BUDAPEST/LUXEMBURG
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Flüchtlingskrise: Die EU findet keinen gemeinsamen Nenner

Die Flüchtlingskrise wird für Europa zu einer immer größeren Belastungsprobe. In Ungarn, wo Tausende seit Tagen auf die Weiterfahrt in den Westen warten, gab es gestern wieder dramatische Szenen. In Budapest und Umgebung machten sich mehrere hundert Menschen - vor allem Syrer - zu Fuß auf den Weg.

Bis zur österreichischen Grenze ist dies ein Marsch von mehreren Tagen. Immer wieder waren „Deutschland“- und „Germany“-Rufe zu hören.

Massiver Widerstand gegen verbindliche Quoten zur Verteilung von Flüchtlingen

Trotz des Chaos ist die EU weiter tief zerstritten, wie mit den Flüchtlingen umgegangen werden soll. Bundeskanzlerin Angela Merkel forderte eine grundlegende Reform der europäischen Flüchtlingspolitik. „Das gesamte System muss neu gestaltet werden“, sagte Merkel verschiedenen Zeitungen. Zwischen den 28 EU-Ländern müsse es eine „faire Lastenverteilung“ geben.

Gegen die deutsch-französische Initiative für verbindliche Quoten zur Verteilung von Flüchtlingen gibt es aber weiterhin massiven Widerstand. Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban machte erneut Front gegen Berlin. Bei einem Treffen in Prag lehnten aber auch die Regierungschefs aus Polen, Tschechien und die Slowakei solche Quoten strikt ab. Die Flüchtlingskrise ist auch beherrschendes Thema eines Treffens der EU-Außenminister an diesem Wochenende in Luxemburg.

Cameron will Syrer aus Flüchtlingslagern aufnehmen

Großbritanniens Premierminister David Cameron erklärte sich zur Aufnahme von mehreren tausend Syrern bereit. Eine genaue Zahl nannte er nicht. Das Angebot richtet sich jedoch ausdrücklich nur an Menschen, die noch in Flüchtlingslagern an Syriens Grenze sind. Für Flüchtlinge, die es bereits nach Europa geschafft haben, gilt es nicht. Der konservative Premier, der bislang eine harte Haltung verfolgt, war durch das Bild eines ertrunkenen Jungen massiv in die Kritik geraten.

Am Ostbahnhof von Budapest, wo etwa 3.000 Flüchtlinge von den Behörden seit Tagen an einer Weiterfahrt gehindert wurden, machte sich eine Gruppe von etwa 500 zu Fuß auf den Weg. Auch in der Stadt Bicske marschierten etwa 300 Menschen zu Fuß los. Sie hatten bereits in einem Zug nach Österreich gesessen, die Fahrt wurde dann aber von den Behörden gestoppt. Am Bahnhof von Bicske brach ein etwa 50 Jahre alter Flüchtling zusammen und starb. Über die genaue Todesursache und über die Herkunft des Mannes gab es zunächst keine Informationen. Aus einem Erst-Registrierungslager an der Grenze zu Serbien flohen etwa 300 Menschen. Nach Berichten ungarischer Medien wollten sie nicht mehr länger warten.

Ein anderer Zug mit 120 Flüchtlingen wurde im Dorf Nagyszentjanos gestoppt. Die Menschen wurden in ein Lager gebracht. Ungarns Ministerpräsident Orban warnte davor, Muslime nach Europa einwandern zu lassen. Eines Tages würden die Europäer entdecken, dass sie auf dem eigenen Kontinent in der Minderheit seien, sagte er im staatlichen Rundfunk. „Wenn wir unsere Grenzen nicht schützen, werden zehn Millionen nach Europa kommen.“

Angesichts der großen Zahl an Flüchtlingen auf griechischen Inseln versprach der Vizepräsident der EU-Kommission, Frans Timmermans, Athen weitere Hilfe.
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