überschaubaren Orten auf, was man so oder so sehen kann. Weniger empfehlenswert macht es „Tyranny“ aber nicht.


Erhältlich für den PC ab circa 42 Euro