CLAUDE KARGER

Genau ein halbes Jahrhundert ist es heute her, dass mit dem US-Astronauten Neil Armstrong der erste Terraner einen Fuß auf den Mond setzte. „Ein kleiner Schritt für den Menschen, aber ein riesiger Sprung für die Menschheit“. 384.400 Kilometer von zuhause weg stand der Pilot im Vakuum auf der staubigen Oberfläche des Erdtrabanten, der den Lauf unserer Welt und unserer Kultur so stark prägt, während 600 Millionen Erdenbürger – ein Fünftel der Menschheit damals – in 49 Ländern dem historischen Vorgang „live“ mitverfolgen konnten. Die Mondlandung, sie war auch eine Sternstunde für das Fernsehen, das ab diesem Moment wirklich zum Massenmedium wurde. Elf weitere Astronauten sollten es Armstrong während der weiteren Apollo-Missionen bis 1972 nachtun und auf dem Mond spazieren. Die Erkenntnisse, die wir dadurch gewannen und die Gesteins- und Staubproben, die dabei eingesammelt wurden und bis heute nicht alle ausgewertet sind: unbezahlbar.

Mit Ehrfurcht blicken wir heute zurück auf die unglaubliche Leistung der Raumfahrtpioniere, die das knapp 60 Jahre nach der Erfindung der Fliegerei schafften, weitestgehend ohne Unterstützung von künstlicher Rechenpower. Natürlich war das Rennen zum Mond mitten im Kalten Krieg auch eine eminent politische Angelegenheit. Präsident John F. Kennedy stand angesichts der sowjetischen Raumfahrt-Erfolge unter enormem Druck. Es galt, eins draufzusetzen, um zu beweisen, dass das westliche System doch das Bessere ist. Und so trat der Mann, der die Mondlandung nicht mehr miterleben durfte, am 25. Mai 1961 mit einer „Spezialbotschaft zu dringenden nationalen Bedürfnissen“ vor den US-Kongress und kündigte an, dass die USA noch vor Ende des Jahrzehnts einen Menschen zum Mond und wieder zurückbringen würden, egal was es koste. Die Rechnung ging auf. Und machte es unattraktiv für den sowjetischen Konkurrenten, mit einem weiteren teuren Mondabenteuer gleichzuziehen.

Nun ist die Sowjetunion Geschichte und die bemannte Raumfahrt sowie die Weltraumforschung sind meist internationale Unterfangen. Das sollte auch so bleiben, die Erkenntnisse über das All, die in den letzten sieben Jahrzehnten Riesensprünge gemacht haben, sollten der ganzen Menschheit dienen. Ebenso das Schürfen von Ressourcen, ein Gebiet, auf dem sich Luxemburg in den letzten Jahren bekanntlich stark etabliert hat. Doch es findet augenblicklich ein neues Weltraumrennen statt. Nationen – allen voran die USA – überbieten sich in Ankündigungen, welche – Mitte bis Ende der 2020er – als erste wieder Menschen auf den Mond bringt und ihn vielleicht sogar dauerhaft besiedelt. So würden Mars und andere Planeten auch näher rücken. Die Nationen könnten ja Ressourcen und Bemühungen bündeln, um gemeinsam Erfolge im All zu feiern. 1.800 Milliarden Dollar geben die Länder jährlich zu ihrer Verteidigung aus. Was man mit diesem Geld nicht alles an Weltraummissionen und Forschung insgesamt finanzieren könnte! Zum Vergleich: Das Apollo-Programm kostete damals rund 120 Milliarden Dollar. Leider aber strahlt das bornierte „We first“-Denken, das wir hier unten – verstärkt - pflegen und das unseren Planeten immer weiter an den Rand der Katastrophe bringt, bis in die unendlichen Weiten des Weltraums aus...