LUXEMBURG
GÉRARD BICHLER

Im Juli 2017 wurde „Respect.lu - Centre contre la radicalisation“ von der asbl „SOS Radicalisation“ ins Leben gerufen, um zum Thema Radikalisierung sowohl zu informieren und zu sensibilisieren als auch Betroffenen und ihrem Umfeld Unterstützung und Hilfe anzubieten. „Wir sind nicht nur verantwortlich für das, was wir tun, sondern auch für das, was wir nicht tun“, sagte einst Molière, und genau dies wollen auch die Verantwortlichen des Zentrums verdeutlichen.

„Verantwortlich sein - Verantwortung übernehmen. Es ist so leicht daher gesagt. Doch was bedeutet es genau, und wo übernehmen wir eigentlich noch Verantwortung und wo längst nicht mehr? Übernehmen wir beispielsweise Verantwortung, wenn wir vermuten, dass jemand etwas gesagt oder getan hat, was wir als fraglich ansehen? Übernehmen wir Verantwortung, wenn wir mit dem Finger auf jemanden zeigen, um ihm die Schuld für etwas zuzuweisen? Und wie steht es um Handlungen, wie beispielsweise Kritik äußern oder das Bewerten eines Menschen in Gut oder Böse, Richtig oder Falsch? Übernehmen wir Verantwortung für die Wirkung, die dies auf den anderen Menschen haben kann?

Geben wir da nicht eher die Verantwortung ab und ziehen uns selber aus der Verantwortung zurück?

Die ,SOS Radicalisation asbl‘ ist der Auffassung, dass die Zeit für ein Umdenken gekommen ist. Immer mehr Menschen schließen sich extremen politischen oder religiösen Ideologien an und einige gehen sogar so weit, dass sie den Tod von Mitmenschen in Kauf nehmen.

Da drängen sich folgende Fragen auf: WIESO machen diese Menschen das? Wieso schrecken sie selbst vor Mord nicht zurück? Und wieso werden es immer mehr, die sich einer solchen Ideologie anschließen? Und: WAS können wir letztendlich selber tun, um dieser Tendenz entgegen zu wirken?

,Respect.lu - Centre contre la radicalisation‘ steht für einen respektvollen Umgang miteinander. Dabei wird Respekt wie folgt dekliniert:

R für ,Resilienz, das heißt die Widerstandskraft des Einzelnen

und der Gesellschaft fördern‘

E für ‚Egalität zwischen allen Menschen im Alltag leben‘

S für ,Solidarität unter den Menschen fördern‘

P für ‚Perspektiven finden‘

E für ,Empathie und Mitmenschlichkeit erhöhen‘

K für ,Kommunikation zwischen Einzelnen und Gruppen verbessern‘

T für ‚Toleranz und die Grenzen der Toleranz definieren‘

Auf diesen sieben Werten baut ,Respect.lu - Centre contre la radicalisation‘ seine tägliche Arbeit auf. Das Angebot reicht von Prävention über therapeutische Unterstützung, bis hin zur aktiven Deradikalisierungstherapie.

Die Gesellschaft, in der wir leben, das Miteinander, das wir pflegen, geht uns alle an und jeder einzelne von uns kann zu einem wertschätzenden Umgang miteinander beitragen. Alles fängt mit der Verantwortung an. Verantwortung für das eigene Handeln, Verantwortung für die Wahl der Wörter die wir aussprechen und genauso Verantwortung für die Gedanken, die wir denken. ,Worte können Fenster oder Mauern sein‘, formulierte es treffend der Psychologe Marshall B. Rosenberg.“