LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Exklusiv-Interview: Markus Payer blickt als neuer „Chair“ der Asteroid Foundation und designierter Chefredakteur der Plattform SpaceWatch.Global auf Erreichtes und gibt einen Ausblick

Markus Payer hat gleich zwei neue Hüte auf. Gerade erst hat er Georges Schmit als Verwaltungsratspräsident der Asteroid Foundation abgelöst. Und nicht nur das: In dieser Woche wurde er auch noch zum Chefredakteur einer international anerkannten globalen Spaceplattform berufen. Uns hat er aus seinem Urlaub heraus ein Exklusiv-Interview gegeben.

Herr Payer, Sie werden ab dem 1. September Chefredakteur von SpaceWatch.Global. Eine große Ehre?

Markus Payer Auf jeden Fall! Der Zugang zu Informationen über globale Raumfahrtaktivitäten ist der Schlüssel für alle, die weitreichende Business-Entscheidungen treffen müssen. Nur so können sie oft widersprüchliche Trends zu erkennen und interpretieren und die Teile des gigantischen Puzzles aus Hightech und Wirtschaft zusammenfügen. Ich denke, SpaceWatch.Global ist ein hervorragendes Werkzeug dafür. Es beherbergt eine der wichtigsten virtuellen Gemeinden von Weltraumbegeisterten und hat sich als lebendige, vertrauenswürdige digitale Plattform etabliert. Der 2016 gegründete und in Bern von der ThorGroup GmbH produzierte SpaceWatch.Global ist ein unabhängiger und neutraler Multimediakanal, der von der Industrie, von Institutionen, Wissenschaftlern, Ingenieuren, Unternehmern, Analysten, politischen Entscheidungsträgern, Anwälten, Investoren und allen Arten von Weltraumexperten und –freaks frequentiert wird. Wir liefern Nachrichten, Analysen, Standpunkte und Wissensaustausch. Ich freue mich, ab dem 1. September 2020 als neuer Chefredakteur zu SpaceWatch.Global zu kommen. Das Netzwerk, das ich über Jahrzehnte aufbauen konnte, wird mir in dieser neuen Rolle helfen, und ich werde meine beruflichen Fähigkeiten als Nachrichtenredakteur bei Reuters, als Führungskraft im Bereich Unternehmenskommunikation bei SES und als Vorsitzende der Asteroid-Foundation einsetzen, um das Team bei der Entwicklung dieser Plattform zu unterstützen. Unser Ziel ist es, die Nachrichtenredaktion zu erweitern, unsere digitalen und interaktiven Formate zu fördern, die internationale Reichweite der redaktionellen Aktivitäten zu erhöhen und relevante Themen abzudecken, bei denen Raumfahrttechnologien in konkrete Produkte und Anwendungen umgesetzt werden.

Sie sind erst vergangene Woche zum „Chair“ der Asteroid Foundation in Luxemburg berufen worden. Was macht die eigentlich?

Payer Zweck der Asteroid Foundation ist es, den Menschen die Geschichte und Existenz der Asteroiden nahezubringen und die Erforschung der Asteroiden voranzubringen. Asteroiden sind Gesteinsbrocken, die so groß wie ein Hochhaus sein können und durch das Sonnensystem fliegen. Wir wissen noch nicht viel über sie; erste Missionen mit Robotern, wo wir Gesteinsproben gewinnen konnten, hat es aber schon gegeben. Was wir wissen ist, dass viele Asteroiden reich an Metallen sind und dass manche der Erde nahe oder – im schlimmsten Fall – gefährlich nahe kommen oder sogar einschlagen, so wie der gigantische Asteroid, der vor 66 Millionen Jahren das Antlitz der Erde verändert hat und für das Aussterben der Dinosaurier verantwortlich gemacht wird.

Was bietet sie an?

Payer Die Asteroid Foundation hat sich zum Ziel gesetzt, die Aufklärung und Forschung über Asteroiden weltweit voranzutreiben und die Menschen, die sich für Asteroiden interessieren, zu vernetzen. Dazu richtet die Foundation jedes Jahr den Asteroid Day aus, der für den 30. Juni als offizieller Tag im Kalender der Vereinten Nationen anerkannt und eingetragen ist.

Welche Rolle hat Covid gespielt?

Payer Teil des Asteroid Days waren bislang VIP- und Gala-Empfänge sowie Studiopanels bei RTL auf dem Kirchberg. Es ist klar, dass wir diese Events dieses Jahr aufgrund der Pandemie nicht abhalten konnten. Wir sind froh, dass die Asteroid Foundation schon frühzeitig, Mitte März, beschlossen hat, voll auf eine digitale Plattform umzuschwenken und den Asteroid Day als rein virtuelles Ereignis abzuhalten. Das haben wir am 30. Juni mit einem Riesenerfolg getan. Wir sind weltweit in den Medien und sozialen Netzwerken neun Milliarden Mal angeschaut oder angeklickt worden. Virtuelle Regionalveranstaltungen sind auf allen Kontinenten wie Pilze aus dem Boden geschossen. Das alles hat auch einen enorm positiven Effekt auf das Image und Branding des Landes. Die Asteroid Foundation ist in Luxemburg registriert, und überall auf der Welt, wo über Asteroiden geredet wird, fällt oft der Name Luxemburg – als ein Land, das sich nachhaltig in Weltraumforschung und -technologien engagiert.

Was plant die Foundation noch?

Payer Wir wollen die Asteroid Day-Plattform konsequent weiter ausbauen und voll auf die digitale Karte setzen. Wer in der Post-Covid-Welt digitale Plattformen hat, hat die Nase vorn. Wir bauen ein Team auf, das auf dem Kirchberg arbeitet, mit einer eigens fest angestellten Programmdirektorin. Und wir setzen auf Bildung und Forschung und arbeiten mit Wissenschaftlern und Institutionen wie der Uni Luxemburg zusammen. Dazu nutzen wir unser Space-Connects-Us-Programm, das wir im März zu Beginn der Pandemie aus der Taufe gehoben haben. Viele haben das direkt oder indirekt gesehen; das war ein Programm, wo Astronauten den Menschen erklären, wie man in Isolation lebt und überlebt. Wenn ich heute, als Initiator dieses Programms und Chair der Stiftung, mit den Menschen über dieses Programm rede, fangen ihre Augen zu leuchten an und sie sagen: „Ach, das wart IHR?“ Das zeigt mir, dass wir mit dem Asteroid Day ein Tool in der Hand haben, mit dem wir viele Menschen in vielen Ländern erreichen können und das ein enormes Potenzial hat.