LUXEMBURG
LJ MIT AFP UND DPA

Fröhlich ins neue Jahr „knuppen“ heißt auch, Rücksicht nehmen und Vorsicht walten lassen

Das Silvesterfest ist einmal mehr auch eine ereignisreiche Zeit für Gesetzeshüter und Rettungsdienste; immer wieder gibt es außerdem Zwischenfälle durch illegale Sprengkörper, Flaschenraketen oder Böller. In Deutschland durchsuchten so 500 Zollbeamte und weitere Ermittler am vergangenen Mittwoch und Donnerstag 53 Wohnungen und Lagerstätten. Im Visier: Illegale Pyrotechnik. In manchen Fällen musste das sichergestellte Material sogar direkt vor Ort zur Sicherheit gesprengt werden, da es als nicht transportfähig galt.

Die luxemburgische Polizei informierte umfassend über das, was am Silvesterabend erlaubt ist. So erinnerte sie daran, dass in Luxemburg lediglich die Feuerwerkskörper der Kategorien F1 und F2 verkauft und besessen werden dürfen. Die Kategorien bezeichnen Feuerwerkskörper, von denen nur eine kleine Gefahr ausgeht. Die Kategorien F3 (mittleres Risiko) und F4 (hohes Risiko) dürfen überhaupt nicht in die Hände feierlauniger Bürger gelangen. Mit den Risikokategorien gehen auch empfohlene Mindestabstände zur Sicherheit einher: Für die Kategorie F1 und F2 sind dies jeweils 1 und 8 Meter Mindestabstand.

Auf Konformitätslabel achten

Um sich und andere vor gefährlichen Feuerwerkskörpern zu schützen, gibt die Polizei zudem weitere Vorsichtsmaßnahmen mit auf den Weg: So ist einerseits auf das europäische Konformitätslabel CE auf der Verpackung zu achten. Außerdem sollte der Verkäufer eine von der Gewerbeinspektion (ITM) ausgestellte Erlaubnis vorweisen können. Die Böller und Raketen sollten in einem gut durchlüfteten Raum aufbewahrt werden und nicht in Kinderhände gelangen. Vor der Benutzung sollten die Anleitungen genau studiert werden. Zudem sollte auf den Mindestabstand sowie weitere Sicherheitsmaßnahmen geachtet werden - ein fester Untergrund als Abschussrampe etwa. Zur Sicherheit sollten außerdem Feuerlöscher und andere Mittel zur Brandbekämpfung parat stehen. Um vor Blindgängern und verspäteten Zündern geschützt zu sein, sollte man Raketen und Böller mindestens 30 Minuten zum „Abkühlen“ geben.

Vielerorts verboten - zuerst nachfragen

Nicht alle Gemeinden erlauben indes den Abschuss von Flaschenraketen und das Zünden von „Knupperten“ in der Nacht zum 1. Januar. Meist führen die kommunalen Verwaltungen Sicherheitsgründe als Hauptursache für das Verbot an; Querschläger, wildgewordene Raketen oder unsauber gezündete Böller könnten Feuer entfachen oder andere Schäden anrichten, von der Verletzungsgefahr beim unsachgemäßen Umgang mit Böllern ganz zu schweigen.

Um die Zahl der nötigen Einsätze der Polizei und Feuerwehren auf ein Minimum zu reduzieren, sollen Bürger etlicher Gemeinden deshalb vollständig auf das Feuerwerk verzichten (siehe Kasten). In jedem Fall lohnt es sich deshalb, sich bei der örtlichen Verwaltung umzuhören.

Autos kaum in Gefahr - Vorsicht ist dennoch besser

Für viele Autofahrer ist das alljährliche Silvesterfeuerwerk nicht nur eine tolle Show, sie haben auch Angst um ihre im Freien abgestellten Fahrzeuge. Wie die Experten der Automobilclubs aber ausführen, droht den Blechkarossen bei korrekter Anwendung handelsüblicher Feuerwerkskörper jedoch kaum Gefahr. Selbst eine ausgebrannte Rakete, die direkt auf dem Auto landet, verursache erfahrungsgemäß keine größeren Schäden, wie es heißt. Das gelte übrigens auch für Cabrios.

Man brauche auch nicht zu befürchten, dass ein Fahrzeug in Brand geraten könnte. Wird allerdings eine Rakete versehentlich auf oder in ein Auto abgefeuert, kann es durchaus gefährlich werden. Denn dann brennt der Treibsatz in direktem Kontakt zum Material ab und kann am Lack oder im Innenraum hässliche Schmauchspuren hinterlassen. Auch besteht die Möglichkeit, dass Scheiben zu Bruch gehen. Dies kann also teuer werden für den Zünder der Rakete. Da der jedoch meist unerkannt bleibt, ist die Geltendmachung eines Haftungsanspruchs oft schwierig. Nach Möglichkeit sollte man daher sein Auto in die Garage stellen, wo es vor verirrten Silvesterraketen und möglichen Streichen geschützt ist.

Auf Müll achten

Pünktlich zum Ende der kostenlosen Plastiktüten - Luxemburg schafft diese bekanntlich mit dem heutigen Tag ab - kommt das Silvesterfest als mahnendes Beispiel für mehr Rücksicht auf die Umwelt: Das nächtliche Böllern und Raketenfeuer verursacht reichlich Unrat. In den fünf größten deutschen Metropolen entfernen die Stadtreinigungen nach der Silvesternacht jährlich rund 190 Tonnen Feuerwerksreste und ähnlichen Abfall. Kommunale Entsorger dürften auch hierzulande alle Hände voll zu tun haben, um den verursachten Müll der Feiernden zu entsorgen. Das geht mit etwas Vernunft auch anders: Abgebrannte Böller und Feuerwerksbatterien sollten von öffentlichen Straßen und Plätzen entfernt werden. Dann startet man das neue Jahr auch direkt mit einem Bonuspunkt auf dem Karma-Konto.

Mit mehr Rücksicht klappt Neujahr auch für Haustiere

Auch vor anderen Lebewesen gilt die Rücksicht. Die Böllerei zum Jahreswechsel setzt viele Haustiere unter Stress. Das sorgt langfristig für Probleme.

Um Hund, Katze und Co. vor einer „Silvesterneurose“ zu schützen, sind einige Vorsichtsmaßnahmen angebracht. Der plötzliche, ungewohnte Lärm vor und während der Silvesternacht versetzt Tiere sonst in Angst und Schrecken. Fenster und Türen sollten in der Silvesternacht deshalb geschlossen sein.

Hunde nicht alleine lassen

Besonders wichtig sei, Tiere nicht während der Knallerei allein zu lassen, wie die Expertin des Hundetrainings „PudelsKern“, Verena Helfrich, erklärt: „Hunde am Silvesterabend alleine zu lassen ist ein absolutes NoGo“, betont sie. Der Vierbeiner sei in dem Augenblick besonders auf die Unterstützung durch seine Bezugsperson angewiesen. „Man sollte mit den Tieren in einer gewohnten Umgebung bleiben, denn auch die bekannte Wohnung oder das bekannte Haus vermittelt Sicherheit.“ Aufgeregte Hunde reagieren etwa schneller auf ungewohnte Geräusche als ein entspannter Vierbeiner, weiß Helfrich. Soziale Unterstützung sei das wichtigste Gegenmittel gegen Angst. „Der Mythos, dass Angst durch Zuwendung verstärkt wird, ist schon lange widerlegt!“, erklärt Helfrich. „Verschläft der Vierbeiner die Action, dann lässt man ihn aber natürlich schlafen .“

GRUNDSÄTZLICH GENEHMIGUNGSPFLICHTIG

Hier toleriert, dort eingeschränkt oder verboten

Eigentlich ist das Abbrennen von Feuerwerk sowieso genehmigungspflichtig, Silvesterfeuerwerk wurde allerdings lange überall toleriert. Das hat sich in den letzten Jahren geändert. Einige Kommunen unterstreichen die Verbote ausdrücklich, andere setzen strikte zeitliche oder räumliche Grenzen. Nachdem was bis jetzt aus verschiedenen Quellen bekannt wurde, entspringt die anschließende Liste (ohne Anspruch auf Vollständigkeit): Feuerwerk mit Einschränkungen erlaubt:

Clerf, von 23.45 bis 00.15 erlaubt
Differdingen, von 23.55 bis 00.15 erlaubt
Luxemburg, Feuerwerk ist ausschließlich auf Privatgrundstücken gestattet
Wiltz, von 23.45 bis 00.15 erlaubt

Komplettes Feuerwerksverbot:
Düdelingen, Erpeldingen/Sauer, Esch/Alzette, Hobscheid, Kayl, Kehlen, Redingen/Attert, Sassenheim, Schifflingen, Steinsel