LUXEMBURG
CHRISTIAN BLOCK

Das „Maison de l’Orientation“ bekommt eine gesetzliche Grundlage - und einen Direktor

Drei Jahre, nachdem das „Maison de l’Orientation“ (MO) auf der „Stäreplaz“seine Türen geöffnet hat, bekommt das Haus der Orientierung eine gesetzliche Grundlage. Die Minister für Bildung und Arbeit, Claude Meisch (DP) und Nicolas Schmit (LSAP), stellten gestern gemeinsam den entsprechenden Gesetzesentwurf vor, mit dem sowohl die schulische wie die berufliche Orientierung verbessert und kohärenter werden soll. „Orientatioun ass net nëmmen eng Saach fir de Schüler“, sagte Meisch. Sie spiele ein Leben lang eine wichtige Rolle. In dieselbe Richtung gingen die Aussagen Schmits. Viele Berufsbilder befinden sich im Wandel. Immer öfter orientieren sich Menschen in ihrer beruflichen Laufbahn um.

Auch bei der Analyse von Schulabbruch, schulischem Scheitern oder Brüchen in der beruflichen Laufbahn finde man unter den Ursachen immer wieder eine falsche oder nicht ausreichend individuelle Orientierung, erklärte Meisch. „Der Schlüssel zur effektiven Bekämpfung der Arbeitslosigkeit in Luxemburg liegt in der Aus- und Weiterbildung“, ergänzte Schmit.

Aus den verschiedenen Diensten soll ein Ganzes werden

In einem ersten Schritt betrifft der Text allein die „Maison de l’Orientation“. Um sie effizienter und sichtbarer zu machen, wird künftig ein vom Regierungsrat noch zu bestimmender Direktor, dem ein „Service de coordination“ unterstellt ist, die Geschicke des Hauses leiten. Im MO sind derzeit das „Centre de Psychologie et d’Orientation Scolaires“ (CPOS), der „Service d’orientation professionnelle de l’Agence pour le développement de l’emploi“ (Adem-OP), die „Action locale pour jeunes“ (ALJ), der „Service national de la Jeunesse“ (SNJ) und die „Cellule d’accueil scolaire pour élèves nouveaux-arrivants“ (CASNA) angesiedelt. Wie Schmit ausführte, war seit den Anfängen des MO klar, dass eine zweite Etappe folgen müsse. Aus dem Nebeneinander soll jetzt ein Ganzes wachsen.

Übergreifende Strategie

Allerdings geht der Text insofern über das „Maison de l’Orientation“ hinaus, als eine nationale Strategie der schulischen und beruflichen Orientierung ausgearbeitet werden soll. Das „Forum orientation“, ein Rat mit vom Ministerium ernannten Mitgliedern unter dem Vorsitz des Direktors des „Maison de l’Orientation“, soll bei der Ausarbeitung und der Umsetzung dieser Strategie mitwirken. Vertreter aus verschiedenen Ministerien, Lehrer, Berufskammern, Schüler, Eltern und Studenten sollen außerdem in die Ausarbeitung eingebunden werden. Mindestens einmal im Jahr soll das Forum zusammenkommen und gegebenenfalls auch Experten einladen.

Außerdem müssen sich alle Gymnasien in Zukunft eine Orientierungsstrategie geben, die bestimmten Qualitätskriterien entsprechen muss. „Ein Mensch, der sich ein Ziel setzt, ist motiviert, dieses Ziel auch zu erreichen“, sagte Meisch. Deshalb soll die Orientierung, in Form einer Auseinandersetzung mit den eigenen Stärken und Interessen gefördert werden, um zu verhindern, dass junge Menschen erst dann eine Entscheidung treffen, wenn es eigentlich schon zu spät, ob auf 9e oder auf einer Abschlussklasse. „Wir müssen dafür sorgen, dass es zu einer permanenten Aufgabe wird, sich diese Fragen zu stellen“, sagte Meisch.

Aus dieser Überlegung heraus sollen sich alle Gymnasien eine Vorgehensweise überlegen, wie sie die Orientierung gestalten wollen. Allerdings steht den Schulen im Sinne der von Meisch gedachten Autonomie frei, welche Schwerpunkte sie setzen wollen. Seit diesem Monat läuft ein Pilotprojekt, bei dem sechs Lyzeen bei der Ausarbeitung einer solchen „démarche d’orientation“ begleitet werden. Jedes Gymnasium arbeitet seine eigene Strategie aus, die anschließend im Schuljahr 2016/17 umgesetzt werden soll. Weitere zehn Lyzeen sind in einer Reflexionsgruppe vertreten.

Der „Service de coordination“ wird zusammen mit dem „Service de Coordination de la recherche et de l’innovation pédagogique“ (SCRIPT) und den Lyzeen einen Referenzrahmen mit Qualitätskriterien ausarbeiten. Bis Anfang Januar 2017 sollen der Referenzrahmen und die Qualitätskriterien für die Orientierung stehen.

Der Regierungsrat hat den Vorentwurf in seiner Sitzung vom 6. Februar angenommen. Möglich ist eine Abstimmung im Parlament noch vor dem Sommer.